
Über die Verbindung von tiefer Christusliebe und hohem Intellekt konnte ich vor kurzem hier berichten. Auch heute hat uns P. Dominicus reich beschenkt, zum einen mit seiner Art, die heilige Messe zu feiern, und schließlich mit seinen Worten zum „Salz der Erde“.
Wir erinnern uns an die Voraussetzung für ein Leben, das sich an die „Gebote der Seligpreisungen“ heranwagen will. Solange der Mensch den Begründungen und Anhänglichkeiten dieser „realen“ Welt erliegt, ist jedes Nachdenken (geschweige denn Handeln) im Sinne der Seligpreisungen sinnlos. Entweder man scheitert am hohen Anspruch dieser Ethik, oder die Kapitulation ergibt sich aus der Ohnmacht der Tugenden Armut, Sanftmut, Friedfertigkeit und Reinheit.
Wer also nicht von der radikalen Zeitenwende ausgehen kann oder will, die durch den neuen und ewigen Bund mit Gott geschehen ist, muss scheitern. Allein Liebe und Hoffnung, die im Tod und der Auferstehung Jesu Christi liegen, machen jenes Kraftfeld zugänglich, das uns den übermenschlichen Mut geben kann, gleichsam den Übermut, uns an die Aufgaben der Seligpreisungen heranzuwagen.
Das Salz der Erde
In der jüdischen Tradition ist die Bedeutung von Salz substantiell und umfassend, heißt es doch im AT: Jedes Speiseopfer sollst du salzen und deinem Speiseopfer sollst du das Salz des Bundes deines Gottes nicht fehlen lassen; jede deiner Opfergaben sollst du mit Salz darbringen ( 3.Mose 2,13). Das Salz wird mit seinen konservierenden Eigenschaften angesprochen und entscheidender noch, mit Gott in Beziehung gesetzt.
Alle Abgaben von den heiligen Opfern, die die Israeliten dem Herrn entrichten, habe ich dir und deinen Söhnen und Töchtern, die bei dir sind, als dauerndes Anrecht gegeben. Das soll für dich und auch für deine Nachkommen als ein ewiger «Salzbund» vor dem Herrn gelten (4.Mose 18,19).
Wer aber einen Bund eingeht, der kommt an einer Tugend nicht vorbei: Treue. Damit ist der Schlüssel zum Verständnis des Salzes der Erde gefunden: Gefordert ist weniger ein „gesalzener Kampf“ für die Sache Christi, sondern in erster Linie die Treue zu Gott. So will uns die wunderbare Bergpredigt in erster Linie dafür gewinnen, die Treue Gottes, die sich im Liebesgeschenk des Sohnes als neuer Bund offenbart hat, zu erwidern.
Auch ein Blick ins Lexikon der Symbole hätte uns auf eine gute Spur gebracht, denn die folgenden Bedeutungen von „Salz“ sind für unsere Beziehung zu Gott und den Menschen durchaus hilfreich: Beständigkeit, Freundschaft, sittliche Unversehrtheit, Treue, Unsterblichkeit, Unzerstörbarkeit, Weisheit.
Das Licht der Welt
Ihr seid das Licht der Welt… So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (Mt 5,14.16). Die nächste Herausforderung wartet auf uns; sollen wir auf eine Weise handeln und beten, dass es alle Welt sieht, oder gilt das Wort von der schlichten Barmherzigkeit und dem Beten im stillen Kämmerlein?
Aber es gibt keinen Widerspruch, denn mit dem Licht und „der Stadt, die auf einem Berg liegt“ (Mt 5,14) ist die Kirche angesprochen: Ihr Licht soll vor den Menschen leuchten, damit sie ihre guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen (Mt 5,16).
Ist es nicht genau das, was wir uns heute wieder herbeisehnen? Eine strahlende Kirche, Gemeinden voller Hoffnung und Freude, die das Licht Jesu zum Leuchten bringen? Ich empfinde Unwohlsein beim Schreiben dieser Zeilen, denn wie weit sind wir Christen samt unseren Bischöfen und Pfarrern davon entfernt, so richtig zu strahlen und zu leuchten!
Und doch gibt es sie, die Gemeinden und Priester, die in mir und vielen anderen ein Licht entzünden. So sage ich: Danke, P. Dominicus!
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