04.07.2013: Einführung in die Arbeit mit neuzeitlichen Quellen (9)

Von Cornelia Wilhelm @NiveauKlatsch
So, ihr Lieben! Hierbei handelt es sich (aller Voraussicht nach) um meinen letzten Post für heute Abend. ... Schon verwunderlich, was alles so liegen bleibt, wenn man sich innerhalb der Woche mit anderen Dingen beschäftigt.
Nichtsdestotrotz hier die Zusammenfassung der neuzeitlichen Quellen:

Hauptthema der letzten Veranstaltung waren Bild- und Audioquellen. 

Unter Bildquellen versteht man zum Beispiel...:


  • Zeitungen
  • Fotos
  • Gemälde
  • Postkarten
  • Holzschnitte
  • Kupferstiche 
  • Plakate
  • Plastiken (also 3D-Bilder)
  • ...
Im Zusammenhang mit Bildquellen werden die betreffenden Ereignisse oft im Nachhinein umgedeutet. Besonders im 19. Jahrhundert wurden die Historienbilder vermehrt realistisch dargestellt. Der Zuschauer bekam den Eindruck übermittelt, dass der betreffende Maler wirklich vor Ort war.

Die Geschichte der Fotografie

Erste fotografische Verfahren kamen bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf. In diesem Zusammenhang entwickelte sich auch langsam der Beruf des Fotografen. Zu den Funktionen und Besonderheiten der Bildquellen zählten die Kommunikation (über die jeweiligen Bilder), die Wissensvermittlung, die Wahrheitsproduktion und natürlich auch die Propaganda. Konzepte wie "Realismus" und "Identität" wurden aufeinmal vollkommen neu und anders bewertet. Durch die vorhandenen Bilder kann die bestehende Erinnerung entweder ergänzt oder eben noch weiter strukturiert werden. 
Schon bald kam es zu einer regelrechten Massenproduktion an Bildern. In der Amateurfotografie griffen Bilderkonsum und -produktion ineinander und wurden zu einer Form von kultureller und sozialer Praxis. 
Ab den 50er und 60ern machte irgendwie "jeder" Fotos.

Als eine eigene Quellengattung wurden Fotografien in der Vergangenheit nur selten wahrgenommen. Dies mag unter anderem daran liegen, dass es an einer verbindlichen Methode der Quellen- und Bildanalyse immernoch hapert. Seit den 1970ern kann man jedoch von einer ergänzenden Quellengattung sprechen. Spätestens seit der Diskussion über die "Wehrmachtsausstellung" aus dem Jahre 1999 wurden immer wieder wissenschaftliche Diskussionen über Bilder als historische Quellen ins Leben gerufen. 

Die Fotoanalyse

Im Rahmen der Fotoanalyse können verschiedene Fragen an das betreffende Bild "gestellt" werden. Diese sind beispielsweise...:
  1. Welche Erkenntnisse bestehen in Bezug auf die Entstehungsgeschichte des Bildes bzw. in Bezug auf dessen Komposition?
  2. Was weiß man über die Wirkungs- und Verbreitungsgeschichte des Bildes?
  3. Handelt es sich um ein Foto mit einem ikonischen oder symbolischen Status?
  4. In welchem historischen Kontext steht das Bild? (besonders einleuchtend im Beispiel des Kniefalls vorm ehemaligen Warschauer Ghetto, in dessen Zusammenhang den Toten des Aufstandes gedacht werden sollte. Der Kniefall galt zudem als ein Symbol für die (noch ausstehende) Aussöhnung mit dem Osten.Im Westen war diese durch den "Elysée-Vertrag" besiegelt.) 
Natürlich müssen auch die abgebildeten Elemente analysiert werden. Fragen in diesem Zusammenhang können zum Beispiel sein...:
  1. Welche Orte, Ereignisse, Personen usw. sind abgebildet?
  2. Bildet das Foto einen Kontext zum untersuchten Sachverhalt?
Es gibt (neben vielen spontan geschossenen Bildern) auch eine Vielzahl von gestellten Fotos. Zudem nutzte man vor allem in Russland bzw. der ehemailigen Sowjetunion das sog. "damnatio memoriae", das Löschen der Erinnerung (s. a. "Der Revolutionäre Club von St. Petersburg" von 1897. Dieser existierte einmal mit und einmal ohne Maltschenkow.).
Audioaufnahmen
Selbstverständlich gibt es auch im Bereich der Audioaufnahmen einige "Meilensteine", die hier nicht unter den Tisch gekehrt werden sollten...:
  • 1877: Edison erfindet den Phonographen (= Aufzeichnung mit Walzen).
  • 1888: Das Grammophon wird durch Emile Berliner vorgestellt.
  • 1897: Die Schellackplatten werden erfunden.
  • 1904: Beidseitig bespielbare Platten kommen auf den Markt.
  • 1928: Das erste Tonbandgerät kommt auf den Markt.
  • 1947: Die ersten Vinyl-Singles werden verkauft.
  • 1948: Die ersten Langspielplatten werden verkauft.
  • 1953: Das Stereotonband wird erfunden.
  • 1963: Die Compact-Cassette wird erfunden.
  • 1982: Die CD startet ihren Siegeszug.
Der Bereich der Audioquellen ist zum Einen in Bezug auf die Arten der Aufzeichnung (also Nachrichten, Reportagen, Interviews, Musik usw.) und zum Anderen in Bezug auf die Art des Tonträgers (also Tonwalzen, Schallplatten, Tonbänder, digitale Aufzeichnungen usw.) zu unterscheiden.
Die Methoden in Bezug auf die Audioquellen haben sich im Verlauf der letzten Jahre immer weiter entwickelt. Eine besondere Rolle spielte hier die Digitalisierung, das Audio Mining (=Programme, die bestimmte Stimmen und Worte wiedererkennen und in Text verwandeln. Vor allem die Suche nach bestimmten Schlüsselworten wird damit vereinfacht. Das Ganze ist natürlich besonders interessant für die Audioarchive. Mit Audio Mining kann ein Archiv in Textform erstellt werden.) und die Audio Forensik (hierbei wird besonders auf Hintergrundgeräusche geachtet, damit der genaue Ort der Aufnahme optimal analysiert werden kann.).

Interessante Links:

Alle, die man in den "Genuss" (?) alter Aufzeichnungen kommen möchten haben hierzu online beim "Deutschen Rundfunkarchiv", bei "75 Jahre Radio in Deutschland" und "First Sounds" Gelegenheit.