25. Dichter der Bukowina

„Todesfuge“ kann getrost als das Gedicht des 20. Jahrhunderts gelten, auch wenn Celan selbst das Gedicht als „viel bemüht“ bezeichnete. Zweieinhalb Monate vor seinem Freitod erschienen in der Zeitschrift „Neue Literatur“ die Gedichte „Er“ von Immanuel Weissglas und „Die Blutfuge“ von Moses Rosenkranz. Beide Dichter waren Jugendfreunde Celans. Zu jener Zeit soll Paul Celan, noch tief erschüttert von den Plagiatsvorwürfen der späten 1950er und 1960er Jahre, mit versteinerter Miene durch Paris geirrt sein. Nach seinem Tod fand man auf seinem Schreibtisch einen Gedichtband von Immanuel Weissglas.

Die Lesung will die Texte von Weissglas, Rosenkranz und anderen nebeneinander stellen, nicht aber den längst hinfälligen Vorwurf aufgreifen, Celan habe abgeschrieben. Weissglas sprach von einer Art Wettstreit, in welchem sich Celan und andere zur Czernowitzer Zeit befunden hätten. Der Celan-Biograph John Felstiner wies darauf hin, dass Celan in jeder Zeile von Todesfuge „Wortmaterial aus der zerbrochenen Welt, von der das Gedicht Zeugnis ablegt“, verarbeite. / idw



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