96. Stück: Kinojahresrückblick 2019 – die besten Filme und Animationsfilme

Welche Filme haben mir im Jahr 2019 am besten gefallen? Und warum? Das verrate ich euch im Folgenden:

10. „Green Book – Eine besondere Freundschaft“

„Green Book – eine besondere Freundschaft“ von Peter Farrelly ist als Road- und Feelgoodmovie sehr gelungen. Wie sich die Beziehung zwischen Dr. Shirley und Tony Lip allmählich entwickelt, macht Spaß mitanzuschauen. Die Bilder sind schön und stimmungsvoll und fangen das Zeitkolorit und die Atmosphäre perfekt ein. Der Soundtrack ist absolut großartig. Und Mahershala Ali sowie Viggo Mortensen spielen einfach wunderbar.

Ein paar Kritikpunkte kann man trotzdem anbringen, wobei das aus meiner Sicht dem Filmvergnügen keinen Abbruch tut, da es ja darum geht, wie sich zwischen zwei verschiedenen Männern eine tiefe Freundschaft entwickelt – und das wurde ja hervorragend umgesetzt. Aber man kann zum Beispiel monieren, dass im Film nicht mehr passiert, als man auch schon im Trailer gesehen hat. Die Spannungskurve ist außerdem eher flach und macht nur in wenigen Momenten einen Sprung nach oben, wenn der Rassismus der Menschen zutage tritt und man Dr. Shirley dabei erlebt, wie er trotz allem versucht, seine Würde zu bewahren.

Was ich ebenfalls mit einem gewissen Unbehagen festgestellt habe, ist, dass Mahershala Ali als Nebendarsteller bei den Oscars nominiert ist, Viggo Mortensen hingegen als Hauptdarsteller. Ich habe mich mit meinen Kinobegleitern darüber unterhalten. Ich war der Meinung, die Hauptrolle in dem Film ist ja eigentlich die Beziehung zwischen den beiden Männern, also müssten auch beide Männer als Hauptrolle betrachtet werden.

Aber so im Nachhinein: Es stimmt ja schon, dass die Geschichte vor allem aus Tonys Sicht geschildert wird. Zudem hat ein Sohn des echten Tony Lip das Drehbuch geschrieben und als Produzent fungiert, der andere Sohn hat mitgespielt und auch Tonys Bruder hat eine Rolle im Film übernommen. Also vielleicht ist das doch gerechtfertigt. Ich stelle das allerdings gern zur Diskussion und finde es spannend, zu erfahren, wie andere das wahrnehmen.

Fazit: Ein schöner Film über eine außergewöhnliche Freundschaft. Macht Spaß, lohnt sich!

9. „Ben is back“

„Ben is back“ von Peter Hedges ist ein starkes Drama, das eindrucksvoll zeigt, wie Sucht nicht nur den Süchtigen selbst ins Verderben stürzt, sondern auch sein gesamtes Umfeld: Familie, Freunde und Bekannte. Trotz gelegentlicher Längen und obwohl eigentlich gar nicht so viel Sichtbares passiert, bleibt der Film durchweg spannend. Der Film ist nichts für schwache Nerven, denn trotz langsamem, ruhigem Erzähltempo passiert sehr viel im Inneren der Figuren und auf der Beziehungsebene der Figurenkonstellation.

Es hat etwas von einem Kammerspiel, wie Holly Burns um ihren Sohn Ben kämpft und dabei permanent zwischen Liebe, Sorge, Angst, Wut und Enttäuschung hin und her schwankt. Als Zuschauer fühlt man so intensiv mit ihr mit, dass man den Eindruck hat, selbst ihre Gefühlsachterbahn zu durchleiden. Julia Roberts und Lucas Hedges spielen dieses Mutter-Sohn-Gespann absolut großartig und so überzeugend, dass es an die Nieren geht. Toll, wie die beiden sich ergänzen!

Fazit: Dieser Film lässt einen nicht kalt! Unbedingt sehenswert!

8. „Die Frau des Nobelpreisträgers“

„Die Frau des Nobelpreisträgers“ von Björn Runge ist ein fesselndes Drama mit einer starken Glenn Close in der Hauptrolle. Der Mann an ihrer Seite, Jonathan Pryce, steht ihr in nichts nach und überzeugt als schwacher, eitler, kindischer und egozentrischer Autor. Als Paar harmonieren die beiden auf grandiose Weise und die Dynamik zwischen den beiden sorgt für Spannung. Die gesamte Ambivalenz dieser Beziehung wird deutlich.

