Ressort Erotik

Susan Jones im privaten Gespräch

Erstellt am 16. Dezember 2010 von Florentine_w

Susan Jones im privaten GesprächBereits Ende Oktober hatte ich Euch den Roman “Der Assistent” von Susan Jones vorgestellt. Inzwischen findet sich das Buch unter den Topseller der erotischen Literatur auf bekannten Bücherplattformen, obwohl es erst im Sommer im blue panther books Verlag erschienen ist. Da es mir nicht nur vom Stil her gefällt, sondern auch die Story in meinen Augen sehr ansprechend ist, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ich endlich genug Freiraum hatte, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen.
Ich habe Susan Jones zum Gespräch gebeten und hier könnt ihr ganz frisch lesen, was wir so plauderten!

Mit dem Roman „Der Assistent“ hast Du Dein literarisches Debüt gegeben, wie bist Du zum erotischen Schreiben gekommen und gab es Vorbilder für Dich?
Geschichten und Gedichte schreibe ich schon seit meinem fünften Lebensjahr. An erotische Geschichten habe ich mich mit ungefähr 22 Jahren erstmals herangewagt und dann auch gleich großen Gefallen daran gefunden. Einige davon sind auch veröffentlicht worden, in Zeitschriften und Anthologien.
„Der Assistent“ war aber der erste vollständige Roman, den ich je geschrieben habe, über Kurzgeschichten bin ich vorher nie hinausgekommen. Ich fange immer einfach an zu schreiben, wenn ich eine Idee habe, und schaue dann nach drei oder vier Kapiteln, wie gut ich mit den Protagonisten zurecht komme, ob ich sie mag, ob sie mich mögen, ob ich sie so entwickeln kann wie ich es mir vorstelle.
Wenn mir das nicht gelingt in diesem Zeitraum, wird das Ganze dann entweder nur eine Kurzgeschichte oder wandert in den digitalen Papierkorb…
Meine Lieblingsschriftsteller Vorbilder zu nennen, würde mich (und sie!) wirklich beschämen. Ich lese gern John Irving, Oscar Wilde, Henry Miller und Edgar Allan Poe. Aber selbstverständlich wäre sogar das Notizbuch von Oscar Wilde literarisch wertvoller als meine schriftstellerischen Ambitionen :)

Wie ist Dir die Idee zu diesem Werk gekommen?
Der Roman ist einfach so über mich gekommen, ich habe mir anfangs auch gar keine großen Gedanken darüber gemacht, was ich eigentlich schreiben will. Ich hab einfach angefangen, und der Rest hat sich dann beim Schreiben entwickelt.
Vieles ist wohl aus den Untiefen meines Unterbewusstseins gekrochen, ich habe mich manchmal selbst gewundert über einige Szenen :)
Zuerst war mein Protagonist, Marc, da. Und von ihm habe ich mich dann inspirieren lassen.

Der Weg von einer Idee zu einem fertigen Roman ist oft lang oder schwierig, wie hast Du diesen Weg empfunden und wie lange war die eigentliche Entstehungsdauer des Romans?
Wie gesagt, der Roman ist sozusagen von selbst entstanden, dementsprechend kurz war auch seine Entstehungsdauer – um genau zu sein, dauerte es eine Woche vom ersten Satz bis zum letzten Satz. In der Woche habe ich jede Nacht bis in den frühen Morgen hinein mit viel Musik, Champagner und Zigaretten geschrieben.
Mein Mann war so nett und hat mir die Zeit gegeben und sich morgens um unsere Tochter gekümmert, so dass ich ausschlafen konnte. In der Woche war ich auch für andere Menschen kaum ansprechbar, ich war nur noch in „meiner“ Welt und hatte gar keine Lust auf das normale Leben.
Offenbar ist diese Art und Weise aber für mich genau richtig, wenn ich schreiben will. Jeden Tag ein Stündchen oder so geht gar nicht, da komme ich selbst nicht rein in die Story und dann wird das nur ein Gemurkse – oder eben eine Kurzgeschichte :)

