007 #13 | James Bond in den Tentakel-Fängen von OCTOPUSSY (1983)

Wenn es eine Insel der Frauen gibt, auf denen ein Mann keinen Zutritt hat, dann nennt Roger Moore das in Octopussy puren Sexismus. Natürlich darf sein James Bond dann auf diese Insel, er muss sich nicht an die Regeln halten, er ist immerhin 007.

Und so inszeniert Regisseur John Glen den sechsten Auftritt Moores als Doppelnull-Agent des MI6, während Sean Connery im inoffiziellen Bond vs. S.P.E.C.T.R.E.-Film Sag niemals nie (einer Neuverfilmung von Feuerball) als Konkurrenz-Bond auftritt, ohne die Rechte an all dem, was wir über die Jahrzehnte an dem Agenten lieb gewonnen haben – dafür aber eben mit Sean Connery.

Im absolut offiziellen Octopussy macht Roger Moore nun die Bekanntschaft von der titelgebenden Schmugglerin (Maud Adams), die auf einer Palastinsel ihren Octopussy-Kult versteckt, der mit dem im Exil lebenden afghanischen Prinzen Kamal Khan (Louis Jordan) zusammenarbeitet.

007 #13 | James Bond in den Tentakel-Fängen von OCTOPUSSY (1983)

Octopussy

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James Bond (Roger Moore) versucht sein Glück bei der hartnäckigen Octopussy (Maud Adams)

Khan wiederum macht gemeinsame Sache mit dem sowjetischen General Orlov (Steven Berkoff), der die Macht seines Landes nach Westeuropa ausweiten will. Hierfür trifft er sich mit seinem Verbündeten in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) ist Ostdeutschland, um eine Zirkus-Attentäter-Truppe von Octopussy dazu zu nutzen, eine Bombe in einen US-Militärstützpunkt zu schleusen und so eine Chance einer sowjetischen Invasion zu erhöhen.

Octopussy kehrt zurück zu alter Stärke und lässt Roger Moore gleich zu Beginn mit einer spektakulär inszenierte Flucht in sein neuestes Abenteuer einsteigen. Es gibt eine gigantische Explosion, aber auch den charismatischen Humor des 007-Darstellers. Später dürfen wir gar dabei zusehen, wie sich James Bond mit einer Dame an einer handelsüblichen Telefonzelle über deren Nutzung streitet (ein Film, der uns nur allzu sehr das Smartphone vermissen lässt) oder vor der grün gekleideten, irgendwie lustig aussehenden deutschen Polizei flüchtet.

Vermutlich ist es kein Zufall, dass die grünen Gesetzeshüter in demselben Bond-Streifen auftreten, in dem es auch sehr prominent um einen Zirkus geht, in dem Akrobaten sich in Hochseilakten inszenieren und Zwillings-Messerwerfer dem MI6-Agenten nachstellen, der sich wiederum selbst als Clown verkleidet, um den Zirkus zu infiltrieren.

Mit Octopussy wird wieder einmal die Angst vor der Sowjetunion geschürt, wobei der Film hier klar Orlov als Bösewicht darstellt, der auch vor dem sowjetischen Komitee keinen Zuspruch erhält, da er mit seiner persönlichen Paranoia und seinen Eroberungsgelüsten den Sozialismus mit kriegerischen Mitteln in die Welt tragen will und dabei nicht vor dem Einsatz von Atomwaffen zurückschreckt. Das mögen nicht einmal seine Landsleute.

Und so haben wir es mit einem abtrünnigen Sowjet zu tun, der gemeinsame Sache mit einem im Exil lebenden Afghanen macht. Und schon hat James Bond ein Duo-Schurkenpaar, dass zwar nicht an die “ganz Großen” des Bond-Universums heranreicht, aber immer noch ausreichend markant ist, um als Gegenspieler eine spürbare Gefahr darzustellen.

Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von sehenswerten Handlangern, die entweder im Dienste Khans stehen oder aus Octopussys Zirkus kommen. Allen voran das Messer werfende Zwillingspaar, der offizielle Bond-Handlanger Gobinda (Kabir Bedi) – ein Turban tragender Riese, der nicht viele Worte verliert – oder ein Sägeblatt-Lasso schwingender Schurke, der Bond mehrmals gefährlich nahe auf die Pelle rückt.

007 #13 | James Bond in den Tentakel-Fängen von OCTOPUSSY (1983)

Octopussy

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Louis Jordan (links) als afghanischer Prinz Kamal Khan und sein Handlanger Gobinda (Kabir Bedi, rechts)

Manchmal muss man dann aber doch tief durchatmen. Wenn James Bond durch die engen und stark bevölkerten Straßen Delhis fährt, dann hat der Film diese geradezu überladen mit Stereotypen: mit Schlangenbeschwörern, mit Fakiren und Messerschluckern – alles was Inder in der Vorstellung von Filmemachern eben so machen.

Und wenn man dann immer noch denkt, dass der Titelsong aus Octopussy “All Time High” von Rita Coolidge das schrecklichste an diesem Film ist, dann sollte man abwarten bis James Bond sich an Lianen und mit Tarzan-Schrei durch das Bild schwingt.

Dann aber endet der Film mit einem wunderbaren Battle of the Sexes, bei dem sich Octopussys Damen gegen Khans Männer auflehnen und James Bond inmitten einer riesigen Männer gegen Frauen-Schlacht den Showdown abliefern darf. Roger Moore hat mit Octopussy den perfekten Mix von Charme, Spaß und Ernsthaftigkeit gefunden, vielleicht auch, weil er so großartig von allen Beteiligten umspielt wird.


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