Einerseits fragt man sich: Wie hat diese kluge, talentierte Frau es bloß so lange mit diesem Narzissten und Egomanen ausgehalten? Warum hat sie sich die Affären gefallen lassen? Weshalb hat sie ihre eigene Karriere für diesen – mit Verlaub – eingebildeten Schwachkopf aufgeopfert? Andererseits stellt sie aber auch klar: Ich bin kein Opfer. Sie hat sich schon bewusst dafür entschieden, diesen Weg zu gehen, dieses „Abkommen“ mit ihrem Mann zu treffen. Trotzdem wird klar: genug ist genug.

Im Grunde passiert im Film nicht viel, was man nicht auch schon aus dem Trailer kennt. Aber das macht nichts. Denn wie sich diese beiden großartigen Schauspieler gegenseitig die Bälle zuspielen, macht einfach Spaß mitanzusehen. Und man kann beide irgendwie verstehen. Den Mann, klar: Warum sollte er seine Frau verlassen, wenn sie ihm so bedingungslos den Rücken stärkt, seine Karriere überhaupt erst ermöglicht, obwohl er sie dauernd betrügt und nicht sonderlich empathisch behandelt?

Aber auch die Frau kann man verstehen: Schreiben ist ihr Leben, aber was nützt es, wenn sie nicht gelesen wird? Und in ihrer Jugendzeit sah sie keine Möglichkeit, als Frau ihre Texte erfolgreich zu publizieren. Da kam ihr das mangelnde Talent ihres Mannes und seine Geltungssucht gerade recht. Und dann war es irgendwann zu spät, um aus der Nummer wieder rauszukommen. Zwischendurch gab es wohl auch immer wieder glückliche Momenter voller Liebe. Also hält sie an ihrem Geheimnis fest. Wobei man ihr im Film ansieht, wie viel Kraft und Nerven sie das mit der Zeit kostet. Und Glenn Close verkörpert diese Frau, die kurz vor der Explosion steht, mit Bravour.

Fazit: Zwei fantastische Charakterdarsteller liefern sich ein spannendes Psycho-Duell. Unbedingt zu empfehlen!

7. „Der verlorene Sohn“

„Der verlorene Sohn“ von Joel Edgerton ist ein starkes Familiendrama und zeigt auf erschreckende Weise auf, welchen Vorurteilen Homosexuelle noch immer ausgesetzt sind. Im Mittelpunkt steht der junge Jared, der an einer sogenannten Reparativtherapie teilnimmt. Die Verantwortlichen betrachten Homosexualität als eine schlechte Verhaltensweise, die sich heilen ließe durch die „richtige“ Einstellung und allerlei absurden Handlungen, die als „typisch männlich“ betrachtet werden – aber eigentlich nur haarsträubend sexistisch sind.

Das ist recht nüchtern und sachlich erzählt, ohne Tränendrüsengedrücke, ohne großes Drama, ohne Geschrei. Die Schauspieler – vor allem Lucas Hedges, Nicole Kidman und Russell Crowe – spielen unaufgeregt, aber mit intensiver, innerer Kraft. Hier passiert auch sehr viel zwischen den Zeilen. Trotzdem gibt es immer wieder auch humorvolle Momente. Und gerade diese Erzählweise macht das Geschehen auf der Leinwand umso erschreckender. Umso mehr, wenn man erfährt, dass das Ganze auf einer wahren Geschichte beruht und solche „Therapien“ noch immer nicht überall verboten werden – und dass es wirklich Menschen gibt, die diesen gefährlichen Quatsch glauben. Da bleibt nach Ablauf des Abspanns schon ein Kloß im Hals stecken.

Fazit: Unbedingt sehenswert! Nicht verpassen!

6. „Vice – Der zweite Mann“

„Vice – der zweite Mann“ von Adam McKay ist ein gelungenes Portrait von Dick Cheney und beleuchtet auf satirische Art und Weise die politischen Hintergründe, die schließlich im zweiten Irakkrieg mündeten. Das ist fies und bitter, aber auch so absurd, dass man es kaum fassen kann und lachen muss, um nicht zu verzweifeln.

