101. Uhland 225

Ein leiser, zäher, mutiger, aufsässiger Mann, den viele, wenn sie ihn sahen, wie er ihnen kahlköpfig und in anspruchsloser Kleidung begegnete, für einen biederen Handwerker halten konnten. Als Poet ein Vertreter der schwäbischen Romantik, geliebt vom Publikum wegen seiner volksliedhaften Verse und populären Balladen, erfolgreicher als Goethe, Schiller oder Börne, geschätzt noch in Paris, achtungsvoll, ja überschwänglich gewürdigt von den Kollegen. Für Hebbel war er der »erste Dichter der Gegenwart« und der einzige, »von dem ich ganz gewiß weiß, daß er auf die Nachwelt kommt«, Heine verlieh ihm 1833 den »Eichenkranz der Bürgertugend«, Chamisso zögerte nicht mit dem Bekenntnis, »daß mich nach Goethe kein Dichter so angeregt hat«, Fouqué hatte ihn »unaussprechlich lieb«, und Varnhagen von Ense bekannte, die »herrlichen, naturkräftigen Lieder« hätten ihm in ungarischer Einsamkeit die Lebensfreude wiedergegeben. Nichts bezeugt das Ansehen dieses Poeten so sehr wie die 47. Auflage seiner Gedichte gleich nach Uhlands Tod 1862. / Klaus Bellin, ND 26.4.



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