63. „Wulff-Sarrazin-Hübsch-Kelek-Debatte“

Das FAZ führt eine Wulff-Sarrazin-Hübsch-Kelek-Debatte. So stehts in Rot auf S. 28, FAZ vom 13.1. Neuster Beitrag von dem Literaturwissenschaftler Jürgen Link, Auszug:

Damit stimmte Goethe überein: Die These von den „drei Betrügern“ (Moses, Jesus, Mohammed) war in der deutschen „Leitkultur“ um 1800 längst überholt. Es bedurfte des meistverkauften Sachbuchs seit 1945 und seiner Verteidiger, um sie wieder aufzuwärmen. Ein chinesisches Sprichwort sagt von gewissen Toren: „Sie haben einen schweren Stein hochgehoben, der ihnen auf die Füße gefallen ist.“ Goethes angebliche „Islamophobie“, die sich dann als eine Art von „Islamophilie“ erweist, ist ein solcher schwerer Stein. Am Beispiel Goethe zeigt sich, dass auch der Islam – nach Sarrazin angeblich das Fremdkulturelle schlechthin – im Kern der deutschen Leitkultur schon drinsteckt.

Ein Gutes hat das Steineheben: Höhere Aufklärung heißt, positive Religionen symbolisch aufzufassen – sie werden dadurch notwendigerweise auch pluralisiert und entdogmatisiert, das heißt entfanatisiert. Paradoxerweise stimmen die Fundamentalisten und die aktuellen Vulgäraufklärer in einer buchstäblichen Lektüre überein. Goethe hingegen scheint zu sagen: Lest alle Heiligen Schriften symbolisch, gerade auch die Bibel – und warum nicht den Koran?



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