Gibt es Tipps die Du Anfängern mit auf den Weg geben kannst?
Ich bin ja selbst blutige Anfängerin, obwohl ich Germanistik studiert habe. Aber zwischen Theorie und Praxis liegen doch meistens Welten. Eine gewisse sprachliche Fertigkeit sollte man natürlich mitbringen, wenn man schreiben will. Und selbstverständlich Fantasie, ohne die geht gar nichts.
Mich hat mal jemand gefragt, ob ich eine Idee hätte, worüber er schreiben könnte, er würde gern ein Buch schreiben. Das ist ungefähr so als würde ich einen Marathonläufer fragen, ob er mir mal seine Beine leiht, damit ich mitlaufen kann … Wer eine gute Idee hat und die umsetzen will, sollte erstmal einfach anfangen zu schreiben. Ohne im Vorfeld zu viel über die Story nachzudenken.
Wenn man erfahrener ist, habe ich gehört, arbeitet man oft anders herum. Da kommt erst die Story, das Grundgerüst, dann die Protagonisten, und wenn alles steht beginnt der eigentliche Schreibprozess. Da bin ich aber noch lange nicht angekommen, ich schreibe immer noch am liebsten ganz intuitiv und versetze mich beim Schreiben gern in eine „tranceartige“ Stimmung.
Leider brauche ich daher viel Zeit und Ruhe dafür und kann nicht mal so zwischendurch neben Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung ein bisschen vor mich hinschreiben.

Viele Autoren entscheiden sich ihre Bücher im Eigenverlag, zB. über books on demand, zu publizieren. Wie ist Deine Erfahrung mit der Suche nach einem Verlag?
Ich hatte ursprünglich gar nicht darüber nachgedacht, das Buch überhaupt zu veröffentlichen. Als mein Mann, meine beste Freundin und ein lieber Freund es dann gelesen haben, waren die unisono der Meinung, dass das Buch gut sei und dass ich es an einen Verlag schicken sollte. Ich hatte keinen Schimmer, welche Verlage überhaupt Erotika veröffentlichen, und habe mich dann erstmal im Bücherregal meines Geschäftes informiert.
Ich habe vier Verlage rausgepickt, zu denen meiner Meinung nach das Buch passen würde, und habe ihnen mein Exposé geschickt. Der blue panther books Verlag hat sich zuerst gemeldet, danach meldeten noch zwei weitere Verlage Interessen an, aber die waren ja dann zu spät, und von dem vierten habe ich nie etwas gehört. Ich war natürlich überrascht, dass das so „einfach“ und unkompliziert ging. Es hat dann insgesamt ja auch nur 9 Monate gedauert vom ersten Satz bis zu dem Tag, an dem ich mein Buch in der Hand gehalten habe. Mein Baby :)
Grundsätzlich finde ich es aber toll, dass es durch books on demand die Möglichkeit für nahezu jedermann gibt, Bücher zu veröffentlichen. Das bereichert die literarische Landschaft ja ungemein, denn die Verlage drucken doch zumeist nur das, was auch kommerziell attraktiv erscheint. Und leider sind das ja nicht immer die „besten“ Bücher. Ohne books on demand würde es viele gute Bücher, die anders sind und nicht die breite Masse ansprechen, gar nicht geben, und das wäre schade. Ich würde auch jederzeit ein Buch in Eigenregie veröffentlichen, wenn ich davon überzeugt wäre und kein Verlag es haben wollte. Susan Jones im privaten Gespräch

Wird es denn einen Nachfolger um die mitreißende Geschichte um Marc und Rebecca geben?
Ich habe schon an einem Nachfolger gearbeitet, bin aber selber nicht glücklich damit. Und eigentlich, so meine ich, ist die Geschichte an sich auch erzählt.
Ich bin keine Freundin von Fortsetzungen, weder bei Büchern noch bei Filmen. Da ich gerne amerikanische TV-Serien sehe mag ich da mal eine Analogie ziehen – ganz oft sehe ich eine Serie, deren erste Staffel mich total umhaut und die ich absolut großartig finde. Ab der zweiten Staffel wird es dann aber meistens nervig, weil die Grundstory eigentlich mit einer Staffel erzählt wäre.
Ich glaube, ich schreib lieber was neues – ich habe noch ganz viele Geschichten im Kopf :)

Ich glaube an meisten interessiert es die Leser natürlich wie viel Susan Jones sich in Deinem Roman wieder findet!
Ja, das hat sich natürlich auch meine Familie gefragt… allerdings steckt nicht wirklich so viel von mir persönlich in dem Buch. Ich bin ganz anders als Rebecca, und ein Mann wie Marc würde mich nie derart aus der Bahn werfen können.
Naja, wenn überhaupt steckt am meisten von mir in Marc *lach* vielleicht wäre ich so wie er, wenn ich ein Mann wäre… wer weiß?

