3. Oktober 2010, Der nächste Roman, STRÖME AUS BLUT, 8.37 Uhr

Mir schwebt da, sage ich zum Verleger, ein Roman mit dem Titel Der nächste Roman vor, Sie wissen schon, Sie wissen nicht, na, dann will ich es Ihnen erklären, warum ich Sie plötzlich mit Sie anrede, keine Ahnung, vielleicht die Aufregung, immerhin will ich hier einen neuen Romanstoff los werden, wir waren schon beim du, hm, daran kann ich mich gar nicht erinnern, Sie sind sich, ich meine, Du bist dir sicher, dass du mich nicht verwechselt, vielleicht mit dem N, der ist Amerikaner, die kennen da keine Unterscheidung, die sagen zur ganzen Welt du, aber wir haben ja gesehen, wo das hinführt, mit dem du fangen die Kriege an, du, wir brauchen dein Öl, billig, noch billiger, du willst es uns nicht schenken, gut, aber nicht böse sein, wenn wir jetzt bei dir einmarschieren und dich nach einer kurzen Verhandlung erschießen lassen, wo war ich überhaupt, Sie brauchen mich nicht so seltsam anzusehen, es ist alles in Ordnung, es stimmt alles mit mir, es ging also um meinen neuen Roman, die Kunst imitiert das Leben, und daher soll dieser Roman von mir handeln, vom täglichen Kampf um das Wort, Sie, du verstehst mich doch, oder, ach, bleiben wir lieber beim Sie, Der nächste Roman, so lautet der Titel, den ich, glaube ich, schon erwähnte, ich werde mit einem Gespräch anfangen, ich werde ein Gespräch zwischen Rohm und seinem Verleger beschreiben, Rohm ist sich ganz unsicher, ob er den Verleger siezen oder duzen soll, also redet er sich in allerlei Unsinnigkeiten über die Amerikaner, der Verleger hat Angst, habe ich es hier mit einem Irren zu tun, denkt der Verleger, aber nein, sagt der Autor, es geht doch nur um den nächsten Roman mit dem Titel Der nächste Roman, denn so sagt er zum Verleger, da soll alles drin vorkommen, der Rohm wie er sich duscht, wie er sich die Nase schnäuzt, wie er sich streckt und gähnt, wie er über das Wetter nachdenkt und über Erdbeben, wie er mit seiner Muse zum Einkaufen fährt, Sie kennen doch die Muse, ich meine du, sage ich zum Verleger, der sieht mich noch hilfloser an, ob ich denn nicht gehen könne, er hätte da noch einen Termin, was heißt, ich solle gehen, ich sei hier, um ihm mein neustes Projekt vorzustellen, einen Roman über das Leben direkt, ein Roman, der alles einfängt, er solle sich das jetzt lieber anhören, sage ich, denn das Gespräch wird da auch drin vorkommen, sage ich und blinzele ihn an, wir verstehen uns doch, und Sie, ich meine du, Sie wollen doch da gut wegkommen, ach, du drohst mir, schreit der Verleger, er springt auf, nein, nein, beruhige ich ihn, ich sehe mich ängstlich um, denn gleich wird die Sekretärin auftauchen, bis mir einfällt, der hat überhaupt keine Sekretärin, ich veröffentliche bei Kleinverlagen, die haben selten eine Sekretärin, eher schon eine Geliebte, die eigentlich bei einer Bank arbeitet, aber auch hin und wieder mal für den Verlag etwas erledigt, ich beruhige mich also wieder, er schreit etwas von Persönlichkeitsrechtsverletzung, von einer Klage, sollte ich über ihn schreiben, ich schreibe seit Jahren über dich, ich meine Sie, egal, du kommst, Sie kommen seit Jahren in meinen Texten vor, was soll das also jetzt, frage ich den Verleger, wie, wo, was, stammelt der Verleger, na, Sie, ich meine du hast das doch veröffentlicht, hast du, ich meine, haben Sie das etwa nicht gelesen, doch, natürlich, sagt der Verleger jetzt kleinlaut, also um was ging es in diesem Gespräch, fragt er nach, um den neuen Roman sage ich zu ihm, den neuen Roman mit dem Titel, ach, um den nächsten Roman geht es, unterbricht mich der Verleger, endlich, denke ich und klopfe ihm auf die Schulter, wann wollen wir den denn auf den Markt bringen, der Verleger sieht mich mit großen Augen an, ich muss doch erst mal wissen, um was es da geht und vor allem brauchen wir einen Titel, einen richtigen guten Titel, denn so ein Titel ist der Markenname, mit so einem Titel verkauft man so einen Roman erst, wie wäre es mit STRÖME AUS BLUT schlägt er vor, hm, sage ich, ich hatte bereits einen Titel, ach, sagt der Verleger, ja, sage ich, Der nächste Roman, schon klar, sagt der Verleger, und wie wollen wir den nennen, wird doch ein Krimi, oder, nein, sage ich, kein Krimi, ein Roman über mein Leben, hm, sagt der Verleger, könntest du dir vorstellen, den einen oder anderen Mord zu begehen, wieso sollte ich, was verlangst du, verlangen Sie da, einfach weil dann STRÖME AUS BLUT passen würde, der Titel verkauft sich, bestimmt sogar, sagt der Verleger und lächelt mich endlich an.



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