24. Oktober 2010, Aus dem Lebensroman des Guido Rohm, 8.30 Uhr

Kaffee, Zigarette.
Irak. Die Frau führt einen Gefangenen an der Leine. Sie zieht ihn hinter sich her. Komm mein Hund, könnte sie flüstern, könnte sagen, denn der Krieg macht aus uns Spieler des Grauens, kein Grauen, könnte der Hund bellen, das ist mein Leben.
Die Bilder tauchen wieder auf, wir können den Bildern überhaupt nicht entkommen, die Bilder sind allgegenwärtig. Unsere Wahrheiten bestehen aus diesen Bildern. Die Lüge ist die geschnittene Nachrichtenwelt, ist sie nicht, sagt ein Reporter, ich war dabei, war vor Ort. Eingebundene Journalisten.
Zeigt ihm unsere Wahrheit, sagt der Soldat.

Da saß ich also am Vormittag, las ein übersandtes Manuskript, Teile daraus, rief Verleger Seeling an, der meine Meinung dazu wissen wollte, dem ich meine Wahrheit aufs Butterbrot schmierte.
Beeil dich, rief die Seraphe aus der Küche.
Wir wollten noch rasch in die Stadt, hin in eine Galerie. Mein Besuch dort endete mit der Bergung eines literarischen Stückes.
Raus aus der Galerie. Wir tranken noch im Lieblingsladen einen Kaffee, trafen uns mit den Kindern, besorgten ein Buch, das ich aus Recherchegründen benötige und rasten dann zurück in die Trutzburg.
Ran an die Tastatur, ich tippte mir die gelebte Literatur aus den Fingern. Schickte es ans Magazin.

Seraphe zappte sich durch die Programmhölle, dort die Leiden der Menschen, dort die Sucht, sich endlich in diesem Medium gespiegelt zu sehen. Talentsuche. „Du kannst überhaupt nicht singen“, sagt er. Das Mädchen hebt die Schultern. In einer Welt, die den Star fordert, in der jeder ein Star ist, selbst wenn er ihn in seiner schmuddeligen Dorfdisco nur spielt, ist das Urteil nicht entscheidend, sondern einzig die Inszenierung.
Müsste mir gefallen, denn ich liebe die Inszenierung, ist doch Literatur Inszenierung in reinster Form, die Essenz der Inszenierung. Gefiel mir aber nicht, denn solche Inszenierungen schreien nach dem Text, der sich unterhalb der Füße befindet; man müsste sich an den Text wagen, der an den Rändern dieser Person hängt.
Zeigt sie doch einmal, wenn sie nach Hause kommt, verbraucht von Männern, ausgenutzt vom Vater, getrieben von den Hoffnungen und Wünschen. Der Subtext müsste dechiffriert werden.

Also rein ins Bett. Einige Seiten im Fichte gelesen. Die Augen geschlossen. Wieder so ein Tag, der weggeträumt wurde. Wieder so ein Kapitel aus dem Lebensroman des Guido Rohm.



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