Viele Autoren versuchen nicht einfach nur zu schreiben. Gerade Frauen in der erotischen Literatur versuchen oftmals eine Botschaft zu transportieren, ähnlich wie man es von den sogenannten Frauenpornos kennt. Siehst Du Dich auch in dieser Rolle?
Ich finde, erotische Literatur soll in erster Linie unterhalten. Wichtige Botschaften überlasse ich gern den „echten“ Literaten und vor allem anderen Genres.
Ich habe aber trotzdem versucht, im Roman die Rolle der modernen Frau kritisch zu beleuchten. Denn neben den erotischen Aktivitäten von Rebecca geht es in ihrem Leben ja vor allem um den Zwiespalt zwischen Familie, Liebe und Karriere. Beides scheint für sie nicht miteinander vereinbar zu sein, und so entscheidet sie sich ausschließlich für ihren Beruf.
Dass Rebecca dann ausgerechnet auf einen Mann hereinfällt, der sie nur durch Sex sozusagen „de-emanzipiert“ und damit genau in die Rolle drängt, vor der sie sich eigentlich fürchtet, auch ohne Haushalt und Kind, ist natürlich tragisch. Aber in der Tat erleben ja viele gut ausgebildete, junge Frauen heute diese Misere, dass sie sich nicht für eine Familie entscheiden wollen aus Angst, sich damit gleichzeitig eine berufliche Karriere zu verbauen. Das ist traurig und dauert sicherlich noch viele Jahre, bis diese gesellschaftliche Hürde überwunden ist und Frauen endlich beides im Leben genießen können. Bis dahin müssen wir uns eben im Spagat üben :)

Wo siehst Du Dich und Deine Werke in den kommenden Jahren? Gibt es weitere Projekte auf die wir uns freuen können?
Da ich das Schreiben ja neben Beruf, Studium und Kind/Haushalt/Mann nur als Hobby betreibe, ist es fein, dass Du von kommenden „Jahren“ sprichst :)
Ich schreibe aber natürlich weiter, und würde mich selbstredend freuen, wenn das ein oder andere Werk auch seine Öffentlichkeit erleben dürfte.
Zur Zeit arbeite ich an einem fröhlichen Erotikroman über eine junge, etwas naive Frau, die Schriftstellerin werden will und sich bei ihrer Arbeit von Kunden zu erotischen Geschichten inspirieren lässt – mal sehen, wie gut ich mit der deutlich fröhlicheren Grundstimmung auf Dauer umgehen kann und ob der für das Buch eingeplante Zeitraum nach Weihnachten ausreicht…

Und ganz zum Schluss möchte ich gerne noch einen Einblick in Deinen Tagesablauf bekommen? Wie sieht ein typischer Susan Jones Tag aus?
Wie der Tag der meisten anderen Menschen wahrscheinlich auch – ich stehe früh auf, um meine kleine Tochter schulfertig zu machen.
Dann arbeite ich bis mittags, hole das Kind aus der Schule ab oder bin an einigen Tagen der Woche im Geschäft, um dort weiterzuarbeiten. Zum Schreiben komme ich nur abends, und da ich eine absolute Nachteule bin und erst ab 23 Uhr zu Höchstform auflaufe, hindert mich das frühe Aufstehen meistens daran, diesem Trieb wirklich nachzugeben.
Darum sind für das Schreiben dann feste Zeiträume, zum Beispiel in den Schulferien, reserviert. Meine Tochter freut sich, einige Tage mit den Omas oder ihrer Tante verbringen zu können, und die Mama freut sich über einige Tage „Lotterleben“ – bis morgens früh schreiben, nur Unsinn wie Schokolade und Fast Food essen, an nichts anderes denken als an die fiktive Welt, in die ich mich dann begebe, das Telefon klingeln lassen … das sind meine absoluten Lieblingstage im Jahr, erholsamer als jeder Urlaub in der Ferne.

