Ressort Literatur
[REZENSION] "No & ich"
Erstellt am 26. November 2011 von BuechersuechtigDie Autorin
Delphine de Vigan wurde 1966 in Paris geboren, wo sie heute noch mit ihren zwei Kindern lebt. Sie arbeitet tagsüber für ein soziologisches Forschungsinstitut und schreibt nachts, wenn alle schlafen, ihre Romane. Ihr dritter Roman, "No & ich", wurde in 11 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet (u. a. 2008 mit dem Prix des Libraires und dem Prix Rotary International). Auch ihr neuester Roman war für den Prix Goncourt nominiert.
Produktinformation
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Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Knaur TB (12. Juli 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426501589
ISBN-13: 978-3426501580
Originaltitel: No et Moi
Größe und/oder Gewicht: 18 x 11,6 x 2 cm
Leseprobe
Quelle: droemer-knaur.de *wunderbarer Lesestoff*
Die Geschichte...
Lou ist 13, hochintelligent und hat die spontane Eingebung, für ein Referat in Wirtschafts- und Sozialkunde über das Leben einer Obdachlosen zu berichten. Da die Pariser Schülerin gerne am Bahnhof die Reisenden beobachtet, trifft sie dort auf No. Die 18-jährige No lebt auf der Straße, muss jeden Tag um einen Schlafplatz und Essen kämpfen und hat etwas an sich, was Lou geradezu magisch anzieht. Lou macht die 18-jährige kurzerhand zu ihrem Schulprojekt, versucht mehr über das obdachlose Mädchen zu erfahren und ihr zu helfen....
Meine Meinung:
"No & ich" wurde mir von lieben Bloggerkolleginnen wärmstens empfohlen, weshalb ich mir den Roman kurzerhand gekauft und auch gleich gelesen habe. Die Geschichte beginnt im Herbst und endet im darauffolgenden Frühsommer, umspannt also ein Schuljahr von Lou. Als Schauplatz hat die Autorin ihren Wohnort Paris gewählt.
Lou Bertignac, lebt in geordneten Verhältnissen, ist hochbegabt und hat bereits 2 Klassen übersprungen, weshalb sie mit 13 Jahren bereits die 10. Klasse eines Pariser Gymnasiums besucht. Allerdings ist sie deshalb auch die Jüngste bzw. Kleinste in der Klasse und eine Außenseiterin. Bis auf ihren Mitschüler Lucas Muller, der die Klasse wiederholt und Lou "Krümel" nennt, bekommt sie von ihren Klassenkameraden kaum Aufmerksamkeit. Denn "Superhirn" Lou, die sich tagelang ganze Gespräche merkt, zu allen möglichen Themen Experimente durchführt und wilde Theorien aufstellt, ist ihnen etwas suspekt. Als sie No(lwenn)s Bekanntschaft macht und die 18-jährige Obdachlose interviewt, versucht Lou No's Leben zu ändern... Die Protagonisten sind interessante, facettenreiche Persönlichkeiten mit liebenswerten Macken, Ecken & Kanten. Vor allem die aufgeweckte Lou ist mir schnell ans Herz gewachsen.
Die Idee, über die Freundschaft eines hochbegabten Mädchens aus gutem Hause und einer obdachlosen jungen Frau zu schreiben, ist nicht alltäglich und gefällt mir sehr gut. Auch die Umsetzung dieser eher außergewöhnlichen Thematik ist Delphine de Vigan hervorragend gelungen. Die sensible Handlung von "No & ich" beinhaltet (neben klitzekleinen Längen) sowohl lustige und humorvolle Passagen, aber auch ernste und traurige Szenen.
Ich-Erzählerin Lou schildert in altkluger Manier, was sie in der Schule bzw. in ihrer Freizeit alles erlebt und wie sie sich dabei fühlt - denn die 13-jährige lässt uns an ihren Gedanken, die sich um alles Mögliche drehen, teilhaben. Sie erzählt uns, warum ihre Mutter nicht mehr am Leben teilnimmt, ihr Vater so traurig ist und warum No eine Chance verdient hat. Allerdings hat mich das Ende nicht ganz zufrieden gestellt.
Obwohl "No & ich" mit einer herrlich emotionalen und fesselnden Schreibweise, angenehm kurzen Kapiteln und unterhaltsamen Dialogen aufwartet, lässt sich der Roman nicht auf die Schnelle lesen. Man sollte sich dafür Zeit nehmen und dieser zauberhaften Geschichte die Zeit schenken, die sie verdient.
FAZIT:"No & ich" erzählt die berührende Geschichte von Lou und No, die mit einer reizvollen Handlung, einer liebenswerten Hauptperson sowie einem emphatischen Schreibstil ausgestattet ist und immer wieder zum Nachdenken anregt. Dieser eindrucksvolle Roman erhält von mir bescheidene 5 (von 5) Punkte.
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