Die Schauspieler sind durch die Bank weg grandios: Christian Bale verkörpert Dick Cheney so überzeugend, ambivalent und verschlossen, klug und besonnen – und brandgefährlich. Steve Carell spielt Donald Rumsfeld als sexistischen, eitlen, arroganten Kotzbrocken, der aber ganz genau weiß, wie man die eigene Macht für seine Zwecke nutzt. Amy Adams als Lynne Cheney steht ihrem Mann in nichts nach, ist teilweise sogar noch raffinierter, ehrgeiziger und rhetorisch geschickter als er – da haben sich wirklich zwei gefunden. Und Sam Rockwells George W. Bush ist einfach so gut getroffen, dass es eine Freude ist, ihm beim Spielen zuzuschauen.

Zwischendurch gibt es schon die eine oder andere Länge, wenn die familiären Angelegenheiten Cheneys im Vordergrund stehen und die politischen Ränkespiele in den Hintergrund treten. Aber insgesamt ist der Film sehr unterhaltsam. Die Geschichte wird außerdem immer wieder durch die Erzählstruktur mit mehreren Ebenen ironisch gebrochen, sodass es nie zu rührselig wird.

Fazit: Gelungene Politsatire mit tollen Schauspielern. Lohnt sich!

5. „Deutschstunde“

„Deutschstunde“ von Christian Schwochow geht einem an die Nieren. Wie der kleine Siggi Jepsen unter dem strengen, pflichtfanatischen Vater leidet, seine Freundschaft mit dem Patenonkel und Maler Nansen, wie er selbst seine Liebe zur Malerei entdeckt … das mitanzusehen, ist so überzeugend und beklemmend, dass es kaum auszuhalten ist. Diese Atmosphäre der ständigen Angst und Unterdrückung wird noch verstärkt durch die raue, kühle und trotzdem schöne Landschaft Nordfrieslands und ihrer wild-düsteren Stimmung. Die Schauspieler sind großartig, vor allem Levi Eisenblätter als junger Siggi ist umwerfend gut.

Fazit: Fesselnde und erschütternde Literaturverfilmung mit einem tollen Ensemble – lohnt sich!

4. „The Peanut Butter Falcon“

„The Peanut Butter Falcon“ von Tyler Nilson und Mike Schwartz ist ein herzerärmender Feelgood-Roadmovie mit glänzend aufgelegten Schauspielern, die wunderbar miteinander harmonieren. Mit einer Leichtigkeit und Natürlichkeit spielen Zack Gottsagen, Shia LaBeouf und Dakota Johnson sich gegenseitig die Bälle zu, dass es eine Freude ist. Die Geschichte ist spannend, aber ruhig und mit liebevollem Humor erzählt. Dazu passen die tollen Landschaftsaufnahmen von North Carolina, die für die passende Atmosphäre sorgen.

Man schließt insbesondere Hauptfigur Zak sofort ins Herz, aber auch der Fischer Tyler, der sein Leben nicht so richtig auf die Kette kriegt, und die Pflegeheimmitarbeiterin Eleanor, die vor lauter Korrektheit den Sinn für die Kleinigkeiten des Lebens vergessen hat, sind einfach liebenswert.

Fazit: Ein toller Film! Unbedingt anschauen!

3. „Parasite“

„Parasite“ von Joon-ho Bong ist ein merkwürdiger, schräger – aber auch genialer Film. Wie die verarmte Familie sich nach und nach, trickreich, geschickt und entschlossen im Haus der reichen Familie einnistet, macht Spaß zuzusehen. Die Dreistigkeit und Skrupellosigkeit, mit der sie dabei vorgehen, wäre allerdings nicht zu ertragen, wären die Figuren nicht so sympathisch und charmant gestaltet und würden die Schauspieler nicht so viel Spaß an ihren Rollen haben.

Auf diese Weise wirkt die groteske, irrwitzige Geschichte stellenweise urkomisch, dann wieder thrillerartig spannend und dann wieder tragisch und anrührend. Nebenbei erfährt man auch ein wenig über die Verhältnisse in Südkorea, über die Armut in dem Land, und wie sehr im Kontrast dazu die Reichen im Überfluss leben. Gesellschaftskritik gibt’s also auch dazu, aber ohne erhobenen Zeigefinger, moralische Betroffenheitskeule oder sonst irgendetwas. Der Film bewahrt sich die ganze Zeit über seine Leichtigkeit.

