14. Aug. 2003: Helmut Rahn (†)

Von Eulengezwitscher @Edda_Eule
Helmut Rahn (www.rot-weiss-essen.de)

Er war einer der Helden von Bern: Helmut Rahn.  Im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 hat die deutsche Elf völlig unerwartet einen 0:2-Rückstand gegen die favorisierten Ungarn aufgeholt. Nach einem Eckball von Fritz Walter war es Rahn, dem der Ausgleich gelungen ist. Geschichte schreibt er aber vor allem mit seinem zweiten Tor in diesem Finale. Wir schreiben die 84. Spielminute. Im Berner Wankdorfstadion regnet es in Strömen. Zuhause, in den trockenen Wohnstuben, lauschen Millionen an den Radiogeräten, wie Herbert Zimmermann die Sekunden kommentiert, die Helmut Rahn zu Weltruhm verhelfen: "Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! – Tooooor! Tooooor! Tooooor! Tooooor!" (siehe Clip).

Helmut Rahn ist 1929 in Essen geboren. In seinen Sonntagsschuhen (andere hat er nicht)  bestreitet er sein erstes Fußballspiel für die Jugend von Altenessen 12  – und schießt prompt drei Tore. Das macht Lust auf mehr und schon bald buhlen die Essener Stadtteilklubs um den stets gut gelaunten Draufgänger, dessen linke Klebe den gegnerischen Torwart schon mal sechs Zähne kosten kann. Es dauert nicht lange, da nennt man ihn den "Boss". Über den SC Oelde und Essen-Katernberg führt ihn der Weg zu Rot-Weiß Essen.  „Man merke sich den Namen Rahn“, schreibt die Zeitung. Einer merkt sich den Namen ganz genau: der Bundestrainer - und so wird Helmut Rahn zum Nationalspieler. Die rechte Außenbahn ist sein Revier, sein Hobby aber ist das Toreschießen. Dieses eine Tor aber, das 3:2-Siegtor gegen Ungarn, wird dem Feierbiest zum Verhängnis. Immer wieder wollen alte und neue Freunde mit ihm ein Pilsken trinken:

Phantastik trifft Fußball: "Grashalm für Grashalm" ist eine biografische Kurzgeschichte über Helmut Rahn, sein Leben, und die Sekunde in der 84. Spielminute, die ihn berühmt gemacht hat.


 "Helmut, erzähl' mich dat dritte Tor..." Der Boss bestellt dann Schnäpse, stellt das Tor mit den leeren Gläschen auf dem Tresen nach, immer und immer wieder. Das hat Folgen. Er fährt seinen Wagen betrunken in eine Baugrube, verprügelt die herbeigerufen Polizisten, gerät ins Gefängnis - und in Vergessenheit. Heute vor zehn Jahren, am 14. August 2003, ist der Mann, der Deutschland aus dem Nachkrieg schoss, einsam und verbittert gestorben. Wenigstens der Pfarrer hat bei der Beisetzung das Wesentlichge gesehen. "Helmut Rahn war mehr als jene Sekunde..."