69. Poesie und Wissenschaft

Er meinte auch, daß die Jugend die Lektüre der Poeten ebenso brauche wie die Nahrung; diese stärke den Körper, jene den Geist. Diejenigen jedoch, die ohne die Hilfe der Poesie andere Wissenschaften angingen, verglich er mit Menschen, die geringschätzig am offenen Tor vorbeigingen, um durch die Mauer in die Stadt zu gelangen. Er behauptete, es sei eher möglich, daß jemand mit Hilfe der Poesie alle Wissenschaften begreife, als daß er, in allen anderen unterwiesen, aus eigenem Willen die Kunst der Poesie erreichen könne.

1476

Filippo Buonaccorsi detto Callimaco: Das offene Tor der Poesie.

In: Karl Dedecius (Hg./ Übers.): Meine polnische Bibliothek. Literatur aus neun Jahrhunderten. Berlin u. Leipzig: Insel 2011, S. 61.

Filippo Buonaccorsi, lateinisch Philippus Callimachus Experiens, polnisch Filip Kallimach (* 1437 in San Gimignano; † 1. November 1497 in Krakau) war ein italienischer Humanist und Staatsmann. Wegen Freidenkertums und Beteiligung an einer Verschwörung gegen Papst Paul II. mußte er Rom verlassen und kam 1470 in das tolerante Polen, wo er der erste neulateinische Renaissancedichter wurde.



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