Zwischendurch gibt es schon ein paar Längen, aber im Nachhinein trüben sie das Vergnügen insgesamt nicht.

Fazit: Ein eigentümliches und ungewöhnliches Filmjuwel – nicht verpassen!

2. „Joker“

„Joker“ von Todd Phillips ist ein erschütterndes Porträt einer tragischen Existenz, der nach und nach alles entgleitet. Arthur Fleck gehört zu den unsichtbaren Ausgestoßenen der Gesellschaft, denen es schwer gemacht wird, einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Und dann wird ihm Stück für Stück das Bisschen, was er hat, weggenommen. Er findet keinen Anschluss an sein soziales Umfeld, wird verachtet und verlacht oder die Menschen haben Angst vor ihm. So oder so – er verliert jeden Halt und die Folgen davon … verrate ich nicht, um nicht zu spoilern.

Auf jeden Fall ist „Joker“ eine ziemlich düstere und pessimistische Abrechnung mit unserer Gesellschaft, dem Umgang mit Menschen, die anders sind, die Hilfe brauchen, die nicht 100-prozentig „funktionstüchtig“ sind und einem von Kapitalismus und Profitorientierung zerstörten Gesundheitssystem.

Fazit: Nichts für schwache Nerven, aber lohnt sich!

1. „Rocketman“

„Rocketman“ von Dexter Fletcher hat mich einfach umgehauen. Eigentlich mag (oder mochte?) ich die Musik von Elton John nicht besonders – zu brav, zu bieder, zu schnulzig. Tja. Ich lag falsch. Mir ist erst durch diesen Film bewusst geworden, wie viel Gefühl und Geschichte sich in Elton Johns Songs verbirgt. Gut, es wurden wohl hier und da ein paar Textstellen leicht angepasst, damit sie besser in die Handlung passen (behauptet zumindest ein Kumpel von mir, der riesiger Elton-John-Fan ist und in der Regel recht hat). Aber trotzdem hat es mich verblüfft, wie virtuos die Lieder in die Handlung eingeflochten waren.

In Kontrast zu der im Grunde tieftraurigen Kindheit Reginal Dwights mit seinen lieblosen, hartherzigen und egozentrischen Eltern, die ihrem Sohn mit Ablehnung an der Grenze zur Abneigung begegnen, ihn kleinmachen und ihm das Gefühl vermitteln wertlos und nicht liebenswert zu sein, stehen die quietschbunten Tanzszenen. Die Farben und mise en scène fangen das Zeitkolorit der 50er bis 80er Jahre atmosphärisch ein und sorgen für einen harmonischen Gesamteindruck.

Nach seiner wirklich herzzerreißenden Kindheit, in der nur seine Großmutter zu ihm stand, geht es für Reginald Dwight alias Elton John zunächst ebenso tragisch und dramatisch weiter. Eine besonders bedrückende Szene, die mir jetzt noch rückblickend die Tränen in die Augen treibt, ist die, in der Elton John seiner Mutter übers Telefon offenbart, dass er homosexuell ist. Es kostet ihn so viel Überwindung und sie erwidert kaltschnäuzig: „Das wusste ich doch schon längst. Ich hoffe, dir ist klar, dass dich nie jemand richtig lieben wird.“

Und auf einmal versteht man, wie es dazu kam, dass Elton John zu Beginn des Films im vollen Bühnen-Dress in die Selbsthilfegruppe einer Entzugsklinik stürmt und gesteht, dass er alkohol-, drogen-, medikamenteabhängig, bulimisch und sonstwas ist.

Die ganze Zeit habe ich mich gefragt: Wie kommt er aus dieser Nummer bloß wieder raus? Ich wusste ja eigentlich, dass es gut ausgeht und er die Kurve kriegt – schließlich ist er ja heutzutage clean, glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder. Aber trotzdem blieb es spannend. Dann singt er zum Abschluss „I’m still standing“ – und das passte einfach perfekt, um meine Frage zu beantworten.

So, nachdem ich jetzt so von dem Film als Gesamtwerk geschwärmt habe, will ich auch noch die herausragende schauspielerische Leistung loben. Taron Egerton singt nicht nur die Songs selbst, und das auf eine Weise, die dem echten Elton John überzeugend ähnelt. Er spielt den Sänger auch mit einem Facettenreichtum und einem Einfühlungsvermögen, die ans Herz gehen. Auch die Kinderdarsteller sind grandios, ebenso alle anderen Schauspieler.

