10 Gebote für Lebende

Als ich gestern den Artikel über die Top 5 der Reue zum Lebensende schrieb, fiel mir ein, dass ich ein ähnliches Buch doch schon selbst auch im Schrank habe: Es heißt “Hätte ich doch…  von den Sterbenden lernen, was im Leben wirklich zählt” und ist von einer deutschen Sterbebegleiterin geschrieben, sie heißt Doris Tropper. Frau Tropper hat einige Fälle von Menschen dokumentiert, die sie betreut hat bis zu deren Ende. Sie erzählt in ihrem Buch die Geschichte dieser Menschen und zieht aus jedem der – sehr unterschiedlichen – Fälle ein Resümee und am Ende des Buchs aus all ihren Erlebnissen als Fazit “10 Gebote” für den Alltag, über die ich mir ein paar Gedanken gemacht habe:

  1. Genieße den Tag, als gäbe es kein Morgen
    Das ist sicher oft leichter gesagt als getan! Wir sollten uns zumindest einmal pro Woche dran erinnern, dass die nächste unsere letzte Woche sein könnte und mindestens einmal in der Woche etwas machen, das wir wirklich gerne tun oder auch etwas wagen… So dass wir nicht zu viel bedauern müssen, wenn es zu spät ist…
  2. Blicke nicht in Trauer auf das zurück, was nicht möglich war
    Was nicht war, war eben nicht – machen wir das Beste aus dem Heute, denn mit Trauer oder Reue verändern wir die Vergangenheit nicht, wir versauen uns nur den Tag – die Gegenwart und damit auch die Zukunft.
  3. Gehe mit Gelassenheit in den neuen Tag, denn er wird schön werden
    Ja, vielleicht auch nicht – aber wenn wir uns nicht vornehmen, dass er schön werden kann und nicht gelassen sind, dann wird der Tag sicher auch nicht besser… also – auch wenn es Montagmorgen ist: Kopf hoch und Mundwinkel nach oben – jeder Tag kann gut werden, wenn wir ihm eine Chance lassen!
  4. Übe Dich in Geduld und verliere nie die Hoffnung und die Zuversicht
    Das mit der Hoffnung kann tückisch sein, denn darin kann man sich auch verlieren – aber bei der Zuversicht stimme ich Frau Tropper zu: Entspann Dich – am Ende wird alles gut… und wenn nicht alles gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. So oft habe ich Situationen erlebt wo ich dachte “Ach du sch….” und am Ende war ich froh, denn alles hat seinen Sinn. Das Leben geht immer auf und ab und in wundersamen Windungen. Je mehr ich lernte mich zu entspannen und zuversichtlich zu bleiben, umso einfacher wurde das.
  5. Suche mitten im Alltag die kleinen Oasen und genieße die kleinen Freuden des Lebens
    Es muss nicht immer Schampus sein… jedes mal, wenn ich mir ein paar Minuten Zeit nehme und z.B. mit meinem Hund spiele, macht uns das beide für Stunden glücklich und zufrieden. Warte nicht auf das „große Glück“ – manchmal kann es Deinen Tag retten, wenn Du jemanden zum Lächeln bringst.
  6. Bleibe beweglich in Körper und Geist, aber verausgabe Dich nicht ganz
    Es gibt Menschen, die “erstarren” und andere sind nie “fertig”, müssen immer noch mehr machen, lernen, abnehmen – was auch immer. Sie können gar nicht genießen, was sie schon erreicht haben, gönnen sich keine Pause. Andere wirken schon tot bevor sie sterben… nichts von beidem ist sinnvoll! Tu immer wieder etwas für Dich: Treibe ein bisschen Sport, bilde Dich weiter – aber gönne Dir auch Pausen und leiste es Dir, auch mal einfach zu entspannen und Deinen Akku wieder aufzuladen. (apropos – weißt Du schon von unserem super Seminarurlaub im Oktober in Andalusien? Da machen wir genau das und noch besser!)
