24. März 2012, Der real existierende Krimi, 7.02 Uhr

Kaffee, Zigarette. Krimis muss man nicht erfinden, weil sie überall rumliegen, man muss sich nur bücken und sie aufheben. Lesen Sie die Nachrichten, stöbern Sie im Wirtschaftsteil, alles ist Teil einer real existierenden Krimiliteratur. Die Autoren des Weltromans schreiben unaufhörlich, sie notieren ihren Roman in Zahlen, in Schicksalen, in Morden, Selbstmorden, Blut. Jeder Betrieb ist eine Verbrecherorganisation, da nimmt der Literaturbetrieb, der ja nur eine verstreute Firma ist, sich nicht aus. Da wird intrigiert, geschoben, gelogen, verraten. Eine Welt, die nur vordergründig mit Idealen hausieren geht, die sich in der Tradition von “edlen” Menschen sehen will, die, beleuchtet man sie unter dem grellen Licht einer Verhörlampe, alle so ihren Dreck unter den Hirnnägeln sitzen haben, den sie, da können sie schreiben und feilen und putzen, nicht los werden. Der Autor hat einen Vorteil: Er tritt bereits als Lügner, als kenntlich gemachter Lügner auf die Lebensbühne. Die Kritiker spielen Publikum, tun so, als wären sie die sozialisierten Produkte einer Masse, die eben nur im Auftrag der Masse forschen, untersuchen, sprechen. Hinter der Bühne sitzen die Verkäufer, die schon lange nicht mehr auf Buchstaben schielen (rühmliche Ausnahmen gibt es, und mir würde da spontan Fischer einfallen, Ihnen aber vielleicht ein ganz anderer Verlag), sondern die nur Augen für den Markt haben. Drum haben sie mehr von Marktfrauen als von einem Verleger. Stehen da und preisen ihre stinkende Ware in den höchsten Tönen an. Ist die Vorstellung vorüber, dann beginnt der wahre Krimi, denn dann treffen sich die Beteiligten fernab des Publikums hinter der Bühne. (Shakespeare hatte seine Freude.) Mord und Verrat, Liebe und Liebesentzug. Der einzige Schmarotzer, der von einem solchen Treiben profitieren könnte, wäre der Autor. Allein, er schreibt für den Markt und darf nicht berichten. Kündigt er die Vereinbarung, die Stillschweigen verlangt, auf, dann wird er gejagt. Die Opfer sind zahlreich und im Netz zu finden. Wie kann es sein, dass ein Alban Nikolai Herbst, dessen Sprachkraft weit über der Masse der vom Feuilleton in den Himmel gehoben Literatur liegt, kaum bis keine Besprechung erfährt? Wo bleiben die Lobpreisungen für einen Roman wie “Der Bote” von Dieter Paul Rudolph? Nein, man darf sich nicht darüber wundern, denn wir alle leben in einem Krimi. Sie wollen einen Krimi. Bücken Sie sich und heben sie ihn auf, denn er liegt direkt vor Ihren Füßen.



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