57. „Surrealist in der Vergangenheit“

Was machen die kleinen Verlage zur Buchmesse? Bei Reinecke & Voß liest man:

Das Profil des Verlages Reinecke und Voß wird geschärft und soll zukünftig auf der Geschichte der modernen Literatur und aktuellen literarischen Entwicklungen liegen.

57. „Surrealist in der Vergangenheit“

Das klingt vielversprechend. Pünktlich zur Buchmesse erscheint ein Beitrag zur Geschichte der Moderne:

Aloysius Bertrand: Gaspard de la Nuit – Phantasien in der Manier Callots und Rembrandts. Aus dem Französischen übertragen von Jürgen Buchmann mit einem Nachwort des Übersetzers.
150 Seiten
Paperback 19×12
ISBN: 978-3-9813470-9-8
11,90 Euro
Erscheint am 17.3.11

Aloysius Bertrand (1807-1841) verbrachte sein Leben am Rande der Gesellschaft, besessen von seinem Werk. Gegen den zeitgenössischen Kult des Individuums macht der Gaspard de la Nuit die rätselhafte, beunruhigende Welt der Objekte geltend. Die Übertragung des Dichterphilologen Jürgen Buchmann, der eine kongeniale Neuinterpretation des kühnen Textes beigegeben ist, liest sich bei aller Wortgetreue wie ein Originaltext der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts.

„Dieser wundervolle Ring, der im Tumult der romantischen Wogen wie der der Dogen ins Meer geworfen und verschlungen wurde, kommt heute wieder zum Vorschein, zurückgebracht von den reinen Kämmen der Flut.“

Stéphane Mallarmé

„Das seltene, wenig gekannte Buch, das ehemals Baudelaire zu seinen Prosagedichten anregte und das vielleicht eins der liebenswürdigsten ist, die die ganze französische Romantik hervorgebracht …“

Stefan George

„Bertrand ist Surrealist in der Vergangenheit.“

André Breton

„Aloysius Bertrand zählt zweifellos zu den wichtigsten Autoren der Moderne.“

Helen Hart Poggenburg

Hier zwei Texte aus dem Buch (mit freundlicher Genehmigung des Verlags):

 

DER ALARM

Kein Mädchen hängt so zärtlich
An des Geliebten Ring,
Als er an seiner Flinte
Und seinem Degen hing.

(Spanische Romanze)

DIE Fenster der Spelunke flammten im fernen Feuer der sinkenden Sonne auf, ein Pfau saß auf dem Dach, und der Pfad schlängelte sich leuchtend ins Gebirge.

***

„Still da! habt ihr nichts gehört?“ fragte einer der Briganten und drückte das Ohr an die Spalte des Fensterladens.

„Mein Maultier hat in der Remise einen fahren lassen“, sagte einer der Treiber.

„Schafskopf!“ rief der Bandit, „ich werde für einen Furz deines Viehs meinen Karabiner laden! – Alarm! Alarm! Eine Trompete! die Gelben Dragoner sind über uns!“

Und mit einem Mal verstummte das Geschepper des Geschirrs, das Gezirp der Gitarren, das Gekicher der Mägde und der Wirrwarr der Stimmen, und ein Schweigen breitete sich aus, in dem man das Summen einer Fliege vernommen hätte.

Aber es war nur das Horn eines Kuhhirten. Die Treiber tranken ihre halbgeleerten Schläuche aus, ehe sie die Tiere säumten, um das Weite zu suchen; und die Banditen, mit denen die feisten Schlampen dieses finsteren Etablissements vergebens anzubändeln suchten, kletterten auf die Hängeböden, gähnend vor Langeweile, Müdigkeit und Schlaf.

(Aus Buch IV: Spanien und Italien)

DAS TOTE PFERD

Der Totengräber: Ich will Euch Bein verhandeln, dass Ihr Knöpfe schafft!

Der Abdecker: Ich will Euch Bein verhandeln,
dass Ihr schmucke Degenknäufe schafft!

DIE WERKSTATT DES SCHWERTFEGERS

DER Schindanger! Und zur Linken, unter Klee und Luzerne, die Gräber eines Kirchhofs; rechts steht ein ausgedienter Galgen und bettelt den Vorübergänger an wie ein Krüppel, dem ein Arm fehlt.

***

Gestern wurde ihm der Garaus gemacht; die Wölfe rissen ihm das Fleisch vom Halse, dass es in langen Streifen herunterhängt; man möchte meinen, er sei für einen Ausritt mit einem Busch roter Bänder geschmückt.

Jede Nacht, wenn der Himmel fahl ist vom Mondlicht, fliegt dieser Kadaver davon, und auf ihm reitet eine Hexe, die ihn mit ihren spitzen Hacken spornt, während der Wind in die Orgel seiner hohlen Rippen bläst.

Und stünde zu dieser verschwiegenen Stunde in einem Grabe des Kirchhofs ein schlafloses Augen offen, es würde sich plötzlich schließen, aus Furcht, ein Gespenst in den Sternen zu sehen.

Selbst der Mond schließt ein Auge und leuchtet mit dem andern nicht mehr als eben genug, wie eine flackernde Kerze diesen mageren streunenden Hund zu bescheinen, der vom Wasser eines Weihers schlappt.

(Aus den Paralipomena zum Gaspard de la Nuit)



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