Ein richtig guter Film entlässt den Zuschauer nach dem Abspann anders, als er den Saal betreten hat – und das hat „Rocketman“ bei mir definitiv geschafft und sich seine 5 Sterne somit redlich verdient.

Fazit: Grandios! Nicht verpassen!


Und welche Animationsfilme gehörten 2019 zu meinen Favoriten?

10. „Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm“

„Shaun das Schaf 2 – Ufo-Alarm“ von Will Becher und Richard Phelan ist richtig süß, lustig und unterhaltsam geraten. Der Vorgänger hatte noch etwas mehr Charme, aber auch hier gehen einem die niedlichen Knetfiguren sofort ans Herz. Und für eine Außerirdischen-Geschichte ist die Handlung auch nicht zu abgehoben. Für die Erwachsenen gibt es viele Anspielungen an Filmklassiker und für die Kleinen eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, die alle Grenzen überschreitet.

Allerdings, auch wenn der Film FSK 0 hat, würde ich ihn für ganz kleine Kinder nicht unbedingt empfehlen. Er ist dafür dann doch zu lang und zu komplex. Die Kinder, die mit uns im Kino saßen, schienen jedenfalls etwas überfordert. Von rechts kam schon nach zehn Minuten „Mama, ich will nach Hause!“ und von links kam alle zwei Minuten ein „Mama, was macht die Frau da? Warum macht sie das? Was passiert gerade? Wieso? …“ Das ist ja ganz süß und so, aber mein Eindruck war, dass die Lütten reichlich gelangweilt waren und sich über einen halb so langen Film mit etwas weniger Wendungen und unterschiedlichen Figuren mehr gefreut hätten.

Fazit: Macht Spaß und ist einfach superknuffig und putzig. Lohnt sich 🙂

9. „Spione undercover“

„Spione undercover“ von Nick Bruno und Troy Quane ist ein einfallsreicher Animationsfilm mit sympathischen Figuren, knuddeligen Piepmätzen, Spannung und Action. Die originelle Grundidee hätte man vielleicht noch etwas weitertreiben können, aber ich hab mich unterhalten gefühlt. Mir gefällt einfach auch die positive Grundmoral, man könnte Probleme, Konflikte und ganze Kriege mit Kreativität, Gutherzigkeit und hartnäckigem, freundlichem Idealismus lösen, anstatt mit Gewalt. Das fände ich schön, wenn es so wäre. Und wenn es wenigstens in einem Film mal so ist, da wird mir warm ums Herz und das ist doch prima.

Allerdings ist „Spione undercover“ stellenweise ziemlich düster und der Bösewicht wirklich brutal, grausam und fies. Auch ist die Handlung gar nicht einmal so unterkomplex, wie es der Trailer vermuten lässt. Jüngere Kinder im Publikum schienen daher entweder verschreckt oder überfordert zu sein und quatschten demzufolge ständig dazwischen. Vielleicht wäre es dann klüger gewesen, mit den Kindern aus dem Kinosaal rauszugehen, anstatt gelangweilt auf dem Smartphone herumzutüddeln.

Fazit: Origineller, unterhaltsamer Animationsfilm, der aber erst für Kinder ab ca. 8-10 Jahren geeignet ist.

8. „Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“

„Buñuel – Im Labyrinth der Schildkröten“ von Salvador Simó ist meisterhaft gezeichnet und geschickt mit den Einblendungen aus dem realen Dokumentarfilm „Erde ohne Brot“ verknüpft, dessen Entstehungsgeschichte im Mittelpunkt der Handlung steht. Allerdings wurde versucht, auch noch Luis Buñuels künstlerische Ambitionen und Überzeugungen, seine Rolle im Surrealismus, sein Verhältnis zu Salvador Dalí, seine problematische Beziehung zum strengen Vater, seine Selbstzweifel, seine Ängste und Albträume und so weiter und so fort mit in die Geschichte einzuflechten. Ein Ödipus-Komplex Buñuels in Bezug auf seine Mutter wird ebenfalls angedeutet – also auch Freud und seine Traumdeutungen lassen grüßen.

