108. Leseausgabe von Georg Hoprich erschienen

Nach dem Studium sollte Georg Hoprich Redakteur der deutschen Abteilung des rumänischen Jugendverlages werden und hatte dort unter anderem einen Pastior-Band geplant. Am 5. Juni 1961, kurz vor Abschluss seines Studiums, wurde er vom Geheimdienst verhaftet. Ein Stubengenosse im Wohnheim hatte auf einer Postkarte zum gewaltsamen Widerstand gegen die Zwangskollektivierung aufgerufen und in anschließenden Verhören seine Mitbewohner belastet. Wegen „deutschnationaler Umtriebe“ wurde Hoprich in einem stalinistischen Schauprozess zu fünf Jahren Haft verurteilt. Als Beweisstück musste das Gedicht „Schweigen“ herhalten. Nach drei Jahren wurde er aufgrund einer Amnestie entlassen.

Schweigen

Wir schweigen, was wir nicht vergessen –
Der Becher steht gefüllt mit Leid.
Wir stehen starr, wenn andre essen;
wir sind entfernt und ausgereiht.

Das Nächste schleppt sich wie gebrochen –
Wir sind ein Weh, das bitter haucht.
Wir haben immer stumm gesprochen;
Die wirre Nacht ist nicht verraucht.

Das schlichte Dasein das wir führen,
bleibt schwer wie Erde, dumpf wie Geld.
Wir sind ein blasses Volk, wir ernten
die Tränen von dem Bitterfeld.

Erinnerung

Aus blauen Augen sah ich Kind,
Wie durch Regen und Sonne und Staub und Wind
Die Zeit trottete.

Der erste Winter, der mir bekannt,
War rauh. Der Vater schlief am Rand,
Ich in der Mitte, die Mutter an der Wand,
Das Bett war eng.

Der Sommer brachte zu uns Soldaten,
Sie kamen in Autos – russische Soldaten.
Mein Vater hinkte zu ihnen und reichte jedem die Hand.
Meine Mutter gab ihnen Wasser, ich erhielt ein rotes Band
Und verlor die Furcht vor Mitja.

Ein lichter Frühling wehte dann,
Es kaufte mein Vater, der hinkende Mann,
Sich einen Holzfuss. Dann und wann
War in der Suppe auch Fleisch.

Du hast gefehlt!

Einmal gegangen, und du bist nicht mehr.
Nur die Stürme kommen und gehn.
Du bist zwischen Sonne und Meer
Das Licht im Verwehn.

Du hast die Müdigkeit aus deinem Blick
Hingestreut zum Vorwurf der Welt.
Die Welt ward ein Gott, du ein Geschick,
Ein verlorenes Sandkorn, eine Welle, die zerschellt.

Du hast die Schuldlosigkeit nicht gemessen,
Die Stunde, die dich über alles hält.
Du hast dich vergessen.
Du hast gefehlt!

Februar 1966

Er hoffte rehabilitiert zu werden, um endlich in seinem Beruf als Lehrer arbeiten zu können. Seine bürgerlichen Rechte wurden jedoch nie wieder hergestellt, denn die einsetzende Rehabilitierungswelle betraf lediglich Mitglieder der ehemaligen rumänischen kommunistischen Partei, die in internen Machtkämpfen unterlegen waren. Im März 1969 starb Georg Hoprich durch Suizid.

Soeben erschienen:

Georg Hoprich
Bäuchlings legt sich der Himmel – Gedichte
Reinecke & Voß

ca. 100 Seiten
ca. 10 Euro
ISBN 978-3-942901-00-0

„ .. nicht häufig anzutreffende Geschliffenheit und Eleganz der Form“ Steffen Sienerth

„In kaum einer Nuance ließ sich dieser Dichter auf die gerade modischen Töne und Inhalte ein … Dabei fällt das Verletzliche, zutiefst Verwundbare und Zerbrechliche … in fast allen Gedichten auf … Die innere Vibration ihrer Melodie ist unerreicht.“ Hans Bergel



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