Regen
Der Regen geht als eine alte Frau
mit stiller Trauer durch das Land.
Ihr Haar ist feucht, ihr Mantel grau,
und manchmal hebt sie ihre Hand
und klopft verzagt an Fensterscheiben,
wo die Gardinen heimlich flüstern.
Das Mädchen muss im Hause bleiben
und ist doch grade heut so lebenslüstern!
Da packt der Wind die Alte bei den Haaren,
und ihre Tränen werden wilde Kleckse.
Verwegen lässt sie ihre Röcke fahren
und tanzt gespensterhaft wie eine Hexe!




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KOMMENTARE ( 1 )
Veröffentlicht am Donnerstag, 8. September um 14:31
Ich finde Borchert einfach großartig. Habe seine Kurzgeschichten in der Schule kennengelernt. Seine Geschichten sind sehr zurückaltend geschrieben, nüchtern. Und dennoch spricht aus ihnen etwas sehr gefühlsbetontes, expressives. Ich finde sowieso sein Stil hat etwas vom Expressionismus, sowohl in der Auswahl der Motive als auch im Stil. Aber der Begriff Expressionismus ist dehnbar. Jedenfalls ist er ein meiner Meinung nach zu wenig beaknnter Autor. Die Gedichte zeugen vielleicht im Stil noch oft von einer Unerfahrenheit, die aber irgendwie dazu gehört. Die Sprache ist einfach, so scheint es, aber hinterfragt man einiges, fällt auf wie Tief diese Bilder gehen können. Lest mehr Borchert!
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