100 Jahre Maserati: Die Rache des Enzo Ferrari

Von Morethanracing @morethanracing

Maserati zählt nicht nur zu den exklusivsten Automarken der Welt, der italienischen Autobauer darf sich auch in die Liste der traditionsreichsten Autobauer eintragen. Am 1. Dezember 1914 riefen vier Brüder Maserati in Bologna ihre „Società Anonima Officine Alfieri Maserati“ ins Leben. Die Geschichte der Marke mit dem Dreizack verlief dramatisch wie 100 italienische Opern. Sie war sowohl von großen automobilen Momenten, sportlichen Höchstleistungen, aber auch von multiplen Pleiten geprägt. Ohne Maserati wäre kurz nach dem zweiten Weltkrieg ein gewisser Enzo Ferrari niemals auf die Idee gekommen, eigene Autos zu bauen.

Das Gründungsdatum 1. Dezember 1914 bestätigt Maserati die Zugehörigkeit zu den ältesten italienischen Automarken. Vier Brüder waren an diesem Tag angetreten, künftig unter ihrem Namen Autos zu produzieren: Alfieri (1887 – 1932), Bindo (1883 – 1980), Ettore (1894 – 1990) und Ernesto (1898 – 1975). Die Gebrüder Maserati hatten vor der offiziellen Firmengründung bereits Erfahrungen im Automobilbau gesammelt. Noch vor dem Tod des fünften Bruders Carlo (1881 – 1910) hatten sie mit der Konstruktion von Fahrzeugen begonnen. Ein sechster Bruder, Mario (1890 – 1981), schuf sich als Maler und Künstler einen eigenständigen Namen.

Die autoaffinen Maseratis wiesen bemerkenswerte Gemeinsamkeiten auf. Sie waren durchweg begabte Konstrukteure, huldigten fanatisch dem Motorsport und begeisterten sich für die faschistische Bewegung. Nachdem sich Benito Mussolini 1925 mit seinem faschistischen Regime an die Spitze Italiens gesetzt hatte, wollten die Maseratis ihrem Duce in den späten Dreißigern mit einer ultimativen Staatslimousine huldigen. Das Auto sollte einen 16-Zylinder-Motor erhalten. Damit wollten die Maseratis Ferdinand Porsche zuvor kommen, dessen Genie sie ein ähnliches Projekt für Adolf Hitler in Deutschland unterstellten.

Die Fixierung auf den Rennsport und staatstragende Monsterautos spiegelten eine weitere Gemeinsamkeit der Brüder wieder: Ihre Unfähigkeit auch als Geschäftsleute zu reüssieren. Sie bauten auf Teufel komm raus Rennwagen mit vier, sechs, acht und sogar Protoypen mit 16 Zylindern. 1926 sprang ein Sieg bei der Targa Florio auf Sizilien heraus, aber finanziell blieb die Situation so angespannt, dass die verbliebenen Brüder 1937 ihre Firmenanteile an den Industriellen Graf Adolfo Orsi veräußerten. Die Maseratis erhielten Zehn-Jahres-Verträge als Techniker.

1940 verlegte Orsi seinen Firmensitz von Bologna nach Modena. Ausgerechnet an jenen Ort, wo ein gewisser italienischer Rennsport-Tycoon namens Enzo Ferrari residierte. Ferrari, der vor dem Krieg Alfa Romeo erfolgreich im Grand-Prix-Zirkus als einzigen erfolgreichen Konkurrenten der übermächtigen deutschen Silberpfeile von Mercedes und der Auto Union etabliert hatte, betrieb zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Modena eine mittelständischen Maschinenbaubetrieb. Während seiner Rennsportzeit hatten sich die Gebrüder Maserati zum bevorzugten Feindbild des „Commendatores“ entwickelt. Das Engagement Orsis bei seinen Erzrivalen, quasi direkt vor der Haustüre, veranlasste Ferrari schließlich ab 1947 eigene Fahrzeuge zu bauen, die auf Rennstrecken und Straßen den Maseratis prompt meist um die Ohren fuhren.

Maserati sammelte eindrucksvolle Erfolge im Rennsport. Darunter 1939 und 1940 Siege bei den legendären „500 Meilen von Indianapolis“ in den Vereinigten Staaten. Oder Juan Manuel Fangios fünften Weltmeistertitel in der Formel 1, 1957. Doch trotz dieser Erfolge im Rennsport und eindrucksvoller Sportwagen, die jedoch immer im Schatten der Ferraris standen, stieg Maserati schließlich zum multiplen Pleitekandidat ab. 1968 verkaufte Orsi Maserati an Citroen. Die Geschichte zeigte, dass die Franzosen mit dieser Neuerwerbung nachweislich überfordert waren. Wie der genial missglückte Citroen SM zwischen 1974 und 1975 in nur 12 290 gebauten Exemplaren nachdrücklich belegt. Bereits 1975 reichte Citroen Maserati an Alessandro de Tomaso weiter.

Der argentinische Rennfahrer und Unternehmer, war schon mit seiner eigenen, 1959 gegründeten Marke überfordert. De Tomasos zeichneten sich durch die Kombination aufregender italienischer Karosserien mit großvolumigen amerikanischen V8-Motoren in bemerkenswert lässiger Verarbeitung aus. 1993 fand Maserati schließlich unter dem Dach des Fiat-Konzerns Unterschlupf. 1997 unterstellten die Verantwortlichen die Marke mit dem Dreizack des Neptunbrunnens von Bologna der Verantwortung von Ferrari. Und damit durfte Maserati erstmals in seiner Geschichte Fahrt in sicheren Gewässern aufnehmen. Mit dem Zugriff auf die Antriebs-Technik aus dem Achtzylinder-Baukasten von Ferrari, konnten die Entwickler den Gran-Turismo-Coupés und der Limousine Quattroporte endlich mit standesgemäßer Leistung und Alltagstauglichkeit ausstatten. Das Produktportfolio von Maserati ergänzt inzwischen perfekt das von Ferrari.

Aktuell bietet Maserati vier Modellreihen an. Der Gran Turismo feierte 2007 sein Debut. Die Achtzylinder mit 4,2 und 4,7 Liter Hubraum tragen die technische Handschrift von Ferrari. In dem knapp 4,9 Meter langen Coupé leisten sie zwischen 302 kW / 405 PS und 338 kW / 460 PS. Die offene Variante, das Gran Cabrio ergänzt seit 2010 die Baureihe. Der aktuelle Quattroporte von 2013 führt die Tradition der sportlichen Hochleistungslimousinen des Hauses fort. Zur Auswahl stehen ein aufgeladener V6-Biturbo mit 301 kW / 410 PS, ein V8-Biturbo als Topmodell mit 390 kW / 530 PS und erstmals in der Firmengeschichte auch ein Diesel mit 202 kW / 275 PS.

Mit ausschließlich Sechs-Zylinder-Motoren, die als Benziner und Diesel das Leistungsspektrum von 184 kW / 250 PS bis 301 kW / 410 PS abdecken, tritt der knapp fünf Meter lange Ghibli als Limousine seit 2013 im Revier der oberen Mittelklasse an, das bislang von den Platzhirschen Mercedes E-Klasse, BMW 5er oder Audi A6 dominiert wird.