100 DVDs in 100 Wochen: Marokko

Erstellt am 6. August 2014 von Pressplay Magazin @pressplayAT
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Veröffentlicht am 6. August 2014 | von Jeannine Riepl

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100 DVDs in 100 Wochen: Marokko

Josef von Sternbergs Marokko (OT: Morocco) aus dem Jahr 1930 ist die Nummer 19 im Filmfeature 100 DVDs in 100 Wochen. Die Hauptdarstellerin ist eine echte Größe der alten Schauspielgarde: Marlene Dietrich.

Marokko ist schon allein durch seine Thematik ein alter Hut, wenn auch im Jahr 1930 natürlich noch nicht so dermaßen ausgereizt, wie das heute leider manchmal vorkommt: Krieg und Liebe. Amy Jolly (Marlene Dietrich) ist eine talentierte Nachtclubsängerin, die es in das weit entfernte Marokko, Nordwest-Afrika, verschlagen hat. In einer marokkanischen Garnisonstadt muss sie sich schließlich zwischen dem äußerst wohlhabenden Geschäftsmann Le Bessier (Adolphe Menjou) und dem französischen Fremdenlegionär und Frauenheld Tom Brown (Gary Cooper) entscheiden. Und da die Liebe nun mal oft den schwierigeren aller Wege geht, entscheidet sie sich letztendlich für den mittellosen Soldaten, der noch dazu an vorderster Front zu kämpfen hat.

Schon in der ersten Szene mit Marlene Dietrich kann ich kaum glauben, wie eine Frau so unfassbar elegant aussehen kann. Sicher, die Mode der damaligen Zeit macht da einiges aus (wer hat heute noch ernsthaft Spitze vorm Gesicht, außer bei Hochzeiten oder im Fasching?), aber auch so ist die Dietrich wahrlich eine eindrucksvolle Erscheinung. Die Männer an ihrer Seite haben es da deutlich schwerer aufzufallen – was aber bei besagtem Film auch nicht weiter notwendig erscheint. Ohnehin sind die meisten Innenaufnahmen komplett “verraucht”, zumindest wirkt es so – wohl mehr aufgrund der Qualität der digitalisierten Version als durch das Kettenrauchen der Schauspieler in diversen Szenen. Apropos Innenaufnahmen: Sternberg drehte den kompletten Film übrigens nicht in Afrika, sondern in Kalifornien – ein bisschen Sand und passt schon.

Vor allem die Arbeit in den Filmateliers war ihm wichtig – hier konnte er seine Visionen verwirklichen und dementsprechend opulent sind die Zimmer von Amy und Le Bessier  sowie der Nachtclub ausgestattet. Doch bei den Kostümen ist man ein bisschen enttäuscht das der Film in Schwarz-Weiß gehalten ist, obwohl vielleicht gerade dadurch noch besser die Eleganz rüberkommt. Egal, jedenfalls überlege ich ernsthaft mir einen Zylinder zuzulegen – bei Madame Dietrich schaut das auf jeden Fall ganz ordentlich aus und auch das Monokel des Clubbesitzers ist eine Überlegung wert – vielleicht kommt das ja irgendwann wieder in Mode.

Obwohl es ziemlich unverständlich ist, weshalb Le Bessier Amy unter die Arme greift, um Tom Brown wiederzufinden, so ist doch vor allem der Schluss des Films ein wenig bedrückend. Amy schließt sich nämlich einer weiblichen Nachhut der Soldaten an, um mit ihnen gemeinsam an die Front zu ziehen. Was bleibt ist Wüste und die Gewissheit, dass die ganze Geschichte wohl für niemanden gut ausgehen wird.

Daher meine Empfehlung: Wer die Eleganz der 30er Jahre zu schätzen weiß und 88 Minuten Zeit hat, für den ist Marokko wohl die richtige Wahl. Klar, im Gegensatz zu heutigen Kriegsfilmen gibt es keine aufwändigen Actionszenen und billig in Szene gesetzte Damsels in distress, die halt auch irgendwas mit dem Film zu tun haben könnten, gibt es ebenso wenig – dafür aber eine umso charmantere Marlene Dietrich. Das nächste Mal dann: Out of Sight.

Tags:100 DVDs in 100 Wochen


Über den Autor

Jeannine Riepl Aufgabenbereich selbst definiert als: Background-Infosammlerin im Bereich Film und TV. Findet dass “Keine Feier ohne Geier” einer der witzigsten Sätze in der Geschichte des Disney-Films ist.