Strom im Wohnmobil – wir sind Autark

Bei unserer Restauration blieb es natürlich nicht aus, sich in Punkto Strom im Wohnmobil ein paar Gedanken zu machen. Ich möchte zum einen unsere verbaute Technik vorstellen und zum anderen ein paar Tipps zum Selbstbau und den Vorschriften geben.

Selbstbau – Safety First

Für den Umgang mit Strom im Wohnmobil gelten besondere Einbauvorschriften. Geregelt wird das ganze in der sog. DIN VDE 0100-721 Datenblatt und wird dort genau beschrieben. Es geht hier um die Einhaltung von Richtlinien, welche die Betriebssicherheit der Stromanlage gewährleisten. Wer sich schon einmal angesehen hat, was ein Kabelbrand in einem Fahrzeug anrichten kann, wird bestimmt daran interessiert sein diese Regeln zu befolgen. Es geht auch um die Sicherheit von Leib und Leben und davon haben wir nunmal nur eines.

Und trotzdem gilt, bitte nur selbst Hand anlegen, wenn man weiß was man tut!!!

Kabelquerschnitte und Absicherung für 12 Volt

Bevor man die ersten Kabel verlegt, sollte man sich über den Kabelquerschnitt Gedanken machen. Welchen Verbraucher möchte ich am Kabel anschließen und wieviel Leistung verbraucht er. Wie weit ist der Verbraucher von meiner Spannungsquelle entfernt?

Ein Beispiel: Unser Kühlschrank verbraucht ca. 8 Ampere bei 12 Volt (ca. 100W). Wenn wir uns jetzt folgende Tabelle ansehen, können wir ablesen, welcher Kabelquerschnitt für unser Vorhaben in Frage kommen würde, um den Verbraucher sicherheitskonform betreiben zu können.

Strom im Wohnmobil, Absicherung

Aber Achtung, das ist nur die halbe Wahrheit. Als weiterer Faktor kommt noch die Länge des Kabels hinzu. Je mehr Meter wir zum Verbraucher haben, umso größer muss das Kabel dimensioniert werden. Geschuldet ist das dem Spannungsabfall, der mit der Länge des Kabels zunimmt. Ich halte mich bei meinen Berechnungen an einen maximalen Spannungsabfall von 0,5 Volt und fahre damit gut. Bei einem Spannungsabfall größer als 0,5 V kann es passieren, dass manche Geräte nicht mehr funktionieren. Bei Ladeleitungen für die Batterie peile ich einen maximalen Spannungsabfall von 0,25V an.

Es dürfen nur flexible Kabel (Litzen) verwendet werden. Starre Kabel sind nicht zulässig. Durch die Vibrationen beim Fahren können starre Kabel brechen und Kurzschlüsse verursachen

In dieser PDF-Datei habe ich die empfohlenen Kabelquerschnitt nach der Kabellänge und der möglichen Stromstärke aufgelistet. Versucht die Verbindungsleitung so kurz wie möglich zu halten.

Kabelquerschnitt, Verlegung und Absicherung für 230 Volt

Strom im Wohnmobil, FI

Für die 230V Verkabelungen müssen mindestens 1,5 qmm Kabel, mit gelbem Schutzleiter verwendet werden. Es sind ebenfalls nur flexible Leitungen (Litzen) zulässig. Bei unserer Installation kamen nur Kabel mit der Bezeichnung H07 RN-F zum Einsatz. Diese sind für Feuchträume und dem Einsatz unter Freiem Himmel geeignet. Damit ist man beim 230 Volt Strom im Wohnmobil auf der sicheren Seite. Ein FI-Schutzschalter ist obligatorisch und sollte jeweils für den Landstromanschluß und für den Spannungswandler installiert werden. Wir haben uns für diesen FI/LS-Schutzschalter* entschieden, weil er auch eine Sicherung mit integriert hat.

Die 230 Volt Leitungen dürfen nicht zusammen mit den 12 Volt Leitungen in einen Kabelkanal gelegt werden!