Vielen Dank für das wunderbare Gespräch mit Dir!
Ich danke Dir, liebe Florentine, für die spannenden Fragen und für Dein Interesse!

(Bildquelle: aboutpixel.de / Fotonotizen © Thomas Pieruschek;  Tagebuch © Walter Christ)

Mit dem Roman „Der Assistent“ hast Du Dein literarisches Debüt gegeben, wie bist Du zum erotischen Schreiben gekommen und gab es Vorbilder für Dich?
Geschichten und Gedichte schreibe ich schon seit meinem fünften Lebensjahr. An erotische Geschichten habe ich mich mit ungefähr 22 Jahren erstmals herangewagt und dann auch gleich großen Gefallen daran gefunden. Einige davon sind auch veröffentlicht worden, in Zeitschriften und Anthologien. „Der Assistent“ war aber der erste vollständige Roman, den ich je geschrieben habe, über Kurzgeschichten bin ich vorher nie hinausgekommen. Ich fange immer einfach an zu schreiben, wenn ich eine Idee habe, und schaue dann nach drei oder vier Kapiteln, wie gut ich mit den Protagonisten zurecht komme, ob ich sie mag, ob sie mich mögen, ob ich sie so entwickeln kann wie ich es mir vorstelle. Wenn mir das nicht gelingt in diesem Zeitraum, wird das Ganze dann entweder nur eine Kurzgeschichte oder wandert in den digitalen Papierkorb…
Meine Lieblingsschriftsteller Vorbilder zu nennen, würde mich (und sie!) wirklich beschämen. Ich lese gern John Irving, Oscar Wilde, Henry Miller und Edgar Allan Poe. Aber selbstverständlich wäre sogar das Notizbuch von Oscar Wilde literarisch wertvoller als meine schriftstellerischen Ambitionen :)
Wie ist Dir die Idee zu diesem Werk gekommen?
Der Roman ist einfach so über mich gekommen, ich habe mir anfangs auch gar keine großen Gedanken darüber gemacht, was ich eigentlich schreiben will. Ich hab einfach angefangen, und der Rest hat sich dann beim Schreiben entwickelt. Vieles ist wohl aus den Untiefen meines Unterbewusstseins gekrochen, ich habe mich manchmal selbst gewundert über einige Szenen :)
Zuerst war mein Protagonist, Marc, da. Und von ihm habe ich mich dann inspirieren lassen.
Der Weg von einer Idee zu einem fertigen Roman ist oft lang oder schwierig, wie hast Du diesen Weg empfunden und wie lange war die eigentliche Entstehungsdauer des Romans?
Wie gesagt, der Roman ist sozusagen von selbst entstanden, dementsprechend kurz war auch seine Entstehungsdauer – um genau zu sein, dauerte es eine Woche vom ersten Satz bis zum letzten Satz. In der Woche habe ich jede Nacht bis in den frühen Morgen hinein mit viel Musik, Champagner und Zigaretten geschrieben. Mein Mann war so nett und hat mir die Zeit gegeben und sich morgens um unsere Tochter gekümmert, so dass ich ausschlafen konnte. In der Woche war ich auch für andere Menschen kaum ansprechbar, ich war nur noch in „meiner“ Welt und hatte gar keine Lust auf das normale Leben. Offenbar ist diese Art und Weise aber für mich genau richtig, wenn ich schreiben will. Jeden Tag ein Stündchen oder so geht gar nicht, da komme ich selbst nicht rein in die Story und dann wird das nur ein Gemurkse – oder eben eine Kurzgeschichte :)
Gibt es Tipps die Du Anfängern mit auf den Weg geben kannst?
Ich bin ja selbst blutige Anfängerin, obwohl ich Germanistik studiert habe. Aber zwischen Theorie und Praxis liegen doch meistens Welten. Eine gewisse sprachliche Fertigkeit sollte man natürlich mitbringen, wenn man schreiben will. Und selbstverständlich Fantasie, ohne die geht gar nichts. Mich hat mal jemand gefragt, ob ich eine Idee hätte, worüber er schreiben könnte, er würde gern ein Buch schreiben. Das ist ungefähr so als würde ich einen Marathonläufer fragen, ob er mir mal seine Beine leiht, damit ich mitlaufen kann … Wer eine gute Idee hat und die umsetzen will, sollte erstmal einfach anfangen zu schreiben. Ohne im Vorfeld zu viel über die Story nachzudenken. Wenn man erfahrener ist, habe ich gehört, arbeitet man oft anders herum. Da kommt erst die Story, das Grundgerüst, dann die Protagonisten, und wenn alles steht beginnt der eigentliche Schreibprozess. Da bin ich aber noch lange nicht angekommen, ich schreibe immer noch am liebsten ganz intuitiv und versetze mich beim Schreiben gern in eine „tranceartige“ Stimmung. Leider brauche ich daher viel Zeit und Ruhe dafür und kann nicht mal so zwischendurch neben Arbeit, Haushalt und Kinderbetreuung ein bisschen vor mich hinschreiben.
Viele Autoren entscheiden sich ihre Bücher im Eigenverlag, zB. über books on demand, zu publizieren. Wie ist Deine Erfahrung mit der Suche nach einem Verlag?
Ich hatte ursprünglich gar nicht darüber nachgedacht, das Buch überhaupt zu veröffentlichen. Als mein Mann, meine beste Freundin und ein lieber Freund es dann gelesen haben, waren die unisono der Meinung, dass das Buch gut sei und dass ich es an einen Verlag schicken sollte. Ich hatte keinen Schimmer, welche Verlage überhaupt Erotika veröffentlichen, und habe mich dann erstmal im Bücherregal meines Geschäftes informiert. Ich habe vier Verlage rausgepickt, zu denen meiner Meinung nach das Buch passen würde, und habe ihnen mein Exposé geschickt. Der blue panther books Verlag hat sich zuerst gemeldet, danach meldeten noch zwei weitere Verlage Interessen an, aber die waren ja dann zu spät, und von dem vierten habe ich nie etwas gehört.
Ich war natürlich überrascht, dass das so „einfach“ und unkompliziert ging. Es hat dann insgesamt ja auch nur 9 Monate gedauert vom ersten Satz bis zu dem Tag, an dem ich mein Buch in der Hand gehalten habe. Mein Baby :)
Grundsätzlich finde ich es aber toll, dass es durch books on demand die Möglichkeit für nahezu jedermann gibt, Bücher zu veröffentlichen. Das bereichert die literarische Landschaft ja ungemein, denn die Verlage drucken doch zumeist nur das, was auch kommerziell attraktiv erscheint. Und leider sind das ja nicht immer die „besten“ Bücher. Ohne books on demand würde es viele gute Bücher, die anders sind und nicht die breite Masse ansprechen, gar nicht geben, und das wäre schade. Ich würde auch jederzeit ein Buch in Eigenregie veröffentlichen, wenn ich davon überzeugt wäre und kein Verlag es haben wollte.

