Είμαι Ελληνικά!

Ich würde am Sonntag mit Nein stimmen. Also wenn ich Grieche und wahlberechtigt wäre. Nicht aus vollster Überzeugung, weil ich etwa glaubte, ohne Euro gehe es uns Griechen dann besser. Sondern aus verletztem Stolz. Weil genug genug ist.
Είμαι Ελληνικά!Exakt dieser lädierte Stolz ist ein ganz wichtiger, vielleicht sogar der allerwichtigste Punkt, den die Medien in ihrer Berichterstattung kaum beachten. Sie reden viel über Auswirkungen und Volksverrat der Regierenden. Über ökonomische Vernunft oder das, was sie dafür halten. Doch dass viele Griechen das Referendum nur deshalb für eine gute Idee halten, weil sie darin endlich aussagen können, dass es genug ist und dass sie nicht mehr länger gewillt sind, die abstrakte Verfügungsmasse europäischer Schreibtischtäter zu sein, kommt in der Troika-Logik nicht vor. Was ist die Rettung ihres Landes wert, wenn sie nachher noch weniger Chancen auf einen Arbeitsplatz, Bildung oder Medizin haben? Jetzt ist es schon beschissen. Die Steigerungsform von beschissen lautet »immer weiter dem Austeritätskurs folgen«. Alleine wenn ich die arroganten und abgehobenen Mienen der Finanzminister und der Troika im griechischen Fernsehen sehen würde, wüsste ich schon, wie ich zu votieren hätte. Vernunft hin oder her. Die Ratio ist in manchen Lebenslagen kein Kriterium mehr. So auch hier.

Man nenne das Sturheit oder dumm und darüber hinaus für die Lebensrealität nicht zielführend. Aber man muss sich weite Teile des griechischen Volkes als tief im Stolz verletzte Menschen vorstellen. Über Jahre wurden sie bevormundet und langsam trockengelegt. Über Jahre ist ihr nationales Parlament eine Puppenkiste voller schlenkender Marionetten gewesen. Kein Wunder also, dass diese linke Regierung weitaus nationalistischer auftrat, als es die konservativen Vorgängermodelle waren. Das musste sie gewissermaßen tun, um diese Entmündigung zu durchbrechen.
Es kommt bei der Entscheidung am kommenden Sonntag in erster Linie nicht auf Soll und Haben an, auf das Abwägen von Für und Wider. Das Referendum ist eine emotionale Sache für die Menschen in Griechenland. Es ist Wut, Enttäuschung und es ist das über viele Jahre geschliffene Bewusstsein am Start, dass man nicht mehr bereit dazu ist, die entstandene Armut noch weiter zu beschränken. Auf dieser Grundlage fußt die Entscheidung der griechischen Regierung, die Zukunft des Landes in die Hände derer zu legen, die diese Zukunft erdulden müssen.
Aber natürlich geht es in zweiter Linie auch um weniger gefühlsbetonte Dinge. Es geht nicht um Euro oder Drachme, es geht nicht um Verbleib in der Union oder Austritt - es geht viel mehr auch darum, dieser Art von Austeritätspolitik (Privatisierungen, Senkung des Sozialstandards usw.) eine Abfuhr zu erteilen. Europa soll sich nie mehr anmaßen, mit einem anderen Mitgliedsstaat so zu verfahren.

»Jeder Mensch von Kultur hat zwei Vaterländer: das seine - und Frankreich.« Dieser Satz stammte von Thomas Jefferson und drückte den tiefen Respekt vor der Kultur der Aufklärung aus, die Jefferson (der lange Zeit als Diplomat in Paris weilte) sehr befürwortete. Heute kann man sagen, dass jeder Mensch von Aufklärung auch eine griechische Seele in sich tragen sollte. Wer möchte, dass diese neoliberale Brachialpolitik vor ihren Scherben steht, der ist am Wochenende voll und ganz Grieche.
Είμαι Ελληνικά!. Ich bin Grieche. Denn ich weiß auch, dass es für die Menschen dort so oder so dramatisch wird. Ob mit oder ohne Sparauflagen. Sie werden es ausbaden. Und dann kann man genauso gut auch Nein sagen. Sich abwenden und den Vätern und der Mutter der Austerität eine Niederlage erteilen. Auf, Landsleute im Geiste, sagt Nein und sprecht für alle Europäer, die die Verfahrensweise mit eurem Land seit Jahren verurteilen! Dieses Europa, dass euch Kredite gewährte, damit ihr Kredite abbezahlen könnt und euch immer tiefer in die Schuldenspirale stieß, damit Euro und Wirtschaftsinteressen nicht angetastet würden, hat nichts anderes verdient, als zu Bruch zu gehen.
Grieche zu sein kann am Sonntag heißen, den Anfang von Ende einer Union einzuleiten, die völlig versagt hat. Grieche zu sein kann am Sonntag heißen, Europa in ein neues Zeitalter zu katapultieren. Wie immer das dann gemeint sein mag. Vielleicht geht es den Austeritätskriegern ja an den Kragen und vielleicht wählt ihr Merkel ab, wenn wir es schon nicht können ...
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