Für die Zuleitung des Landstroms sind nur Gummischlauchleitungen mit H07 RN-F zulässig. Zusätzlich ist ein Mindestquerschnitt von 2,5 qmm Vorschrift.

Kabelverbindungen

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten Kabel zu verbinden. Lüsterklemmen haben in meinen Augen in einem Fahrzeug nichts verloren. Die Verschraubungen können sich durch die Vibrationen lösen und Kurzschlüsse verursachen. Wer sie dennoch verwenden möchte, muss zwingend Aderendhülsen verwenden, um einen vernünftigen Kontakt herzustellen. Die Litzenenden mit Lötzinn zu bearbeiten ist auch ein absolutes No Go. Ebenso das Verlöten von Kabelverbindungen an sich. Hier gibt es wieder das Problem mit den Vibrationen bei der Fahrt. Kabelbrüche können zu Kurzschlüssen führen.

Krimpzangen und Quetschhülsen sind auch eine Möglichkeit Verbindungen sicher herzustellen. Allerdings sollte man sich etwas vernünftiges kaufen und nicht die 08/15 Zangen aus dem Baumarkt. Damit ärgert man sich nur.

Strom im Wohnmobil, Wago 222

Wir haben uns für Wago Klemmen 222* entschieden. Sie sind geeignet, um Litzen in verschiedenen Querschnitten mit Hilfe eines Klemmmechanismus zu verbinden. Es müssen keine Aderendhülsen verwendet werden. Bei Bedarf können die Kabel wieder voneinander getrennt werden. Ich arbeite mit nichts anderem mehr. Wir haben dennoch Aderendhülsen verwendet. Beim Nutzen der Klemmen vereinfacht das die Arbeit noch zusätzlich und es besteht nicht die Gefahr das doch ein Drähtchen am Ende aus der Klemme ragt.

Strom im Wohnmobil, Wago 222

Ich möchte noch einmal betonen, nehmt das Arbeiten mit Strom im Wohnmobil nicht auf die leichte Schulter, sondern haltet euch an die Richtlinien. Wenn ihr unsicher seid, wendet euch an eine Fachwerkstatt.

Unsere Stromversorgung

Aber nun etwas mehr zu unserer Technik die wir verbaut haben. Unser Ziel besteht darin möglichst lange ohne externe Stromquelle, wie z.B auf einem Campingplatz, stehen zu können. Dabei ist es wichtig seinen Stromverbrauch realistisch zu berechnen und seine Elektrik entsprechend zu planen.  Beschönigungen helfen hierbei nicht wirklich und am Schluss geht der Saft früher aus als geplant. Wobei eine 100 prozentige Autarkie, zumindest in den Wintermonaten  der nördlichen Hemisphäre nur sehr schwer zu realisieren ist. Auf der Seite von Reisemobilist findet man sehr gute Beschreibungen zur Berechnung des Stromverbrauchs und zur Dimensionierung seiner Solaranlage.

Solaranlage

Elektrik, Wohnmobil, Strom, Solaranlage, autark, Batterie, Spannungswandler

Wir haben uns für drei 100WP Solarmodule entschieden. Die Batterieladung des Solarstroms erfolgt über einen MPPT-Solarladeregler von Votronic*. Bei einem durchschnittlichem Stromverbrauch von 20 – 35 Ah pro Tag, sind wir im Sommer komplett autark (Sonnenschein vorausgesetzt). In den Wintermonaten halten wir uns vornehmlich im Süden auf. So sind wir in Spanien, Portugal und Marokko ebenfalls Autark, auch wenn die Tage kürzer werden.

Batterie und Batteriemonitor

Ein Thema, das beim Strom im Wohnmobil nicht fehlen darf, ist die Batterie. Nass-Batterie, Gel, AGM oder vielleicht sogar eine LiFePo4 Batterie. Jeder Typ hat seine Vor- und Nachteile. Wir haben uns für eine 240Ah AGM der Marke „Exide“* entschieden, die uns für unseren Einsatz am sinnigsten erscheint. Das Internet und einige Foren haben über das Thema Batteriewahl reichlich Diskussionsstoff zu bieten. Die LiFePo4 Batterien erschienen mir trotz ihrer gewaltigen Vorteile einfach noch zu teuer.

