Schlaftraining – Mama, tu‘ uns das nicht an!

Schlaftraining – Mama, tu‘ uns das nicht an!

„Jedes Kind kann schlafen lernen" ist der Bestseller unter Deutschlands Schlaftrainings, es verkaufte sich über eine Million Mal. Das Schlaf-Lern-Programm: man lässt sein Baby oder Kleinkind „kontrolliert" für eine bestimmte Zeit schreien, bis es irgendwann einschläft. Zum Trösten darf man nur nach bestimmten Zeitabschnitten zum Kind und es dann nicht hochheben.

1. Schlaftrainings spalten die Elternschaft

Befürworter sagen, dass so nicht nur Eltern zu ihren notwenigen Schlaf kommen, sondern auch die Kinder später weniger Schlafprobleme haben. Wer früh das Ein- und Durchschlafen lernt, dem kommt das später zugute. Zudem sollen Eltern, die das Schlaftraining erfolgreich durchgeführt haben, entspannter sein und seltener an Depressionen leiden, da sie nun selber besser und mehr schlafen.

Kritiker warnen hingegen, dass man so das Urvertrauen der Kinder nachhaltig schädigen kann und die Beziehung schwächt. Argumentiert wird hier vor alle damit, dass Schreien für das Kind eine Stress-Situation ist. Und in Stress-Situationen wird im Körper Cortisol ausgeschüttet, ein Stoff, der langfristig negative Folgen haben kann. Zudem lerne das Kind nicht wirklich selbstständig einzuschlafen, sondern würde lediglich irgendwann resignieren und aufgeben.

2. Was sagt die Wissenschaft?

Um in Erfahrung zu bringen, welche Auswirkungen Schlaftrainings haben, müsste man theoretisch Experimente mit Eltern und Kindern durchführen. Dabei müsste man zufällig festlegen, welches Kind ein Schlaftraining macht und welches nicht. Gleichzeitig müsste man versuchen möglichst viele andere Variablen (Dinge, die sich ebenfalls auf das Schlafverhalten auswirken könnten und die nichts mit dem Schlaftraining zutun haben) kontrollieren. Denn man möchte ja nur den Einfluss des Schlaftrainings herausbekommen und nicht, ob es einen Unterschied macht, in welchem Bett Kinder schlafen.

In der Realität ist das natürlich unmöglich. Zum einen wird man immer Einflüsse haben, die man nicht kontrollieren kann (der Punkt an sich wäre allerdings nicht so schlimm, da man so etwas tatsächlich statistisch berücksichtigen und herausrechnen kann). Zum anderen werden sich jedoch kaum Eltern finden, die sich zufällig einer Gruppe zuteilen lassen (Schlaftraining oder kein Schlaftraining) und dann unter Umständen ein Programm durchführen, das sie ganz schrecklich finden.

Methodisch einwandfreie Studien zu diesem Thema gibt es also nicht.

2.1 Ergebnis und Kritik einer neuen Studie

Hohe Wellen hat nun jedoch eine Studie geschlagen, die auf Umwegen versucht die Langzeit-Wirkung von Schlaftrainings zu belegen. An 225 Kindern wurde dabei untersucht, wie sich ein Schlaftraining kurz- und langfristig auf die Gesundheit sowohl der Kinder, als auch der Eltern auswirkt. Fazit:

Behavioral sleep techniques have no marked long-lastingeffects (positive or negative).

Übersetzt: Schlaftrainings haben keinen Langzeit-Effekt (weder positiv noch negativ).

Nach etwa fünf Jahren gab es zwischen den Kindern, die ein Schlaftraining gemacht haben und denen, die keines hatten KEINEN Unterschied.

Das allein ist für mich schon Grund genug von solchen Trainings abzusehen. Befürworter für Trainings heben dann gerne hervor, dass die Studie aber wohl einen kurzfristigen Effekt gefunden hat: Eltern, die mit ihren Kindern ein Schlaftraining durchgeführt haben, haben kurze Zeit später weniger Stress, leiden seltener an Depressionen, sie und ihre Kinder schlafen besser.

Wenn man sich nun besagte Studie jedoch näher anschaut, dann fragt man sich schnell, ob diese Ergebnisse tatsächlich so hingenommen werden können. Das Problem: Die Studie hat zwar zwei Gruppen (eine Kontrollgruppe ohne Schlaftraining und eine Interventions-Gruppe mit Schlaftraining) aber im Grunde weiß man nicht, was die Eltern Zuhause mit ihren Kindern machen. Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen: Die Interventions-Gruppe spricht mit einer ausgebildeten Fachkraft über den Schlaf ihres Kindes und es werden zwei Schlaftrainings vorgestellt („controlled comforting" und „camping out"), ob und welche dieser Methoden die Eltern Zuhause letztendlich durchführen wird im weiteren Verlauf jedoch nicht erfragt. Es ist also möglich, dass die Eltern gar nichts ändern und allein die Informationen, die sie im Gespräch erhalten, dafür sorgen, dass sie einen Weg finden besser mit der Situation umzugehen.

Beim „controlled comforting" dürfen Eltern nur in bestimmten Zeitabständen nach ihrem Baby sehen, die mit der Zeit immer größer werden (entspricht der Methode aus dem Buch Jedes Kind kann schlafen lernen). Beim „camping out" bleiben die Eltern beim Kind, das dabei aber möglichst ohne Hilfe des Erwachsenen einschlafen soll. Im Verlauf zieht sich das Elternteil immer weiter zurück. Die beiden Methoden unterscheiden sich somit sehr, da das Kind beim „camping out" nicht allein gelassen wird.