Und das war wohl etwas zu ehrgeizig. Denn dadurch franst die Handlung aus und es werden zahlreiche – nicht uninteressante, aber dennoch ablenkende – Nebenschauplätze angetippt, ohne wirklich tiefgründiger dort einsteigen zu können.

Es ist daher ganz gut, wenn man schon mit ein wenig Vorwissen in den Film geht, zumindest, was die Vorstellungen der Surrealisten und ihre künstlerischen Ziele angeht. Dann kann man auch den Traumbildern mehr abgewinnen und sie einordnen. Gelangweilt habe ich mich in dem Film zwar nicht, denn die Bilder sind wirklich atemberaubend gut. Aber ich habe mich gewundert, worauf der Film hinauswill. Und ich fand, dass Buñuel teilweise so unsympathisch, grausam und durchgeknallt rüberkam, dass es mir wirklich sehr, sehr schwerfiel, mit der Hauptfigur Mitgefühl zu empfinden. Das war stellenweise wirklich nicht auszuhalten.

Fazit: Aus künstlerischer und historischer Sicht spannend, aus erzählerischer Sicht aber mit ein paar Schwächen kämpfend. Wer sich für Surrealismus interessiert, dürfte hierbei jedoch überwiegend Vergnügen empfinden.

7. „Angry Birds 2“

„Angry Birds 2“ von Thurop Van Orman ist urkomisch und herzerwärmend. Die Figuren sind wieder genauso putzig und liebenswert wie im ersten Teil, aber trotzdem kommen Ironie und Slapstick nicht zu kurz. Und obwohl die Szene mit dem Adlerkostüm aus dem Trailer wirklich zu einer der witzigsten Stellen im Film gehört, hat sie absolut nichts von ihrer Komik eingebüßt – sie ist sogar noch besser!

Fazit: Lohnt sich!

6. „Urfin – Der Zauberer von Oz“

„Urfin – Der Zauberer von OZ“ von Vladimir Toropchin und Co. ist ein anrührender, unterhaltsamer Animationsfilm, der Spaß macht. Die Figuren sind niedlich und liebenswert sowie mit Herz fürs Detail animiert, die Story ist einfallsreich und spinnt den Mythos um den Zauberer von Oz auf fantasievolle Weise weiter, ohne zu sehr von der Vorlage abzuweichen – eine gelungen Hommage also. Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich hier bestens unterhalten fühlen.

Und ein wenig Moralisches gibt es hier auch, aber zum Glück sehr charmant und nicht mit dem Holzhammer eingedroschen. Wenn man sich die Mühe gibt, hinter die Fassade der Menschen oder Lebewesen zu blicken, dann merkt man oft, dass sie gar nicht so böse sind. Und mit der Unterstützung guter Freunde sowie Teamwork kann man einiges erreichen und Konflikte lösen. Sicher, das klingt jetzt etwas abgedroschen, aber hier ist es tatsächlich sehr leichtfüßig und erfrischend inszeniert, sodass man nicht mit den Augen rollen muss.

Fazit: Lohnt sich: für Erwachsene, die ihre Kindheit in ihre Hosentasche gesteckt haben und immer mit sich herumtragen. Aber selbstverständlich auch für Eltern und ihre Kinder.

5. „Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“

„Ralph reicht’s 2 – Chaos im Netz“ von Rich Moore und Phil Johnston ist ein urkomisches Abenteuer quer durch die Geschichte des Internets. Wie Ralph und Vannelope versuchen, sich zwischen Facebook, Twitter, Google, YouTube, Instagram und Co. zurechtzufinden, ist einfach herrlich. Vor allem für „alte Leute“ wie mich, die auch noch das Prä-Internet-Zeitalter bewusst erlebt haben, gibt es unzählige Anspielungen und Gags zu entdecken. Zwischendurch wird es kurz ein bisschen rührselig, aber insgesamt macht der Film einfach so viel Spaß, dass das nicht weiter schlimm ist.

Fazit: Wunderbarer Animationsfilm, an dem vor allem die Generation 30+ ihre Freude haben dürfte.

4. „Die Eiskönigin 2“

„Die Eiskönigin 2“ von Jennifer Lee und Chris Buck hat mir richtig gut gefallen. Der erste Teil hatte mich noch unterwältigt zurückgelassen, weil ich die Musik eher langweilig fand und den Humor irgendwie forciert. Vielleicht hatte ich damals auch zu viel erwartet und war einfach enttäuscht. In den zweiten Teil bin ich dann auch entsprechend skeptisch hineingegangen, nach Sicht des Trailers überzeugt, einen kommerziell motivierten Aufguss des Vorgängers vorgesetzt zu bekommen.

