Ressort Literatur

Tahereh Mafi: Ich fürchte mich nicht

Erstellt am 13. August 2012 von Lydia255

[Rezension] Ich fürchte mich nicht - Tahereh Mafi

Infos zum Buch:
Autor/in: Tahereh Mafi Preis: 16,99€ Seiten: 320 Originaltitel: Shatter me #1Verlag: Goldmann Reihe: "Ich fürchte mich nicht"-Reihe  1. Ich fürchte mich nicht  2. Unravel me (eng. erscheint 16.10.2012!)  3. Destroy me (eng. erscheint 5.2.2013!)  4. ? (eng. erscheint Herbst 2013!)
 

Klappentext: Ich habe eine Gabe. Ich bin das Leben. Berühr mich.»"Du darfst mich nicht anfassen", flüstere ich. "Bitte fass mich an", möchte ich in Wahrheit sagen. Aber wenn man mich anfasst, geschieht Seltsames. Schlimmes.«
Ihr Leben lang war Juliette einsam, eine Ausgestoßene – ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Doch Juliette beschließt zu kämpfen – gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. An ihrer Seite ein Mann, zu dem sie sich unaufhaltsam hingezogen fühlt. Ihn zu berühren ist ihr sehnlichster Wunsch – und ihre größte Furcht ... 

Meine Meinung: Das Cover ist himmlisch, einfach traumhaft schön - aber es passt nicht zur Geschichte. Wie so oft, leiten viele Bücher, Käufer mit ihren wunderschönen Covern, die rein gar nichts oder kaum mit der Story zu tun haben, in die Irre. Man kann sich in so einem Fall auch nicht richtig beschweren, denn das Cover bietet ja einen wunderschönen Anblick dar. Eine Frau mit lockigen, roten Haaren hat ein blaues Kleid an, das am Saum zu einer Art Rauch verpufft. Sie streckt ihr Gesicht gegen den Himmel und scheint ganz leicht nach hinten zu fallen. Der Hintergrund ist nur in Grautönen und besteht aus einer sehr großen Bodenfläche mit vielen kleinen Rissen. Ganz hinten befindet sich eine relativ kleine Stadt mit vielen beeindruckenden Hochhäusern und Wolkenkratzern. Dahinter erstreckt sich ein ebenfalls grauer und heller Himmel. Ich finde die Stadt und den trockenen, rissigen Boden gut, das passt auch zur Geschichte. Die Frau könnte vom Aussehen her, durchaus Juliette darstellen. Der Titel "Ich fürchte mich nicht" ist schön ausgewählt. Das ist nämlich der Satz, den Juliette die ganze Zeit über denkt. Nur bin ich mir jetzt wieder unsicher, welchen Namen die ganze Reihe trägt.

264 Tage sind vergangen, seit die 17-jährige Juliette ihre Zelle in der Anstalt betreten hat. 264 Tage hungert sie, weil sie nicht anständiges Essen bekommt. 264 Tage hat sie nicht mehr mit einem anderen Menschen gesprochen. Die Welt stirbt, die Umweltverschmutzung ist so weitgeschritten, dass es nur noch wenige Pflanzen und gesunde Lebensmittel gibt, somit sind auch die Tiere rar geworden. Juliette ist kein normaler Mensch. Wenn sie jemanden berührt, passieren schlimme Dinge. Sie kann einen kräftigen Mann mit einer Berührung ihrer zarten Hände töten. Aber Juliette kann nichts dafür. Ihre eigenen Eltern haben sie verstoßen, sie als Monster bezeichnet, sie gehasst und sie der Irrenanstalt ausgeliefert. Juliette kann sich an keine mütterliche Umarmung, keinen Händedruck oder keinen Kuss erinnern. Doch mit einem Mal wird alles anders. An diesem 264. Tag bekommt sie ohne Ankündigung einen Zellengenossen, ausgerechnet einen jungen Mann. Das ganze Leben abgeschieden von den anderen und allein, ist sie jetzt erst recht völlig überrumpelt, verwirrt und geradezu schockiert. Warum tun sie das? Wollen sie sie töten? Warum ein Junge? Aber nicht nur das, stellt ihr durch und durch trauriges, grausames und freudloses Leben auf dem Kopf. Sie kannte ihn, er war der Einzige in ihrer Vergangenheit, der sie damals wie einen echten Menschen behandelt hat. Adam Kent.

Juliette mag anfangs nicht so rüberkommen, doch sie hat einen starken Charakter. Sie hat noch nie Liebe erfahren, was das bedeutet, kann und will ich nicht nacherleben. Trotz allem, was man ihr angetan, vorgeworfen und nachgeschrien hat, hasst sie nicht die anderen, sondern sich selbst. Sie projiziert ihren Schmerz nicht auf andere, sondern versucht immer und immer wieder sich selbst zu verändern - ohne Erfolg. Sie ist hartnäckig, unheimlich poetisch, zu gutmütig und deshalb habe ich sie in mein Herz geschlossen. Aber sie ist auch naiv, ein bisschen zu schnell hysterisch und wegen ihrer ungewollten Fähigkeit auch unberechenbar.

Was den Schreibstil angeht, muss ich sagen, dass ich mich zwischen wundervoll, gefühlvoll und originell, und etwas abgedreht und übertrieben nicht so richtig entscheiden kann. Obwohl ich doch zum Ersteren tendiere! Die ersten Seiten tat ich mich schwer, mir kamen Juliettes Gedanken so abgehackt und gefühllos vor, aber nach sehr wenigen Seiten schon, hatte ich mich daran gewöhnt. Denn ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem Wörter durchstrichen werden und der Satz dann doch anders endet, als er vorher enden sollte. Juliette verleugnet ihre eigenen Gedanken und ersetzt sie mit "netteren" und "besseren" Wörtern. Der Schmerz, der Schock und die Angst sind so echt, dass auch oft Wörter oder Passagen eines Satzen dreimal (oder mehr) wiederholt werden. Ich denke, dies ist der Punkt, an dem man sich entweder dafür entscheidet, dass es zu übertrieben und nervenaufreibend geschrieben ist, oder man findet es eine tolle Umsetzung und Darstellung von echten Gedanken und Gefühlen. Die Geschichte ist durchgängig aus Juliettes Sicht, in Ich-Form und in Gegenwart geschrieben. Ich konnte mich gut in Juliettes ungewöhnliches und tief berührendes Leben hineinversetzen, habe es geliebt, wenn sie ihrer poetischen Ader nachging und ich von wunderschönen Metaphern las. Tahereh Mafi hat sehr großes Talent, die Gefühle werden so echt und so schön beschrieben, wirklich grandios.
Im Großen und Ganzen habe ich die Geschichte wirklich genossen! Es wurde spannend so wie actionreich, was ein schöner Ausgleich für die Liebesgeschichte war. Nur ein paar Mal hat die Autorin ihre "spezielle Schreib-Art" etwas zu oft auf einmal angewendet. Da besteht einfach die Gefahr, dass das den Leser ein wenig ärgert. Am Ende gibt es sogar eine Wendung, die sehr auf den nächsten Teil neugierig macht. Es gibt außerdem eine Dreiecksliebesgeschichte, in der Juliette im Mittelpunkt steht, was ich dann doch etwas unoriginell fand, da es nur noch von Dreiecksliebesgeschichten in Jugendbüchern wimmelt. Trotzdem werde ich auf jeden Fall Band 2 lesen!


Fazit:
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Eine poetische Geschichte, mit vielen Gefühlen und einem originellen (vielleicht gewöhnungsbedürftigen) Schreibstil!

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