2.2 Was sagt uns das?

Letztendlich zeigt uns diese Studie vor allem eins: nach ein paar Jahren geht es allen Eltern gleich gut (oder schlecht). Auch Schlafprobleme unserer Kinder gehen vorüber. Das ist sicherlich kein großer Trost, wenn man in einer Phase steckt, in der das Kind partout nicht schlafen will und man somit selber unter Schlafmangel leidet. Und Schlafmangel sollte man nicht unterschätzen. Darum ist es gut und richtig, dass betroffene Eltern nach Möglichkeiten suchen, ihr Kind zum Schlafen zu bringen, die Frage ist nur, ob Schlaftrainings das Mittel der Wahl sein sollten.

3. Alternativen zum Schlaftraining

Wer kein Schlaftraining nutzen will, der muss zum Glück trotzdem nicht tatenlos zusehen. Es gibt noch eine Vielzahl an Methoden Babies und Kleinkindern in den Schlaf zu verhelfen, die man ausprobieren kann. Wichtig ist dabei immer, dass man sich bewusst macht, das kein Kind wie das andere ist. Und was bei dem einen Kind wunderbar klappt, ist für ein anderes völlig ungeeignet. Darum sollten Eltern schauen, was ihr Baby braucht, was ihm (und den Eltern) gut tut und womit sie sich gut fühlen, ganz egal, was andere davon halten mögen.

3.1 Einschlafstillen

Das Einschlafstillen ist teilweise recht verpönt, da Kritiker eine Gewöhnung des Kindes befürchten, das später dann ohne Mamas Busen nicht mehr einschlafen kann. Dies kann natürlich passieren, manche Kinder gewöhnen es sich aber auch einfach so irgendwann ab. Sollte es tatsächlich irgendwann zum Problem werden, gibt es Methoden wie zum Beispiel das sanfte Ablösen um das Kind langsam umzugewöhnen.

Der Vorteil dieser Methode ist, dass sie einfach bei vielen Kindern zuverlässig funktioniert. Beim Stillen fühlt sich das Kind besonders geborgen und zudem enthält Muttermilch am Abend und nachts besonders viel Tryptophan, eine Aminosäure, die in Serotonin umgebaut wird, woraus wiederum Melantonin produziert wird. Serotonin ist ein „Glückshormon", das zufrieden und ruhig macht, Stress, Ängste und Kummer reduziert und eine Schlaffördernde Wirkung hat. Melatonin ist das Schlafhormon schlechthin und wird vom Baby selber noch nicht ausreichend produziert. Beide Hormone regeln den Tag-Nacht-Rythmus.

3.2 Das Familienbett

Hand in Hand mit dem Einschlafstillen geht in vielen Fällen das Familienbett. Hier schlafen alle Familienmitglieder (oder ein Teil der Familie) in einem Bett. Das Baby fühlt sich dadurch geborgen und sicher, das Einschlafen und weiterschlafen wird ihm erleichtert. Für stillende Mamas hat das Familienbett zudem den Vorteil, dass sie nicht aufstehen muss und nach dem Stillen oftmals schneller wieder einschläft. Auch für das Kind ist dies praktisch, da es nicht erst aus seinem Bett gehoben werden muss, sondern die ganze Zeit liegen bleibt.

Kritiker warnen oftmals vor dem Familienbett, da dies das Risiko für den plötzlichen Kindstod erhöhe. Mittlerweile gibt es jedoch neue Studien, die zeigen, dass „breastsleeping" (wenn also eine stillende Mama mit ihrem Kind in einem Bett schläft) sehr sicher ist.

3.3 Federwiegen und andere Hilfsmittel

Kinder, denen es vor allem am Tag schwer fällt einzuschlafen, kann eine Federwiege dabei helfen. Solche wiegen schaukeln nicht wie Hängematten von links nach rechts, sondern wippen langsam und stetig auf und ab. Diese Bewegung erinnert das Baby an die Bewegungen, die es noch aus dem Mutterleib kennt und wirken sehr beruhigend und einschläfernd.

Schlaftraining – Mama, tu‘ uns das nicht an!

Vor allem sehr jungen Babys mit Einschlafproblemen kann das Pucken helfen. Hierbei wird das Kind mit einem Tuch stramm eingewickelt, sodass es Arme nicht mehr und Beine nur noch sehr wenig bewegen kann. Die Enge, die wir Erwachsenen vielleicht als beklemmend empfinden würden, erinnert das Baby (ähnlich wie die Federwiege) an das Gefühl in der Gebärmutter, wo der Platz zum Ende hin ebenfalls sehr begrenzt war. Außerdem neigen manche Babys dazu viel mit Armen und Beinen zu strampeln und wecken sich dadurch selber wieder auf oder verhindern so ein Einschlafen.

Weitere tolle Alternativen zu Schlaftrainings bieten Bücher wie „Schlaf gut, Baby" von Nora Imlau udn Herbert Renz-Polster oder auch „Ich will bei euch schlafen" von Sibylle Lüpold.

Schlaftraining – Mama, tu‘ uns das nicht an!

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4. Abschließend

Abschließen möchte ich mit einem Zitat von Herbert Renz-Polster zum Thema Schlaftraining ja oder nein: „...es geht bei diesen Fragen im Grunde nicht um irgendwelche Experimente oder sonstige Studien, es geht um die Gestaltung von Beziehungen.[...] Wie gesagt, wie wir miteinander leben wollen, das wollen und dürfen wir selbst entscheiden."


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