Lesbische Beziehungen stoßen seltener auf Ablehnung in der Öffentlichkeit als schwule Paar. Die Gesellschaft geht mit der Vorstellung, dass zwei Frauen sich gegenseitig lieben und liebkosten, einfacher um als mit schwulem Sex. Insgesamt wir die Lesbenszene weit weniger wahrgenommen als die scheinbar schillernde Schwulenszene. Nichtsdestotrotz wurde über die Ursachen für weibliche Homosexualität spekuliert und geforscht, außerdem begegnen Lesbenpaare auch heute noch verschiedenen Vorurteilen – und auch innerhalb der Szene gibt es Spannungen.
Lesbische Liebe und Forschung
Ursächlich wurde allgemein über Homosexualität geforscht. In diesem Zuge wurde beispielsweise angenommen, dass die Gene verantwortliche seien, warum sich ein Mensch dem eigenen Geschlecht in Liebes- und Sexdingen zuwendet. Klare Antworten fand man in den Genen dennoch nicht, wenn, so könnte es sich bestenfalls um ein Zusammenspiel von mehreren Genen handeln, die einen Menschen homosexuell machen. Ähnlich verhält es sich mit den Hormonen, die ebenfalls unter Verdacht standen. Diese Anstrengungen brachten also nur vage Annahmen zu Tage, keine handfesten Beweise. Eindeutigeres wurde durch Befragungen festgestellt: Die Elternhäuser von Homosexuellen unterscheiden sich nicht von denen der Heterosexuellen. Ein direkter sozialer Einfluss der Familie konnte so zumindest ausgeschlossen werden.
Homosexualität und Psychotherapie
Frühere Theorien und Vorurteile von Psychotherapeuten muss man heute einfach belächeln. Sie besagten unter anderem, dass man zum Lesbisch sein oder zum Schwul sein verführt werden könnte. Man ging davon aus, dass Frauen lesbisch wurden, weil sie einen sexuell eingeschränkten Ehemann besessen hätten oder von Perversen vergewaltigt worden seien. Oder dass sie von einer Lesbe verführt worden seien, beispielsweise in einem Umfeld, wo es nur Frauen gab, wie im Gefängnis oder im Kloster. In der Psychologie und Psychoanalyse war es schließlich Siegmund Freud, der als erstes einfach annahm, dass der Mensch grundsätzlich die Anlagen mitbrächte, homosexuell oder heterosexuell zu sein. Eine Annahme, die einige seiner Kollegen nicht mit ihm teilten, ebenso nicht seine Aussage, dass Homosexualität keine Krankheit sei, die behandelt werden müsse. Für ihn war lediglich interessant, warum sich Menschen zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen.
Tatsächlich stand Homosexualität bis 1974 als Krankheitsbild in den Katalogen der amerikanischen Psychiater. Dies erklärt auch, warum immer wieder versucht wurde, Männern wie Frauen ihr Schwulendasein beziehungsweise Lesbendasein auf verschiedene Weise auszutreiben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benötigte sogar bis 1992, bis sie Homosexualität nicht mehr als Krankheit führte. Heutzutage sieht glücklicherweise kein Arzt oder Therapeut mehr eine Veranlassung, Homosexualität zu therapieren. Sie gilt als normal und als Variation menschlicher Sexualität und Liebe.
Schon immer oder plötzlich Lesbe?
Viele lesbische Frauen wissen seit ihrer Pubertät, dass sie sich zu anderen Frauen hingezogen fühlen und nahmen keinen von sozialem Druck geförderten Umweg über Beziehungen zu Männern. Das Outing bei der Familie und im Freundeskreis ist für einige Mädels die schwerste Hürde. Nach dem ersten Schock reagieren glücklicherweise die meisten Eltern verständnisvoll. Leider wenden sich manche Menschen dennoch von ihnen ab, wenn sie von der Homosexualität erfahren. Oft ist es die eigene Unsicherheit, wie sie der Person ab sofort gegenübertreten sollen, die sie in ein völliges Schweigen verfallen lassen. Andererseits finden sich echte Freunde, die neugierig sind oder für die – wie es auch sein soll – die sexuelle Ausrichtung zum eigenen Geschlecht als völlig normal betrachten.
Weit schwieriger ist es für das Umfeld, wenn die Frau nach einer vielleicht langjährigen Beziehung erkennt, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt und sogar eine lesbische Beziehung eingeht. Der verlassene Mann fühlt sich vielleicht als Versager und chancenlos. Gegen einen männlichen Kontrahenten könnte er eher angehen als gegen eine Frau. Vielfach bilden sich auch die engen Familienangehörigen ein, dass es sich nur um eine Phase handeln könnte, weil der richtige Mann fehlt. Oftmals wird jedoch erkannt, dass es der Frau mit ihrer neuen Erkenntnis, eine Lesbe zu sein, viel besser geht und sie sich in der Beziehung mit einer anderen Frau endlich als wahrhaftig und angekommen empfindet, was eine große Akzeptanz und Freude für sie nach sich zieht.
Lesben sind nicht gleich Lesben
Prominente Beispiele beweisen, dass einige Lesben völlig unbemerkt sich in der Gesellschaft bewegen und eben in den eigenen vier Wänden einfach eine Frau lieben, eine Beziehung führen, wie jeder andere Mensch. Sie wollen akzeptiert werden und akzeptieren jede andere Form von Beziehung.
Allerdings gibt es Lesben, die tatsächlich ein wenig dem Männer hassenden Bild entsprechen. Sie können weder bisexuelle Frauen akzeptieren noch Männer in ihrem Umfeld gut ertragen. Glücklicherweise sind diese Lesben heute viel seltener vertreten, als es noch in den 1980er Jahren der Fall war, denn leider fordern solche Menschen Toleranz und Akzeptanz, ohne selbst diese erwidern zu können. Ein Thema, dass indirekt mit diesen Lesben zusammenhängt, ist die Ablehnung von Penetration beim Lesbensex. Allerdings sind heutige Frauen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen meist der Ansicht, dass Sexualität vielfältig ist und das Penetrieren beim Sex mit Dildos, Vibratoren und ähnlichem völlig normal und jedem selbst überlassen ist. Sie empfinden diese Sexspielzeuge nicht als Mannesersatz, sondern lustspendende Variation.
Das Vorurteil über Lesben, dass es sich bei ihnen oft um Mannsweiber handeln würde, die kaum von einem Kerl zu unterscheiden sind, bewahrheitet sich in manchen Fällen und ist einfach zu akzeptieren. Die Realität zeigt allerdings, dass lesbische Frauen ganz natürlich wirken, feminin sein können und wollen und einfache Individuen sind, wie jeder andere Mensch auch. Und jeder Mensch sollte ein Recht auf Glück und Liebe haben, egal welcher Geschlechtspartner ihm das geben kann.
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