Wird es denn einen Nachfolger um die mitreißende Geschichte um Marc und Rebecca geben?
Ich habe schon an einem Nachfolger gearbeitet, bin aber selber nicht glücklich damit. Und eigentlich, so meine ich, ist die Geschichte an sich auch erzählt. Ich bin keine Freundin von Fortsetzungen, weder bei Büchern noch bei Filmen. Da ich gerne amerikanische TV-Serien sehe mag ich da mal eine Analogie ziehen – ganz oft sehe ich eine Serie, deren erste Staffel mich total umhaut und die ich absolut großartig finde. Ab der zweiten Staffel wird es dann aber meistens nervig, weil die Grundstory eigentlich mit einer Staffel erzählt wäre. Ich glaube, ich schreib lieber was neues – ich habe noch ganz viele Geschichten im Kopf :)
Ich glaube an meisten interessiert es die Leser natürlich wie viel Susan Jones sich in Deinem Roman wieder findet!
Ja, das hat sich natürlich auch meine Familie gefragt… allerdings steckt nicht wirklich so viel von mir persönlich in dem Buch. Ich bin ganz anders als Rebecca, und ein Mann wie Marc würde mich nie derart aus der Bahn werfen können. Naja, wenn überhaupt steckt am meisten von mir in Marc *lach* vielleicht wäre ich so wie er, wenn ich ein Mann wäre… wer weiß?

