25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention: Katastrophenmeldungen statt Jubel

Von Modesty

Die Welt ist schlecht – und besonders schlecht ist sie für Kinder. Und dieses Jahr war besonders schlecht. Das ist amtlich, die Unicef hat das jetzt offiziell verlautbart. Noch nie in der jüngeren Vergangenheit seien dermaßen viele Kinder unaussprechlicher Brutalität ausgesetzt gewesen, sagt Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake. Mehr als 15 Millionen Kinder sind unmittelbar von Gewalt und Vertreibung betroffen, besonders in Irak, Syrien, Gaza, der Ukraine, im Südsudan oder der Zentralafrikanischen Republik. Dazu kommen noch die Dauerkrisenländer wie Afghanistan, Nigeria oder Somalia – nach Schätzungen von Unicef leben weltweit 230 Millionen Kinder in Ländern und Regionen mit bewaffneten Konflikten. Allein in Syrien sind mehr als 7,3 Millionen Kinder von dem Bürgerkrieg betroffen, viele sind auf der Flucht.

Als vor 25 Jahren die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen auf der Generalversammlung am 20. November 1989 angenommen wurde, sollte eigentlich alles besser werden – die Welt feierte ja gerade den Fall der Mauer und den Untergang des real existierenden Sozialismus. Nun muss man feststellen, dass gar nichts besser geworden ist seit dem, dafür aber vieles schlimmer. Gerade dort, wo sich bislang Reste von – nennen wir es mal vom Sozialismus inspirierten Strukturen – unter pfui bäh, autoritären Regierungen (Saddam Hussein, Gadaffi, Mubarak, Assad) gehalten haben, hat der Westen keine Kosten und Mühen gescheut, die Gegner dieser Regimes mit Waffen und Geld auszurüsten, so dass es nun eine Menge destabilisierter Länder gibt, in denen sich beispielsweise die durchgeknallten Gotteskrieger vom Islamischen Staat breit machen können, und die haben es weder mit Kinder- noch mit Menschenrechten. Das hat der Westen zwar so nicht bestellt, aber als Bonus dazu bekommen – denn alles ist besser als Sozialismus, selbst der reaktionärste Gottesstaat. So jedenfalls handelt der Westen – egal, wie viele Kinder (und Erwachsene) dabei unter die Räder kommen.

Und es ist ja auch nicht so, dass es den Kindern in den Ländern, in denen derzeit kein Krieg herrscht, besonders gut ginge – die weltweite Dauerkrise betrifft ja alle Länder und Gesellschaften mehr oder weniger direkt. In den angeblich so reichen USA leben etwa 2,5 Millionen Kinder auf der Straße. Und es werden immer mehr, weil die Immobilienkrise zwar derzeit aus den Schlagzeilen, aber längst nicht vorbei ist – in vielen Städten in den USA stehen ganze Einfamilienhaussiedlungen leer, während an anderer Stelle Zeltlager und Trailerparks entstehen, in denen die Leute hausen müssen, die ihre Raten fürs Haus nicht mehr zahlen konnten.

Dass es in Süd- und Osteuropa eine Menge armer Kinder gibt, muss eigentlich gar nicht weiter erwähnt werden. Die Lage der Kinder in Indien ist übrigens auch sehr traurig, insbesondere die der Mädchen – und Indien rühmt sich selbst immer wieder, die größte Demokratie der Welt zu sein. Da kann man wieder einmal sehen, dass Demokratie und Menschenrechte nicht zwangsläufig zusammen gehören, dafür aber Armut und Kapitalismus.

Das lässt sich auch in Deutschland beobachten – auch hier gibt es immer mehr Arme oder wie beschönigend gesagt wird “von Armut bedrohte” Kinder, obwohl es Deutschland ja im Vergleich zu Resteuropa angeblich dermaßen gut geht. Natürlich geht es hierzulande selbst den ärmsten Hartz-IV-Kindern immer noch viel besser als den armen Kindern, die in den Kriegs- und Krisenregionen dieser Welt aufwachsen müssen. Das ist aber kein Grund, sich bei der Bundesregierung zu bedanken – im Gegenteil. Sie hat mit ihrer Politik nicht nur das Elend der Hartz-IV-Kinder und ihrer Eltern im eigenen Land beschlossen, sondern auch tatkräftig zum derzeit miesen Zustand der Welt beigetragen.