3. Gedicht-Körper

Nicht umsonst nennt Seel ihren Verlag ein „labor für poesie als lebensform“.

Ein Labor, in dem sie nun, erstmals, sich selbst zu Wort meldet. „ich kann diese stelle nicht wiederfinden“: Spricht man Seel auf eine Passage daraus an, gerät sie tatsächlich ins Suchen, als könne sie den Vers in sich nicht finden, überlässt das Antworten lieber dem Fragenden. Es geht viel um Körper. Körperwahrnehmungen. Nicht jedoch im Sinne individueller Sinneserfahrung. Fast scheint es, als meine Seel, wenn sie vom Körper spricht, ein Kollektiv. Das Gedicht selber wird ihr zum Wortorganismus: „wenn der raum des gedichts kein auge hat, / das auf ein außen sieht, nur bewegung / im körper des autors, welcher der leser ist . . .“ – Autor und Leser, im Schreiben und im Wörter-Entziffern werden sie eins. Daniela Seel, Herz und Zentrum des Verlags, äußert sich im Gedicht – aber ob es nun ihr Name ist, der den Buchumschlag ziert, oder ein anderer, macht das einen Unterschied? Noch einmal fällt ihr Satz: „Das Ich wird überschätzt.“ / Dierk Wolters, Nassauische Freie Presse

Am 5.6. erhält Daniela Seel in Bad Homburg den Hölderlin-Förderpreis.



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