13. Dezember – Eine Herz(ens)geschichte.

Die Geschichte vom perfekten Herz.

Es war an einem wunderschönen Tag. Mitten in der Menschenmenge stand ein junger Mann und prahlte, dass er das schönste Herz im ganzen Land haben würde. Um ihn herum war eine große Menschenmenge. Es versammelten sich immer mehr Menschen um ihn und sie bewunderten mit großen Ah`s und Oh`s sein wohlgeformtes, glattes, wunderschönes Herz. Es war einfach perfekt. Es war makellos, hatte keine Fehler oder Flecken, die es verunstalteten. Die Menschenmenge staunte und versicherte dem jungen Mann: es war das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Stolz war der Junge daraufhin und zufrieden. Und er prahlte noch lauter und noch unermüdlicher mit seinem perfekten Herz.

Da kam es, dass plötzlich ein alter, gebrechlich aussehender Mann in der Menge auftauchte. Die Menschenmenge teilte sich und er als alle still waren, da sagte er mit wohlbedachten, klaren Worten: „Dein Herz mag unversehrt sein und dadurch perfekt aussehen. Doch dein Herz kann nicht im Ansatz so perfekt sein, wie meines. Ich sage dir, mein Herz ist viel schöner als deines.“ Da lachten die Menschen und der junge Mann, doch dann riskierten sie einen genaueren Blick auf das Herz des alten Mannes. Das Herz war nicht mehr so schön und glatt, es sah vielleicht nicht so elegant aus, aber es schlug kraftvoll und beständig an seinem Platz. Das Herz des Alten war voller Narben und Kratzer, an manchen Stellen fehlte etwas, andere Stücke waren nicht mehr original sondern ersetzt worden,  und erinnerten an einen Flickenteppich. Nichts schien, als ob es richtig passen würde, dennoch war es eine Einheit und ein Teil fügte sich in den anderen.  Die Menschen starrten den alten Mann an und fragten sich: „Wie kann er nur behaupten, dieses lumpige Herz sei schöner als das des jungen Mannes!!??“

Da musste der junge Mann mit dem perfekten Herz lauthals lachen. „Was behauptest du da? Du musst betrunken sein! Wie kannst du dein hässliches, altes Herz nur mit meinem perfekten Herzen vergleichen??! Deines ist voller Narben und Furchen, es hängt in Fetzen und ist vollgefüllt mit Tränen – sieh nur meines an, sieh her! Es ist schön und glatt, ohne Flicken und heil. ICH habe das perfekte Herz.“

„Ja“, erwiderte der alte Mann langsamen Wortes, „dein Herz sieht perfekt aus. Dennoch wollte ich nie mit dir tauschen. Dein Herz ist kahl und leer, meines hingegen ist erfüllt von Leben. Jede Narbe, das es hat, steht für einen Menschen, den ich geliebt habe und liebe. Ich habe ein Stück meines Herzens gegeben – und von vielen ein Stück ihres Herzens zurück bekommen, das ich in mein Herz eingefügt habe. Manchmal passen die Stücke nicht perfekt, sie sind zu klein, für manche muss ich mehr Platz schaffen, aber das macht nichts – all die Flicken erinnern mich daran, wie viel Liebe ich in meinem Herzen trage. Manche Stellen in meinem Herz blieben leer. Auch diese Teile schätze ich – sie machen mich aus, sie zeigen, dass ab und an im Leben jemand oder etwas eine Leere hinterlässt. Manchmal werden die kahlen Stellen wieder aufgefüllt, manchmal bleiben die Narben, aber mit dem Schmerz habe ich zu leben gelernt, er ist Teil meines Lebens, auch er gehört zu mir. Sag, junger Mann, erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“

Die Menschen hatten dem alten Mann gut zugehört. Nach und nach gingen sie. Wortlos kehrten sie dem jungen Mann den Rücken zu und gingen voller Demut ihres Weges. Der  Junge aber stand da und Tränen kullerten ihm über die Wangen. Er blickte dem Alten reumütig in die Augen und ging dann auf ihn zu. Ohne zu zögern riss er plötzlich ein Stück aus seinem perfekten Herzen heraus und hielt es dem alten Mann mit zittrigen Fingern hin. Der alte Mann nahm das schöne Stück und setzte es an einen leeren Platz in seinem alten, vernarbten Herz. Dann nahm er ein Stück aus seinem alten Herzen und füllte damit die Lücke des jungen Herzens. Es passte wie dafür gemacht. Und auch wenn das Herz des jungen Mannes jetzt nicht mehr so perfekt und makellos aussah, so war es doch schöner als je zuvor. Er spürte die Verbindung zu dem alten Mann und er spürte dessen Liebe in sich hinein fließen. Es bedurfte keiner Worte, die Männer umarmten sich innig, danach ging jeder seines Weges – beide in dem Wissen, den anderen berührt – und ihre Herzen mit dieser Begegnung erfüllt zu haben.

Meine Lieben, verzeiht, ich kenne weder den Urheber dieser wundervollen Geschichte, noch weiß ich, wo ich sie zum ersten Mal gehört habe. Vielleicht habe ich sogar schon einmal aufgeschrieben, ich weiß es nicht. Ich habe in meiner Ausbildung zur Pädagogin und später zur Shiatsu-Praktikerin so viele schöne Geschichten gehört, manche habe ich aufgehoben, manche aufgeschrieben, manche kann ich nur in eigenen Worten nacherzählen. Aber es sind berührende Worte, ich wollte euch diese heute erzählen – nicht zuletzt, weil es auch euer Wunsch war, Geschichten hier zu lesen. Lasst es euch gut gehen, alles Liebe und  bis Morgen, Nora


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