117. Konkrete Welt

Ein Gedicht ist ein Stück konkreter Welt. Kein Lyriker hat dies so sehr zum Programm gemacht wie Seamus Heaney. Dass die Welt weder rund noch in der Totalen zu überschauen ist, hat der 1939 im nordirischen County Derry in eine Großfamilie katholischer Bauern und Torfstecher Hineingeborene früh mitbekommen – und der Erfahrung kolonialenglischer Bevormundung, lokaler Begrenztheit und latenten Terrors etwas Rundes abringen können: Jeder seiner Verse fügt sich – ausgehend von einer Kindheitserinnerung, der Küste bei Connamarra, dem Hochmoor oder der Londoner U-Bahnlinie „District & Circle“ – zum Daseinsentwurf. / Jan Röhnert, Tagesspiegel

Seamus Heaney: Die Amsel von Glanmore. Gedichte 1965-2006. Zweisprachige Ausgabe. Hg. von Michael Krüger. Fischer Taschenbuch, Frankfurt a. M. 2011. 428 Seiten, 16,99 €.



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