Elektrik, Wohnmobil, Strom, Solaranlage, autark, Batterie, SpannungswandlerUm über den aktuellen Verbrauch auf dem Laufenden zu bleiben, verwenden wir einen Batteriemonitor von Victron Energy*. Er zeigt den aktuellen Ladezustand an und misst alle Ströme, die der Batterie entnommen und zugeführt werden.

Batterie zu Batterie Ladegerät

Um die Aufbaubatterien auch während der Fahrt voll laden zu können verwenden wir  einen B2B Ladebooster. Nachdem unser „Fanti“ über ein 24V Netz verfügt und der Aufbau mit einer 12V Anlage realisiert wurde, muss die Ladespannung von 24v auf 12V transformiert werden. Außerdem schafft unsere Lichtmaschine, Bauart bedingt, keine Vollladung der Batterie. Dafür ist eine entsprechende Ladekennlinie nötig, die der Ladebooster bereitstellt. Unter anderem trennt der Booster auch die Startbatterien von den Aufbaubatterien, wenn die Lichtmaschine keinen Strom mehr liefert. Die Trennung ist nötig, um eine Entladung der Starterbatterie durch die Aufbaubatterie zu verhindern.

Wenn es nur um die Trennung der beiden Batterien geht, genügt auch ein sogenanntes Trennrelais*. In unserem Mercedes 911 ist aber noch eine Gleichstromlichtmaschine mit wenig Leistung verbaut. So durfte unser Fahrzeug seine alte Lichtmaschine behalten und wir bekommen auch während der Fahrt genügend Ladung in unsere Aufbaubatterie.

Spannungswandler

Natürlich haben wir auch eine 220V Stromanlage integriert. Realisiert wird das Ganze durch einen Spannungswandler, der aus 12V 220V reinen Sinus und dauerhaft 1000W liefern kann. Das sollte auf jeden Fall reichen, um eine Flex zu betreiben, den Akkuschrauber zu laden, oder die Elektrische Zahnbürste nutzen zu können.  Dazu wurden Fahrzeug mehrere 220V Steckdosen montiert.

Landstrom

Wenn wir doch einmal in den Genuss von Landstrom kommen habe ich noch ein Batterieladegerät* verbaut, welches die Batterie ebenfalls frisch hält. Die Elektrik wurde so angepasst, dass bei Einspeisung von Landstrom der Kühlschrank mit 230V betrieben wird und ein Ladegerät anspringt, welches die Batterien lädt. Zeitgleich wird der Spannungswandler durch eine Vorrangschaltung* von den 230V Steckdosen getrennt und der Landstrom in des Bordnetz eingespeist.

Es werde Licht

Im ganzen Fahrzeug befinden sich LED Leuchtmittel, die den Stromverbrauch niedrig halten. Es sind insgesamt 12 Lampen verbaut, die bei 12V  je 1 Watt Leistung aufnehmen. Die Steuerung des Lichts erfolgt über eine Wechselschaltung mit 3 Schaltern. Einer am Einstieg, einer am Durchgang und einer am Bett.

Strom im Wohnmobil, LED

Sparsam sein..

Trotz all dieser Technik muss man mit dem Strom im Wohnmobil sparsam umgehen. Akkus für Handy, Laptop und Rasierer am besten tagsüber laden, wenn genügend Solarleistung zur Verfügung steht. Ladegeräte sollten vom Netz genommen werden, wenn sie nicht benötigt werden. Gegebenenfalls kann man auch den Spannungswandler ausschalten, wenn gerade keine 220V benötigt werden. Noch besser ist es, 12V Ladegeräte zu benutzen, da der Sinuskonverter selbst auch Leistung schluckt.

Wie handhabst du es mit dem Strom im Wohnmobil? Mit welcher Batterie kommst du gut zurecht? Wir freuen uns über deinen Kommentar.


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