Starke Bilder in THE BIRTH OF A NATION sind kein Ersatz für fehlende Emotionen

Der Titel The Birth of a Nation kommt anscheinend niemals ohne Skandal daher, so auch nicht bei Regisseur und Darsteller Nate Parker.


The Birth of a Nation

Starke Bilder in THE BIRTH OF A NATION sind kein Ersatz für fehlende Emotionen

The Birth of a Nation

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Armie Hammer (rechts) und Nate Parker (links) in „The Birth of a Nation“

Eigentlich wollte Nate Parker mit seinem Regiedebüt etwas Gutes tun. Dadurch dass er seinen Film The Birth of a Nation nannte, wollte er diesem Titel eine neue Bedeutung zukommen lassen. Denn in der Filmhistorie wird unter The Birth of a Nation der durchaus erfolgreiche 1915er D. W. Griffith Film verstanden, in dem weiße Schauspieler mit schwarz angemalten Gesichtern dumme und sexuell aggressive Afroamerikaner spielen. Derweil wird der Ku Klux Klan als heldenhafte Gruppierung charakterisiert. Kein Wunder, dass dieser Titel gewählt worden ist, um etwas so menschenverachtendes zu überspielen.

Ausgerechnet während Nate Parkers Film in den USA Lob einheimste, kamen allerdings alte Geschichten um den Regisseur und seinen Mit-Drehbuchautor Jean McGianni Celestin auf. Die beiden wurden 1999 während ihrer College-Zeit der Vergewaltigung angeklagt. Das Opfer begann 2012 Selbstmord, Celestin wurde schuldig gesprochen, Parker wurde entlastet. Dennoch keine schöne Geschichte, die da auf einmal um den neuen The Birth of a Nation kreiste.

Während große Debatten um die Trennung von Kunstwerk und Künstler von statten gingen, spielt sich Regisseur Nate Parker höchstpersönlich als Nat Turner durch seine Handlung, die von einem belesenen Sklaven und Prediger erzählt, der in der Vorkriegszeit von 1831 im Süden des Landes einen Aufstand anzettelt um für die Rechte der Sklaven einzutreten. Natürlich basierend auf einer wahren Geschichte.

Es kommen dabei sofort Gedanken an 12 Years a Slave und Django Unchained auf, aber The Birth of a Nation kann vor allem mit seinen wunderschönen und starken Bildern einen ganz eigenen Charakter aufzeigen.

Kameramann Elliot Davis hat eine ganzen Palette von fantastisch ausgestatteten Bildern gefilmt. Wenn wir von ihm auf eine Wiese vor einer gigantischen Villa geführt werden, fühlt es sich wirklich so an als würden wir dort sitzen und den Wind um uns herum spüren. Ganz gleich ob wir uns in einer harmonisch-schönen Umgebung oder einer bedrückend-hoffnungslosen Situation wiederfinden, immer staunen wir nur zu gerne über die Bilder und fühlen uns zugleich mittendrin.

Aber nicht nur die Atmosphäre wird eingefangen, sondern auch die beiläufige Grausamkeit der Sklaverei. Da spielen auf einmal zwei kleine Mädchen auf der Veranda. Das weiße Mädchen rennt voran, hüpft freudig vor ihrer Freundin her, die ihr in Sachen Spaß in nichts nachsteht. Der einzige Unterschied. Sie muss mit einem Strick um den Hals an einem Seil hinter ihrer Freundin her hüpfen. Sie spielen Besitzerin und Sklavin.

Nate Parker gibt sich selbst gut als Hauptdarsteller, steht aber in jeder Szene mit Armie Hammer hinten an. Hammer etabliert sich langsam aber sicher zu einem schauspielerischen Geheimtipp. Auf der 2017er Berlinale war er sowohl in Call Me By Your Name (noch ohne Starttermin) als auch in Final Portrait (startet am 20. Juli) zu sehen, in den deutschen Kinos spielt er derzeit in dem fabelhaften Free Fire und nun auch in The Birth of a Nation. Hier darf er als Freund und Sklavenhalter von Nat Turner zeigen, wie facettenreich sein Spiel zur Wirkung kommt.

So stark Nate Parker das Bild der Sklaverei hier zeichnet und all die dahinter stehende Brutalität zum Vorschein bringt, so arg leidet der Film aber durch die unertragbar-religiösen Predigten, die er dem filmischen Nat Turner in regelmäßigen Abständen abverlangt.

Dennoch gelingt es Parker einen Überlänge-Film zu zeigen, der nicht wie zuletzt Martin Scorseses Silence an eben genau dem – seiner Länge – scheitert. Es wäre allerdings unfair den Regie-Debütanten mit Scorsese zu vergleichen, denn bei Parker wird spürbar deutlich, dass er zwar ein guter Filmemacher ist, er sich aber bislang noch zu sehr an der Schönheit seiner Bilder festhält, während die emotionale Ansprache an uns Zuschauer eher klein gehalten ist.


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Foto: Ranunkeln