91. Dichterschlacht in Afghanistan

„Nimm nochmals eine Axt, Ibrahim, und schlag damit den alten Göttern auf den Kopf.“ Was klingt wie ein frühislamisches Gemetzel, ist die jüngste Wortmeldung in einem afghanischen Dichterstreit der Gegenwart, bei dem ein paar junge Wilde an der Patina des lyrischen Establishments kratzen. Es sind die ersten Zeilen eines Gedichts, das der junge Poet Suhrab Sirat vor einigen Tagen auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Innerhalb von einer Woche haben 62 Internetnutzer den Text kommentiert. Darunter auch Wahab Mujir, ein Schwergewicht der alten Garde, der sich in den 90er Jahren mit klassischen Gedichten einen Namen gemacht hat. Sein Urteil über Sirat fällt wenig schmeichelhaft aus. Nicht nur, dass der Text an Harmonie und Rhythmus vermissen lasse. „Dieses Gedicht verstehen nur 30 Leute in Mazar-i-Scharif. Sowas kannst du in dein Tagebuch schreiben, aber nicht in einen Blog, den die Welt liest. Das ist so, als würde ich im Internet über einen Streit mit meinem Cousin schreiben.” Mit solchen Worten bekriegen sich in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif die Dichter der älteren und neueren Generation. Dabei bedienen sie sich des Genres der Hajwia – einer anerkannten Form der Schmähschrift. / Rohullah Rahimi, Masar-i-Scharif, Afghanistan today 30.11.


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