83. Für Sarginhalte ohne Belang

Norbert Hummelt bereist die Oder, gruselt sich über „Pommernbrötchen“ (aber der des Englischen nicht mächtige Kunde hat vielleicht einfach für neudeutsche „Power-Brötchen“ „Poower-Brötchen“ gesagt, so ungebildet ist dort das Volk?), findet in der von den Preußenkönigen begradigten Oder ein Bild für Preußens Militarismus und entdeckt die Herkunftslandschaft des Dichters Benn:

Pfarrer Benn hätte hier nichts mehr zu tun, und mangels Sprachkenntnis wissen wir nicht, wie wir uns nach ihm erkundigen sollen. Aber dann entdecke ich nördlich der Strasse den Durchgang zu einem schilfbestandenen kleinen See. Ein hysterisch kläffender Hund und ein erschreckt auffliegender Fasan können mich nicht abhalten, denn ich glaube, ich habe die Szenerie erkannt: «Es ist ein Knabe, dem ich manchmal trauere, der sich am See in Schilf und Wogen liess.» Anstelle der im Gedicht genannten Brücke findet sich ein morscher Steg, der ebenso fast im Wasser versinkt wie das am Ufer anliegende Boot. Und dass sich das Haus an der Strasse als – heute katholisches – Pfarramt zu erkennen gibt, will meine kleine Eroberung bestätigen. «Der Garten in polnischem Besitz, die Gräber teils-teils, aber alle slawisch», befindet Benn in einem weiteren Gedicht, das lapidar erklärt: «Oder-Neisse-Linie für Sarginhalte ohne Belang».



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