  7. Dinge, die nicht zu ändern sind, warten darauf, losgelassen, verabschiedet oder ins Leben integriert zu werden
    Oh ja – denn es gibt keinen schlimmeren Energiefresser als das – in meinem Coachings ist das eine unserer wichtigsten Aufgaben, denn nur so sind wir frei für Neues – für Gutes… Viele Menschen klammern sich regelrecht an ihre Vergangenheit. Manchmal sogar an vergangenen Schmerz. Sie bleiben Opfer und damit ohne Chance, ihr Leben positiv und selbstbestimmt zu (er)leben.
  8. Verliere nie die Neugierde am Erforschen und Ausprobieren
    Es gibt so viel zu entdecken auf diesem spannenden Planeten – alles was neu ist, kitzelt und macht uns reich! Der Flirt zum Beispiel fällt so vielen Menschen nur deshalb so schwer, weil sie sich nicht von ihrer Erwartung an ein bestimmtes Ergebnis lösen können – doch wenn wir neugierig sind und „erforschen“ möchten, wird es plötzlich so viel einfacher…
  9. Betreibe regelmäßig “Wurzelpflege” und definiere den eigenen Standort neu
    Wir alle sind die Kinder von jemandem – wenn wir ablehnen, verleugnen oder hassen, woher wir kommen, macht uns das unglücklich und ein immer währender Schatten liegt auf unserem Dasein. Wenn wir uns aber auch nicht trauen von unseren “Wurzeln” aus zu wachsen und zu entwickeln, wenn wir uns nicht erlauben, groß zu werden, werden wir immer klein und in gewisser Weise auch ein unmündiges, abhängiges Kind bleiben…
  10. Denk nicht immer nur an die anderen, sondern auch an Dich selbst.
    Die Balance ist hier der Schlüssel: Nicht selten erlebe ich in meinen Seminaren Menschen, die so sehr gewöhnt daran sind, ihre Bedürfnisse zu spüren, dass sie taub und blind zu sein scheinen, für die Bedürfnisse anderer Menschen. Sie sehen und spüren ihren Hunger – auch den nach Liebe. Sie suchen nach einem Partner aber eigentlich sehnen sie sich in erster Linie nach einem Menschen, der ihre Bedürfnisse erfüllt. Kein Wunder, dass dies schwer machbar ist… andere wiederum sind gar nicht bei sich, denken die ganze Zeit darüber nach, was andere von Ihnen erwarten oder denken und vergessen darüber einfach sie selbst zu sein. Man kann diesen Satz daher als Gebot vorwärts wie rückwärts ernst nehmen und er erinnert mich an eines der biblischen 10 Gebote: Liebe Deinen Nächsten wie auch Dich selbst – was also impliziert, dass wir uns selbst lieben sollen und die anderen auch. Das wäre doch mal was!?

Ich glaube, manche dieser „Gebote“ sind sehr einfach verstehen und auch zu integrieren – ich weiß aus Erfahrung, dass manche auch schwer fallen, weil sie zum Teil dem entgegenstehen, was in unserer Gesellschaft „normal“ ist oder erwartet wird. Immer mal wieder höre ich in meinen Seminaren von Teilnehmern Sätze wie „Warum hat man uns das nicht in der Schule beigebracht?“. Naja – einerseits frage ich mich das manchmal auch, aber die meisten Lehrer, die ich kenne, haben von genau diesen Dingen selbst auch so wenig Ahnung gehabt, dass da vermutlich einfach keiner war, der einem das hätte beibringen können. Ein Bekannter von mir hat mir mal vor vielen Jahren Vorschläge (und Ratschläge) geben wollen, wie ich mein Geschäft vervielfachen könnte – unter anderem z.B. durch Franchising und ähnliche Modelle. Ich lud ihn ein, einen Kurs bei mir zu machen – danach machte er mir nie wieder einen derartigen Vorschlag, denn sein Fazit war: „Dein Kurs bist Du!“

Wirklich beibringen kann man nur, was man vorleben kann… ich freue mich auf Dich.