5 Fragen an… Alexandra Helmig zum Film FRAU MUTTER TIER

Als ich zum ersten Mal eine Werbung für deinen Film sah mit dem Titel FRAU MUTTER TIER in dicken, roten Buchstaben, dachte ich: „Ja, das bin ich alles!“ und musste ziemlich schmunzeln. Wie ist der Titel entstanden und was steckt dahinter?

Toll, dass dir das so ging. Bei FRAU MUTTER TIER war genau das der Wunsch, dass der Titel stellvertretend steht für alles, was wir Frauen heute sind, sein sollen oder wollen. Es geht um Frauen, um Mütter und um den alltäglichen Wahnsinn. Es geht um Rollenbilder und Klischees, um Erwartungshaltungen und um Familienkonstellationen, die sich durch Kinder verschieben. Dabei spielen die Mütter und Schwiegermütter der Frauen ebenso eine Rolle wie ihre Männer oder Liebhaber.

Und natürlich spielen wir ganz bewusst auch mit den Assoziationen, die diese drei Begriffe hervorrufen. Der leicht provokante Titel ist bereits im Brainstorming mit meinem Theaterverlag entstanden und wir fanden ihn auch für den Kinofilm sehr passend. 

Den Trailer zum Film gibt es übrigens unter http://www.fraumuttertier-film.de

In einer Info zum Film wird der Spielplatz als „Schlachtfeld der Mütter“ beschrieben. Sag mal ganz ehrlich: Benehmen wir Großstadtmütter uns auf Spielplätzen wirklich so filmreif?

Manchmal schon. (lacht) Die Spielszenen sind nicht eins zu eins so passiert, aber manche in abgewandelter Form. Als Autorin spitzt man zu, verdichtet und schafft neue Zusammenhänge. Der Spielplatz ist für mich der perfekte Mikrokosmos für absurde und lustige Geschichten. Ein Soziotop, in dem sich die unterschiedlichsten Mütter und Väter treffen und miteinander in Kontakt kommen. Da passieren zwangsläufig auch mal filmreife Szenen. Man sagt nicht umsonst, dass das Leben die besten Szenen schreibt.

  • Szene aus dem Film FRAU MUTTER TIERSzene aus dem Film FRAU MUTTER TIER
  • Szene aus dem Film FRAU MUTTER TIERSzene aus dem Film FRAU MUTTER TIER
  • Szene aus dem Film FRAU MUTTER TIERSzene aus dem Film FRAU MUTTER TIER
  • Szene aus dem Film FRAU MUTTER TIERSzene aus dem Film FRAU MUTTER TIER

Immer wieder tauchen sie auf, die Diskussionen um das Bild der „guten Mutter“.  Wenn du an die Recherchen zum Film denkst und an das, was du als Mutter täglich erlebst – sind wir da mittlerweile schon ein Stück weitergekommen oder drehen wir uns doch nur im Kreis?

Ich wünschte, ich könnte mit Inbrunst sagen, dass wir heute viel weiter sind als vor 20 Jahren, aber zahlreiche Studien belegen, dass sich zwar theoretisch einiges getan hat, aber praktisch noch vieles im Argen liegt. 

Wir befinden uns in einer Phase allgemeiner Verunsicherung. Einerseits ist die Offenheit für unterschiedliche Formen des Miteinanders in den letzten Jahrzehnten gewachsen, tradierte Rollenbilder haben die meisten von uns jedoch stärker geprägt, als wir es manchmal wahrhaben oder realisieren wollen. Dies gilt für Frauen und Männer gleichermaßen, nur mit dem Unterschied, dass Männer im Regelfall an „bewährten“ Lebensentwürfen deutlich lieber festhalten. 

Nur ein Beispiel: wenn Frauen oder Mütter arbeiten, liegt die Verantwortung für Haushalt und Kinder in den meisten Fällen nach wie vor hauptsächlich in unseren Händen. Begriffe wie ‚Rabenmutter‘ (gibt es übrigens so nur im Deutschen und ist beispielsweise den Franzosen vollkommen fremd), ‚Helikopter-Mum‘ oder ‚Glucke‘ sind immer weiblich und skizzieren das scheinbare ‚Fehlverhalten‘ von Frauen. 

