72. Lange Nacht über Paul Celan

DLR 19.11. 23:05 – 02:00 Uhr

DLF 20.11.2010 · 23:05 - 02:00 Uhr

Autor: Helmut Böttiger

Paul Celan, am 23. November 1920 geboren, gilt allgemein als der bedeutendste deutschsprachige Lyriker nach 1945. Seine „Todesfuge“ über das Leben in den Konzentrationslagern der Nazis ist zu einem zentralen Bestandteil des Deutschunterrichts geworden – aber sie ist dabei, wie er sagte, „lesebuchreif gedroschen“ worden.

Für den deutsch-jüdischen Lyriker aus Czernowitz war die Ermordung seiner Eltern einer der prägendsten Momente seines Lebens. Aber er wollte seine Lyrik keineswegs auf das Thema der Judenverfolgung reduziert sehen.
Die Geschichte der Missverständnisse um Celans Gedichte beginnt mit dem Auftritt bei der ‘Gruppe 47′ 1952, wo er bei einigen der ‘Kahlschlag’-Ideologen aus der Landsergeneration auf Ablehnung stieß. Die Liebesbeziehung zu Ingeborg Bachmann, dem Fräuleinwunder im 50er-Jahre-Deutschland, lud seine Person im Literaturbetrieb zusätzlich auf.
Die Dreiecksbeziehung Celan, Bachmann und Gisèle Celan-Lestrange, der Ehefrau Celans, wirkt selbst wie eine literarische Fiktion.

Celans Gedichte, so ‘hermetisch’ sie auch wirken mögen, zeigen immer wieder Spuren biografischer Erfahrungen. Gleichzeitig zeigt sein Ausspruch „Alle Dichter sind Juden“, wie sehr er den Dichter als Auserwählten empfand*; auch deshalb musste er sein Aufeinandertreffen mit dem bundesdeutschen Literaturbetrieb als unheilvoll empfinden.

Sein Selbstmord in der Seine 1970, nach langen Aufenthalten in der Psychiatrie, setzte den Schlusspunkt unter eine exemplarische, bewegende Dichterbiografie des 20. Jahrhunderts und beschwert die Lektüre seiner Gedichte zusätzlich.

Man sollte sich Celans Lyrik weder identifikatorisch, weder weihevoll raunend noch mit einem aufgeplusterten wissenschaftlichen Begriffsapparat nähern.
Man sollte sie einfach ganz genau lesen – und hören.

*) Der Ausspruch stammt von der (nicht jüdischen) russischen Dichterin Marina Zwetajewa. Celan wird ihn gekannt und mag ihn zitiert haben, aber die Interpretation verfährt m.E. an dieser Stelle selbst mystifizierend. M.G.



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