108. “Ich übersetze mich nicht”

Norbert Mayer (Die Presse) sprach mit der Rauris-Preisträgerin Maja Haderlap

Die intellektuelle Entwicklung in Wien erfolgte auf Deutsch, während die Muttersprache das Lyrische geblieben ist. Ist sie weiter dominant als emotionelle Sprache?

Das Deutsche wurde für mich zur Sprache der Reflexion. Bei meiner Muttersprache geht es mir aber gar nicht so sehr um die Emotion, sondern um die Intimität, die Lyrik braucht. Man führt in Gedichten meist Monologe. Für mich ist damit eher das Slowenische verbunden, weil es ja bei uns keine wirkliche gesellschaftliche Funktion hat. Man bleibt bei sich. Ich habe auch versucht, die Gedichte für Lesungen ins Deutsche zu übertragen. Ich konnte das nicht, und ich übersetze mich nicht. Entweder oder. Der Roman wird von jemandem anderen ins Slowenische übertragen.



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