Viele Autoren versuchen nicht einfach nur zu schreiben. Gerade Frauen in der erotischen Literatur versuchen oftmals eine Botschaft zu transportieren, ähnlich wie man es von den sogenannten Frauenpornos kennt. Siehst Du Dich auch in dieser Rolle?
Ich finde, erotische Literatur soll in erster Linie unterhalten. Wichtige Botschaften überlasse ich gern den „echten“ Literaten und vor allem anderen Genres. Ich habe aber trotzdem versucht, im Roman die Rolle der modernen Frau kritisch zu beleuchten. Denn neben den erotischen Aktivitäten von Rebecca geht es in ihrem Leben ja vor allem um den Zwiespalt zwischen Familie, Liebe und Karriere. Beides scheint für sie nicht miteinander vereinbar zu sein, und so entscheidet sie sich ausschließlich für ihren Beruf. Dass Rebecca dann ausgerechnet auf einen Mann hereinfällt, der sie nur durch Sex sozusagen „de-emanzipiert“ und damit genau in die Rolle drängt, vor der sie sich eigentlich fürchtet, auch ohne Haushalt und Kind, ist natürlich tragisch. Aber in der Tat erleben ja viele gut ausgebildete, junge Frauen heute diese Misere, dass sie sich nicht für eine Familie entscheiden wollen aus Angst, sich damit gleichzeitig eine berufliche Karriere zu verbauen. Das ist traurig und dauert sicherlich noch viele Jahre, bis diese gesellschaftliche Hürde überwunden ist und Frauen endlich beides im Leben genießen können. Bis dahin müssen wir uns eben im Spagat üben :)
Wo siehst Du Dich und Deine Werke in den kommenden Jahren? Gibt es weitere Projekte auf die wir uns freuen können?
Da ich das Schreiben ja neben Beruf, Studium und Kind/Haushalt/Mann nur als Hobby betreibe, ist es fein, dass Du von kommenden „Jahren“ sprichst :)
Ich schreibe aber natürlich weiter, und würde mich selbstredend freuen, wenn das ein oder andere Werk auch seine Öffentlichkeit erleben dürfte. Zur Zeit arbeite ich an einem fröhlichen Erotikroman über eine junge, etwas naive Frau, die Schriftstellerin werden will und sich bei ihrer Arbeit von Kunden zu erotischen Geschichten inspirieren lässt – mal sehen, wie gut ich mit der deutlich fröhlicheren Grundstimmung auf Dauer umgehen kann und ob der für das Buch eingeplante Zeitraum nach Weihnachten ausreicht…

Und ganz zum Schluss möchte ich gerne noch einen Einblick in Deinen Tagesablauf bekommen? Wie sieht ein typischer Susan Jones Tag aus?
Wie der Tag der meisten anderen Menschen wahrscheinlich auch – ich stehe früh auf, um meine kleine Tochter schulfertig zu machen. Dann arbeite ich bis mittags, hole das Kind aus der Schule ab oder bin an einigen Tagen der Woche im Geschäft, um dort weiterzuarbeiten. Zum Schreiben komme ich nur abends, und da ich eine absolute Nachteule bin und erst ab 23 Uhr zu Höchstform auflaufe, hindert mich das frühe Aufstehen meistens daran, diesem Trieb wirklich nachzugeben. Darum sind für das Schreiben dann feste Zeiträume, zum Beispiel in den Schulferien, reserviert. Meine Tochter freut sich, einige Tage mit den Omas oder ihrer Tante verbringen zu können, und die Mama freut sich über einige Tage „Lotterleben“ – bis morgens früh schreiben, nur Unsinn wie Schokolade und Fast Food essen, an nichts anderes denken als an die fiktive Welt, in die ich mich dann begebe, das Telefon klingeln lassen … das sind meine absoluten Lieblingstage im Jahr, erholsamer als jeder Urlaub in der Ferne.
Vielen Dank für das wunderbare Gespräch mit Dir!
Ich danke Dir, liebe Florentine, für die spannenden Fragen und für Dein Interesse!

Kommentar schreiben Beitrag melden Diesen Artikel drucken Auf Facebook teilen Original-Artikel zeigen
Zurück zur Startseite von

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren :

Kommentar schreiben