86. Ausnahmedichter

Zweifelsohne jedoch bereichern seine Gedichte die deutschsprachige Lyrik. Weil sie mutig sind, sich nicht scheuen, Pathos zu bedienen, allenthalben von „Herz“ und „Blut“ sprechen und trotzdem authentisch klingen und nie in den Kitsch abrutschen. Weil sie das Pathos durch Wendungen und Wechsel der sprachlichen Register sogleich in ein neues Licht rücken, ohne sie dabei ins Lächerliche zu ziehen: „Ich trinke dir zu, komm, / wir tauschen Possessivpronomen aus“. Das sind zwei der Pole, die Kriers Vielseitigkeit ausmachen. In den Gedichten trifft mit voller Wucht Gegensätzliches aufeinander, hoher Stil und Slang stehen sich gegenüber und doch nebeneinander.

Von diese Diskrepanzen lebt „Herzens Lust Spiele“. Die Differenzen schaffen gleichermaßen den Humor wie das immense Verstörungspotenzial, das Kriers Sprachmontagen innehaben.  Seien es lakonisch-zynische Verknappungen wie „Apparaten entgegen u Tod“, der elliptische Charakter von Versen wie „ich bin die Wunde, in die der Finger“ oder graphische Zerstückelungen wie die des Titels, die ständig neue Assoziationen freisetzen. …

Wirklich negativ ins Auge fällt in „Herzens Lust Spiele“ nur die latente Selbstreferenzialität, die ständig wiederkehrenden Verweise auf die Schreibsituation. Gepaart mit Kriers Hang zu kalauernahen Wortspielen kann das auch mal in peinliche Betretenheit resultieren. „Schluss nun mit Vögeln“ ist letztlich ein ziemlich flacher Abschluss für ein erotisches Gedicht. Krier wird sich aber davon nicht abbringen lassen. Er gehört definitiv nicht zu der Sorte Mensch, die sich viel reinreden lassen. Das macht ihn zu dem Ausnahmedichter, der er ist, sein Werk zu einer Bereicherung. / Kristoffer Cornils, fixpoetry.com

Jean Krier: Herzens Lust Spiele. Poetenladen. Leipzig 2010.



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