39. Whiskytasting von Munich Spirits – Campbeltown

Von Negatron @TheTrueNegatroN

Heute ein verschlafenes Kaff, früher das Zentrum der Whiskywelt. Zu seiner Hochzeit gab es über 30 Destillerien in Campbeltown auf der Halbinsel Kintyre, mittlerweile sind es seit der Eröffnung von Glengyle immerhin wieder drei. Der große Name dabei ist Springbank (mit den zusätzlichen Marken Longrow und Hazelburn), eine der wenigen Destillerien, die sich immer noch im Familienbesitz befinden. Daneben gibt es noch die mehrfach geschlossene und wiedereröffnete Glen Scotia.

Die Historie verschafft Campbeltown den Status einer eigenen Whiskyregion. Dass der Blick in den Süden Schottlands sich auch heute noch lohnt, will Käfer von Munich Spirits als überzeugter Anhänger heute beweisen.

Die Eröffnung macht ein Hazelburn, 8 Jahre, First Bottling, (typische) 46%. Dies ist die erste Abfüllung, die es unter diesem Namen von Springbank gibt. Für schottischen Malt eher ungewöhnlich ist die dreifache Destillation, die meist einen eher milden Geschmack hervorbringt. Vielleicht liegt es daran, aber die erste Nase erinnert mich sehr an den sechzehnjährigen Bushmills, der ebenfalls dreimal gebrannt ist. Cremige Noten, Haselnüsse, etwas Kräuter. Der Geschmack ist sehr angenehm und erinnert mich an Hanutawaffeln. Eine malzige Süße kommt durch. Der Abgang ist nur mittellang, aber der Whisky ist ja auch noch recht jung. Insgesamt ist das ein sehr schöner und runder „every day whisky“.

Die neueste Destillerie Glengyle bringt ihre Abfüllungen unter dem Namen Kilkerran heraus, da es bereits einen gleichnamigen Blend gibt. Der Kilkerran, 9 Jahre, abgefüllt 2013, 5. Batch WIP5 („work in progress“), 46% ist noch nicht die endgültige Variante, sondern wie der Name schon sagt nur ein Arbeitsschritt. In welcher Form er letztendlich auf den Markt kommen wird, ist noch nicht klar. Der Geruch bringt Banane, Aprikose und grasige Noten. Im Mund ist er etwas ungewöhnlich, da er erst süß ist und dann herb wird. Der Abgang ist nur kurz und unspektakulär. Insgesamt wirkt diese Abfüllung tatsächlich noch sehr unfertig auf mich. Da wird noch einiges an Arbeit nötig sein, bis man hier einen wirklich guten Whisky im Glas hat, der mit den Nachbarn konkurrieren kann.

Nummer drei ist ein Glen Scotia, 12 Jahre, 43%, und zwar keine aktuelle Abfüllung, sondern eine alte – vermutlich aus den 80ern – in einer schönen bauchigen Flasche. Dieser Whisky ist eine große Überraschung, denn obwohl er nur in Trinkstärke abgefüllt ist, ist der richtig schön komplex. In der Nase erinnert er im ersten Moment an Cognac, dazu kommt ein wenig Walnuss und warme, würzige Noten. Der Geschmack weckt Assoziationen zu Weihnachten – Bratapfel, Krokant auch wieder Nüsse. Dazu noch ein paar Noten, die wir nicht richtig festmachen können. Gefällt mir sehr gut.

Glen Nevis wurde Anfang des letzten Jahrhunderts geschlossen. Der Glen Nevis, 12 Jahre, full proof 54% stammt aber nicht aus dieser Zeit, sondern wurde als Jubiläumsausgabe zu Ehren dieser Destillerie herausgebracht (leider hab ich vergessen, wann genau und von wem). Der erste Eindruck ist eher unangenehm, ich rieche Lösungsmittel und sprittigen Alkohol mit wenig dahinter. Nach etwas Zeit im Glas verschwindet dieser Eindruck und man kann Zitrusnoten und ein etwas Gewürz wahrnehmen. Auch im Mund ist er erst mal ziemlich bissig, bis dann im Abgang Orangenschalen und etwas Süße herauskommen. Wasser tut ihm gut und macht ihn etwas cremiger und angenehmer. Insgesamt überzeugt mich diese Abfüllung aber nicht.

Der letzte Whisky vor der Essenspause ist ein Longrow, 10 Jahre, 46%. Unter diesem Namen bringt Springbank stark getorfte Whiskys heraus, die durchaus in Konkurrenz zu ihren Nachbarn auf Islay stehen. Der Geruch erinnert mich mit seiner Kombination aus Rauch und Zitrone an Caol Ila, Ein bisschen erinnert das daran, wenn man am Ende des Abends mit der Gießkanne den Grill ablöscht. Fruchtbrei ist auch dabei, vielleicht Apfel. Geschmacklich passiert leider weniger. Zwar ist das insgesamt schon gefällig, aber ein wenig eindimensional und ohne besondere Entwicklung. Für Freunde der torfigen Abfüllungen ein netter Standard.

An dieser Stelle wird die Veranstaltung wie immer mit Platten voller Antipasti zur Stärkung des Magens unterbrochen. Daneben kann man aber auch einen aktuellen Glen Scotia von Berry Bros. probieren, den Käfer noch mitgebracht hat. Und auch diese Abfüllung kann uns überzeugen. Sehr voluminös und komplex, mit krautigen Noten und Gewürzen, aber auch Likör und später Frucht. Schön!