Hinsichtlich der Gleichberechtigung im Alltag stehen wir gerade erst am Anfang. Eine Grundvoraussetzung wäre die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei vergleichbarer Arbeit. Allerdings möchte ich betonen, dass es keine Patentlösung für ein Miteinander, das zusammen Leben, gibt, kein richtig oder falsch! Wie mögliche Rollen gelebt werden, entscheiden die Partner, nur Chancengleichheit sollte es geben. Und die beginnt nicht nur in den Köpfen, in Richtlinien oder Quoten sondern im Selbstverständnis unseres Verhaltens.

Unter Müttern geht es oft um Zeit. Zeit, die irgendwie nie reicht. Zeit, die man richtig managen muss. Und überhaupt die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für Kinder ist, wann für Karriere und ob nicht vielleicht doch beides gleich-zeit-ig geht. Welche Rolle spielt Zeit für dich persönlich?

Je älter man wird, desto kostbarer wird Zeit. Ich überlege mir heute sehr viel  bewusster, mit welchen Menschen ich meine Zeit verbringen möchte. 

Andererseits genieße ich es auch sehr, wenn ich mir im Alltag kleine Auszeiten gönnen kann. Auszeiten, die entstehen, weil der Bus einem vor der Nase weggefahren ist. Dann versuche ich nicht sofort zum Smartphone zu greifen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen, sondern einfach nur zu warten, zu beobachten.

Dabei denke ich oft an die wunderbare Geschichte von Momo. Sie ist im Zeitalter permanenter Erreichbarkeit und virtueller Präsenz in digitalen Welten aktueller denn je. Mut zur Muße und zum Nichtstun.ist wichtiger denn je. Im Moment zu verweilen oder auch mal Langeweile auszuhalten, ohne den ständigen Zwang alles optimieren zu wollen. 

Das sind Herausforderungen in der Hektik des Alltags, denenwir uns stellen sollten. Darüber hinaus bin ich fest davon überzeugt, dass „jedes Ding“ seine Zeit hat. Ständig alles unter einen Hut bringen zu wollen, ist ein normativer Anspruch, dem wir uns fügen, ohne ihn je hinterfragt zu haben.

Alexandra Helmig (Foto: © Luis Zeno Kuhn)Alexandra Helmig (Foto: © Luis Zeno Kuhn)

Und da wir gerade bei Karriere sind: Welcher Karriere-Tipp für Mütter ist dir schon untergekommen, über den du nur herzlich lachen konntest?

Ein spezieller Karriere-Tipp für Mütter ist mir bisher noch nicht untergekommen. Eher Erziehungstipps. Dazu kann ich nur sagen, dass es völlig legitim ist, sich Rat einzuholen bei anderen Eltern oder Erziehungsratgebern. Schlussendlichbin ich aber überzeugt, dass wir als Mütter auf unseren Bauch hören müssen. Jedes Kind ist einzigartig und anders. Was bei dem einen Kind „funktioniert“, muss nicht zwangsläufig beim anderen fruchten. Bei meinen Töchtern musste ich das auch lernen. Liebe und Urvertrauen kann man Kindern nicht genug schenken. 

In Bezug auf die eigene Karriere ist mein Tipp, bei sich selbst zu sein und zu bleiben, Wünsche klar zu äußern, Ziele für sich selbst zu visualisieren – und ihnen konsequent zu folgen. 

Weniger Perfektionismus kann befreiend sein. Durchwursteln ist auch eine Option.

Danke, liebe Alexandra für das Interview.

Im Netz findet ihr Alexandra auf Instagram und auch auf Facebook. Sie hat dort auch eine Seite als Ada Morghe, ihrem Künstlernamen als Musikerin.


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