6. Kalendersprung

In dieser deprimierenden Lage hat nun ausgerechnet Samoa ein Licht der Hoffnung angezündet. Auf den ersten Blick schien der Entschluss der Regierung des Pazifikstaats, die Uhren schon zwei Tage vor Silvester um 24 Stunden vorzustellen und über die Datumsgrenze zu springen, zwar auch noch den letzten mentalen Haltegriff mit in den Abgrund zu reißen: den Kalender, das Kontinuum Zeit. Mit unschönen Kollateralschäden: Ein kompletter Tag landete auf dem Müllhaufen der Geschichte. Und alle am Freitag, den 30. Dezember auf Samoa Geborenen wurden lebenslang ihres Geburtstags beraubt. Doch wann war je ein zeithistorischer Quantensprung poetischer besungen worden? „Wir springen durch die schwindenden Schatten der Nacht über die Zeit, um einen neuen Tag einzuläuten, Samstag, den 31. Dezember“, hatte Regierungschef Tuilaepa Sailele Malielegaoi in der Hauptstadt Apia feierlich verkündet. Bislang lag Samoa in der östlichen Hemisphäre der Welt, nun liegt es in der westlichen, zeittechnisch auf Augenhöhe mit Australien und Neuseeland, seinen lebenswichtigen Handelspartnern. Der Kalte Krieg hätte nie so lange gedauert, hätte man sich früher auf diese Art virtuelle Geschichtspolitik besonnen. Und gegen Samoas beherzten Schritt in eine bessere Zukunft wirkt Mao Zedongs „Großer Sprung“ in China Ende der fünfziger Jahre wie ein autistischer Kinderstreich. / Ingo Arend, taz



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