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ZDF: Flotten-Aufmarsch am Golf

Erstellt am 23. Januar 2012 von Nicsbloghaus
Die US-Flugzeugträger der Nimitz-Klasse USS John C. Stennis (CVN 74) und USS Abraham Lincoln (CVN 72) im Arabischen Meer am 19.01.2012. Quelle: US Navy US Navy Die US-Flugzeugträger USS John C. Stennis (CVN 74) und USS Abraham Lincoln (CVN 72) im Arabischen Meer.

Flotten-Aufmarsch am Golf

USA ziehen größte Kampfgruppe seit 2002 zusammen

von Stefan Lehmacher

Iran will in einem Manöver die Schließung der Straße von Hormus üben. Doch vor der Meerenge schwimmen derzeit so viele US-Kriegsschiffe wie zuletzt 2002 vor dem Irak-Krieg. Und am Montag will die EU ein Öl-Embargo gegen Iran beschließen.

Muskelspiele oder mehr? Die USA ziehen in der Arabischen See eine Armada aus drei Flugzeugträgern und ihren Kampfgruppen zusammen, ein vierter Träger soll im Februar hinzustoßen.

Karte: Straße von Hormus, Iran, Oman. Katar, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate. Quelle: ZDF

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Militärische und politische Drohgebärden

Das Flottenaufgebot könnte in Zusammenhang mit der angekündigten Übung der iranischen Streitkräfte stehen, bei der die Schließung der Straße von Hormus simuliert werden soll. Die Europäische Union will am Montag zudem über ein Öl-Embargo und weitere Sanktionen gegen den Iran beschließen. Eine deutsche Zustimmung zu den Sanktionen wegen des vermuteten Atom-Programms der Iraner gilt als sehr wahrscheinlich.

Derzeit schwimmen in der Arabischen See drei Flugzeugträger-Kampfgruppen: Die USS Carl Vinson, die USS John C. Stennis und die USS Abraham Lincoln. Begleitet werden die Träger von insgesamt elf Lenkwaffen-Kreuzern und -Zerstörern. Unter dem Schutz der Flugzeugträger-Task-Force ist auch der amphibische Landungsträger USS Makin Island mit zwei weiteren großen Landungsschiffen in der Arabischen See unterwegs. Das ist deutlich mehr als die 5. US-Flotte, die in dieser Weltregion stationiert ist, normalerweise umfasst. Eine derartige Ansammlung schwerer US-Kampfschiffe ließ sich zuletzt Ende 2002 beobachten, kurz vor dem Angriff auf den Irak im März 2003.

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Fünfte US-Flotte

Die Fünfte US-Flotte – nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst aufgelöst – wurde als Reaktion auf den ersten Golfkrieg 1995 wieder aufgestellt um im Nahen Osten eine starke Militärpräsenz zeigen zu können.

Der Flottenverband besteht aus einer Flugzeugträgergruppe, einer amphibischen Gruppe für Landungsoperationen, landgestützten Marinefliegereinheiten und weiteren Schiffen und U-Booten. Die Fünfte US-Flotte umfasst mehr als 20 Schiffe mit ungefähr 15.000 Besatzungsmitgliedern und ca. 1000 Soldaten an Land.

Zu den Trägergruppen wurden außerdem mindestens vier atomgetriebene Jagd-U-Boote in den Golf verlegt. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist unklar, nicht jedoch ihre Aufgabe: Sie sollen die Trägergruppen vor Angriffen durch iranische U-Boote schützen. Außerdem sind vermutlich zwei U-Boote der Ohio-Klasse hinzugezogen worden. Die ehemaligen strategischen Raketen-U-Boote wurden zu Cruise-Missile-U-Booten umgebaut und haben jeweils bis zu 154 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk an Bord. Mit den Marschflugkörpern können Ziele an Land beschossen werden, ohne dass das U-Boot auftauchen muss.

Alarm am Golf

Aller Augen sind nun auf die Straße von Hormus gerichtet, die zum Brennpunkt einer Auseinandersetzung werden könnte. Iran will in einer großen Militärübung die Schließung der Straße von Hormus simulieren und warnt alle US-Schiffe, sich der Einfahrt zur Wasserstraße zu nähern. Wie von der iranischen Nachrichtenseite Farsnews verbereitet wurde, will das iranische Parlament ein Gesetz verabschieden, nachdem jedes ausländische Kriegsschiff künftig eine Genehmigung Irans einholen müsste, um die Straße von Hormus zu befahren. Dies steht jedoch in Widerspruch zur Seerechtskonention der Vereinten Nationen, die der Iran zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert hat.

Im Persischen Golf selbst schwimmen derzeit vermutlich mindestens vier US-amerikanische Lenkwaffen-Kreuzer und -Zerstörer, die in der Lage sind, ballistische Raketen abzufangen. Die mit dem Aegis Lenk- und Führungssystem ausgestatteten Schiffe können ballistische Raketen im Umkreis von 500 Kilometern noch bis in Höhen von mehr als 250 Kilometern abfangen. In Katar sind nach Berichten an Land umfangreiche Luftabwehrstellungen aufgefahren, es herrscht Alarm-Stimmung.

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Schutz für Israel

Auch im Mittelmeer haben die USA vermutlich nördlich der israelischen Küste Aegis-Abfangkreuzer positioniert. Das Aegis-System ist mit anderen Systemen der ballistischen Raketenabwehr vernetzt. So kommuniziert es in diesem Fall mit Radar- und Raketenabwehrsystemen, die in Israel stationiert sind. Gemeinsam können die Abwehrsysteme auf See und an Land sowohl Mittelstreckenraketen als auch einzelne Sprengköpfe abwehren.

Öl-Embargo droht

Die Europäische Union will am Montag ein Öl-Embargo gegen Iran beschließen. Nach inoffiziellen Angaben geht es bei dem Treffen der EU-Außenminister nicht mehr um das Ob, sondern nur noch darum, wie die Sanktionen gestaltet werden sollen. Lediglich Griechenland, das mehr als die Hälfte seines Öls aus dem Iran bezieht und sich wegen seiner angespannten Finanzlage kaum nach teureren Ersatzlieferungen umsehen kann, zögert noch, den Entschluss mitzutragen. Demgegenüber hat sich Spanien, das ebenfalls große Mengen Rohöl aus Iran bezieht, ausdrücklich für ein Öl-Embargo ausgesprochen. Deutschland gilt als sicherer Unterstützer und will auch den Sanktionen gegen iranische Banken zustimmen.

Iran drohten bei einem Käufer-Boykott für sein Öl empfindliche Einbußen. Der Erlös aus den Ölexporten macht 80 Prozent der iranischen Staatseinnahmen aus. Iran ist auf das Geld dringend angewiesen und finanziert damit unter anderem umfangreiche Subventionen für die Bevölkerung. So wird besipielsweise Benzin auf einen Preis von umgerechnet 36 Eurocent pro Liter heruntersubventioniert. Diesel kostet sogar nur sechs Eurocent pro Liter. Eine Schließung der Straße von Hormus, wie sie Iran immer wieder androht, schädigte auch den Iran selbst.

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