8. Edit 57

Bei Fixpoetry Armin Steigenberger über das neue Edit:

Die Gedichte des polnischen Dichters Miron Białoszewski, übersetzt von Dagmara Kraus, frappieren. Sie wirken auf den ersten Blick simpel und sehr reduziert.

STUDIUM DES SCHLÜSSELS

Der Schlüssel
riecht wie Nagelwasser
schmeckt nach Elektrizität
und als Frucht
ist er herb
unreif
an sich ganz und gar
Kern.

Oft auf lapidare Dinge wie Sinneseindrücke fokussiert geben sie alltägliche Dingen wieder, entfachen dennoch, meist zum Ende hin, in Texten wie Bemusung oder einer selbstironischen „Ode“ über einen bekommenen und wieder genommenen Ofen oft ihr ganzes sprachgewaltiges Potenzial. …

Ebenfalls sehr spielerisch schrieben Elfriede Czurda und Ferdinand Schmatz je ein, Michael Lentz zwei Anagramme nach einem Text von Carlfriedrich Claus, rinde der bäume. Christian Steinbacher rundet mit einer „Anagrammfolge“ von gleich 6 Texten den Zyklus ab, von daher ist die Kapitelüberschrift „Vier Gedichte“ ein glattes Understatement. Es wären so gesehen 10 Einzelanagramme, nicht eingerechnet den Ausgangstext von Carlfriedrich Claus – jenes visionären experimentellen Künstlers, der die Grenzen von Stimme, Papier und Schrift zu Rändern werden ließ, zu Nähten, die die Wirklichkeit neu zusammensetzten, steht in einer Fußnote. Alle Texte lösen auf ihre Weise originell den Anspruch ein.

Außerdem u.a. über Konstantin Ames, Georg Leß und amerikanische Essays

Edit 57, Papier für neue Texte, hrsg. von Literaturverein Edit e. V., 2012
Redaktion: Jörn Dege, Kerstin Preiwuß, Mathias Zeiske



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