Der zweiten Teil widmet sich dann komplett Springbank. Diese Destillerie hab ich lange Zeit ignoriert, da die erste (unabhängige) Abfüllung, die ich am Anfang meiner Liebhaberei auf einer Messe probiert habe, ein unheimlicher Reinfall war. Einer der drei oder vier Whiskys in den ganzen Jahren, der für mich komplett untrinkbar war. Dadurch ist mir einiges entgangen.

Die Destillerie ist nicht nur nach wie vor in Familienbesitz, sondern obendrein auch auf eine sehr sympathische Weise altmodisch. Alles wird hier noch in Handarbeit erledigt, Computer sucht man vergeblich. Der Brennmeister trägt alles noch per Hand in Bücher und Tabellen ein, das Mälzen übernimmt man nach wie vor selber. Das besitzt nicht nur handwerklichen Charme, sondern bringt auch mehr Menschen in Lohn und Brot als bei den meisten deutlich größeren Brennereien, bei denen inzwischen alles automatisiert wurde. Allein das mag ich schon mal sehr gerne, da mir das Drumherum um einen Whisky durchaus auch wichtig ist.

Nun aber zum ersten Whisky, einem Springbank 12 Jahre, Malts of Scotland, 2000, Port Cask, 48,2%. In der Nase ist der ziemlich heftig, das Portweinfass sticht deutlich heraus. Der Geschmack ist sehr herb und erinnert an Traubenschalen, auf denen man kaut. Mir persönlich ist das Fass hier zu dominant und begräbt den Eigengeschmack des Whiskys. Das Ergebnis wirkt stumpf, muffig und wie viele, viele Jahre in einem dunklen Keller. Der richtige Tropfen für einen Leichenschmaus, weniger Leben geht kaum. Nicht meine Welt.

Nummer zwei hingegen kann mich völlig überzeugen. Käfer hat sich vor vielen Jahren ein Fass gekauft (als das für Privatleute noch möglich und erschwinglich war) und seine eigene Abfüllung mit 55,7% auf Flasche gezogen. Natürlich nicht im Handel erhältlich, auch nicht zum privaten Verkauf, sondern nur zum Tausch und für den Eigengebrauch (wobei ein großer Teil des Fasses an Springbank zurückverkauft wurde, um das Ganze zu finanzieren). Was bei diesem Whisky auffällt, ist die extreme Veränderung, die er im Glas aufweist. Alle paar Minuten riecht und schmeckt er komplett anders, so dass man ihm ein komplettes eigenes Tasting widmen könnte (was ich an anderer Stelle vielleicht auch noch tun werde). In der Nase beginnt es mit Schwefel (vom Sherryfass), der aber schnell verfliegt. Danach kommt mal Marzipan, mal Kokos, mal zitronige Frucht, zwischendrin sogar Käse und noch etliche andere Noten. Der Geschmack ist eher herb als süß – das Fass war ein first fill Fino, also trockener weißer Sherry – adstringierend und ebenfalls mit einer Fülle verschiedener Aromen. Das alles mit einem extrem langen und mächtigen Abgang. Tolle Abfüllungen, deren umfassende Beschreibung den Rahmen hier sprengen würde. Aber wie gesagt, vielleicht hol ich das nochmal in einem eigenen Beitrag nach.

Weiter geht es mit Springbank von Anam na h-Alba, 14 Jahre, 1999 – 2013, 54, 6% aus dem Sherryfass, der sich als das nächste Highlight präsentiert. Der Geruch ist sehr rund und ausgewogen, mit wenig Schwefel und viel Eleganz. Das setzt sich auch geschmacklich fort, eine ausgesprochen stimmige Kombination aus herber Würze und feiner Süße mit einem langen Abgang. Sehr edel.

Den Abschluss bildet eine alte Abfüllung, Springbank Dun Bhegan, 36 Jahre, refill sherry butt, 51,4%. Ganz eigen in der Nase, die erste Assoziation ist Klebstoff, die aber schnell wieder verschwindet. Auch dieser Whisky bietet eine Kombination aus herben und süßen Noten, wobei ich hier zum ersten Mal die Salzigkeit finde, die für Springbank eigentlich typisch ist. Ganz spät kommen malzige Noten dazu. Auch dieser Whisky überzeugt durch seine stimmige Kombination verschiedener Geruchs- und Geschmacksnoten, wobei er aber trotz den hohen Alters nicht ganz an die beiden Vorgänger heranreicht.

Sehr interessanter Abend, an dem es zum Whisky auch noch reichlich Hintergrundinformationen und Bilder von Käfer zu Campbeltown gegeben hat. Ein kleiner Kritikpunkt sei mir aber an dieser Stelle trotzdem erlaubt: Wenn man sich speziell einer Region oder Destillerie widmet, dann sollte meiner Meinung nach eine der Standardabfüllungen dabei sein. Auch wenn viele die schon kennen, so hat man doch eine Referenz. Die vier Springbanks an diesem Abend waren alle mehr oder weniger untypisch für die Destillerie und vermitteln für sich allein vielleicht einen verfälschten Eindruck. Da wäre ein Standard als Vergleich und Anhaltspunkt hilfreich gewesen.

Nichtsdestotrotz eine sehr gelungene Veranstaltung, die die Lust auf die Region durchaus geweckt hat.