Aber tatsächlich war die Handlung richtig spannend und wider Erwarten sind mir die Figuren wohl doch ans Herz gewachsen, sodass ich von Anfang bis Ende mitgefiebert habe, wie es Elsa, Anna, Christoph, Olaf und Co. ergeht. Die Musik war jetzt wieder nicht sooo mein Fall, aber da mir der Rest gut gefallen hat und die musikalische Untermalung dazu passte, ist mir das nicht so negativ aufgefallen.

Fazit: Fand ich persönlich noch besser als Teil 1 – dürfte also allen „Eiskönigin“-Fans gefallen.

3. „Penguin Highway“

„Penguin Highway“ von Hiroyasu Ishida ist ein bezaubernder Animationsfilm voller Humor und Fantasie. Die Figuren sind liebevoll gestaltet und charakterisiert, die Handlung sprudelt über vor schrägen Ideen und die Zeichnungen sind einfach wunderbar. Am Ende bleiben zwar noch einige Fragen offen, die sich wohl nicht abschließend eindeutig beantworten lassen – aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Lohnt sich!

2. „Die Addams Family“

„Die Addams Family“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan ist eine wunderbare Neuinterpretation der beliebten Gruselfamilie. Ich war zugegebenermaßen etwas skeptisch, da ich ein Riesenfan der Spielfilme aus den 90er Jahren bin und mir nur schwer vorstellen konnte, dass ein Animationsfilm dem Cast um Anjelica Huston, Raúl Juliá, Christopher Lloyd und Christina Ricci das Wasser reichen könnte. Die Sorgen waren aber unbegründet. Dem Animationsfilm gelingt das Kunstwerk, sowohl eine neue und zeitgemäße Geschichte zu erzählen als auch den traditionellen, liebgewonnenen Figuren treu zu bleiben.

Das Grundthema ist auch hier, wie eine Familie, die anders ist als der Durchschnitt, von scheinbar rechtschaffenen Spießbürgern getriezt, ausgegrenzt und verjagt werden. Es geht um Toleranz und Zusammenhalt, ohne aber in Kitsch oder Sentimentalität abzudriften. Stattdessen ist „Die Addams Family“ wie auch die Spielfilme der 90er Jahre eine großartige Gesellschaftssatire mit bissigem Humor, die einfach Spaß macht.

Mein Eindruck ist aber, dass der Humor eher Erwachsene zum Lachen bringt und Kinder und Jugendliche eher etwas langweilt. Es gibt zwar auch Slapstick-Einlagen, die jüngere Zuschauer genauso amüsieren wie ältere Zuschauer, doch der Dialogwitz oder die gesellschaftskritischen Anspielungen sind dann eher für letztere lustig. Zumindest war mein Eindruck, dass die 12-Jährigen, die neben mir saßen, nur halb so viel Spaß hatten wie mein Kumpel und ich.

Fazit: Lohnt sich! Sowohl für „Addams Family“-Neulinge als auch für hartgesottene Fans ist hier was dabei.

1. „Human Lost“

„Human Lost“ von Fuminori Kizaki ist eine rätselhafte und finstere Dystopie, die einen mit beklommenem Gefühl aus dem Kinosaal entlässt. Ein langes Leben in ständiger Gesundheit, dem Tod immer wieder ein Schnippchen schlagen – klingt gut? Oh ja! Doch alles hat seine Schattenseiten … und seinen Preis.

Es ist doch merkwürdig, wie sehr man an die klassischen Hollywood- und Disney-Geschichten gewöhnt ist, die immer mit einer hoffnungsvollen Botschaft, ermunternden (wenn auch wenig originellen) Aphorismen und einem klaren Weltbild mit eindeutiger Gut-Böse-Dichotomie aufwarten. Bei „Human Lost“ werden diese Sehgewohnheiten ziemlich durcheinander geworfen.

So, mehr will ich dann aber auch nicht verraten. Am besten mache man sich selbst ein Bild.

Und, was waren eure Lieblingsfilme aus dem vergangenen Jahr? Was haltet ihr von meiner Auswahl? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!