À l'intérieur - Inside (2007) #horrorctober

Erstellt am 1. Oktober 2015 von Fincky87


Im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends begeisterte ein bis dato für hochwertige Horrorkunst eher unbekanntes Land die Gemeinde der Genrefans. Frankreich. Die Wave of new french extreme. Extrem. Wirklich extrem. Filme wie Inside, Martyrs, Frontiers oder auch High Tension überzeugten nicht nur Fans, sondern auch Kritiker, wenn sie nicht vorher fluchtartig das Kino verlassen haben. Gründe dafür gäbe es zahlreich. Doch anders als im verwandten Torture Porn erzählt die französische Extreme eine Geschichte. Und diese ist meist genauso so schockierend wie die passenden Bilder.
Inside ist für mich der stärkste Vertreter dieser kurzlebigen Ära des französischen Terrorkinos. Der Film erzählt von der schwangeren Fotografin Sarah, die bei einem Autounfall ihren Ehemann verliert. Fortan lebt sie allein mit ihrem Ungeborenen in einem Haus. Am heiligen Abend klopft es plötzlich an der Tür. Eine Frau, die Sarah sehr gut zu kennen scheint, möchte Eintritt in Sarahs vier Wände. Früh wird klar, dass die fremde Frau nichts gutes im Schilde führt und alles dafür tun wird um an das Leben, das in Sarah heranwächst zu kommen.

Eine knappe 3/4 Stunde des Films ist Inside ein spannender, betörender Psychothriller, eher er sich in der zweiten Hälfte als ganz finstere und fiese Schlachtplatte entpuppt, die keine Gnade dabei zeigt jegliche Grenzen des ertragbaren zu überschreiten. Für mich ist Inside einer der härtesten und schockierendsten Filme der letzten zehn Jahre. Das Debüt der beiden Regisseure Bustillo und Maury bietet auf so vielen Ebenen etwas an. Es erzählt metapherhaft die Sorgen einer Frau über eine Schwangerschaft und das damit verbundene Wohlbefinden des ungeborenen Kindes. Die Angst und Furcht vor Komplikationen. Und genauso eine solche Komplikation spiegelt sich für Sarah in der fremden Frau wieder, die in ihr Haus und ihr Leben eindringt.
Früh lässt sich erahnen, dass auch die fremde Frau großes Leid erfahren musste und dieses in ihren abscheulichen Taten zu kanalisieren versucht. Inside entpuppt sich mit Ausnahme der ersten Minuten als präzise getimtes Kammerspiel, in dem sich vor allem die beiden Hauptdarstellerinnen völlig austoben und verausgaben dürfen. Was Béatrice Dalle und Alysson Paradis hier abliefern, ist ein Psychoduell vom feinsten. Was meist nur im maskulinen Actiongedöns gezeigt wird, geht im Horrorfilm auf feminine, brachiale und schmucklose Art und Weise.

Alexandre Aja setzte mit High Tension die Messlatte hoch an. Doch gegen Inside ist der Erwecker des französischen Terrors nur ein Kinderspiel. In Inside gibt es von der ersten bis zur letzten Minute keinen glücklichen Moment, keine Zufriedenheit. Jedes Aufkeimen von Hoffnung wird sofort in Brutalität und Terror erstickt. Realistisch, ehrlich, knüppelhart. Bei aller Grenzerfahrung, die jeder gerne mal ausprobiert, sei jedoch eine Warnung ausgesprochen. Inside ist grafisch extrem explizit. Ich behaupte von mir das A bis Z der wichtigen Horrorfilme in- und auswendig zu kennen und zähle Inside für mich zu den fünf härtesten Filmen die ich kenne. Sicherlich gibt es in einigen Filmen mehr Splatter, aber selten so harten und realistischen wie hier. Selbst der Score ist purer Terror und erinnert nicht von ungefähr an die Klangwüsten eines Texas Chainsaw Massacre.
Selbst für die meisten Horrorfans war Inside viel zu hart und das ist auch verständlich. Der Film lässt einen nicht kalt und beschäftigt im Abgang noch lange. Dabei verfällt der französische Film nie in billige Gewalt der Gewalt wegen, sondern lässt den Zuschauer eine Intensität sondergleichen durchleben. Inside ist ganz große Horrorkunst. Eine schweiß- und blutdurchtränkte Tour de Force. Die Mutter der Gewalt und gleichzeitig die Genrespitze des Eisbergs. Muss man gesehen haben. Und wenn es nur ein einziges Mal ist...
OT: À l'intérieur IT: Inside VÖ: 2015 Laufzeit: 79 Minuten FSK: - R: Alexandre Bustillo, Julien Maury D: Béatrice Dalle, Alysson Paradis
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Christian
Bildquelle: NSM Records