Ressort Literatur

RAE CARSON "DER FEUERSTEIN"

Erstellt am 21. September 2012 von Finiwini
Gebundene Ausgabe: 528 SeitenHerausgeber: Heyne fliegtErscheinungsdatum: 27. August 2012Originaltitel: "The Girl of Fire and Thorns"LeseprobeDieses Buch kaufen?                                                                                                  
Elisa ist eine bedeutende Persönlichkeit in ihrem Land, denn sie ist Gottes Auserwählte, Trägerin des Feuersteins! Elisa könnte stolz und selbstsicher sein, schließlich ist sie dazu bestimmt, eine Heldin zu sein und schon bald wird sich ihr Schicksal sicherlich erfüllen, doch sie kommt dem typischen Bild einer so wichtigen Persönlichkeit nicht im entferntesten nahe. Sie ist dick, weder hübsch noch elegant noch sportlich und schon gar nicht mutig oder selbstbewusst. Nun soll sie auch noch an den König eines Nachbarreichs verheiratet werden, doch der Rolle als Königin fühlt sie sich nicht gewachsen. Als die Menschen an Alejandros Hof herausfinden, dass Elisa die Trägerin des Feuersteins ist, wird sie von vielen Seiten bedroht. Schließlich muss Elisa sich ihrem Schicksal stellen, denn nur wenn sie mutig und entschlossen handelt, so wie es für eine Trägerin vorgesehen ist, kann sie ihr Volk vor dem Untergang bewahren.
"Der Feuerstein" ist mal wieder so ein Buch, welches mich während des Lesens unterhalten konnte, dass mir, wie ich glaube, aber nicht sehr lange im Gedächtnis bleiben wird. Zwar habe ich den Roman innerhalb weniger Tage ausgelesen, die Geschichte konnte mich also sehr wohl fesseln, Charaktere und Handlung an sich waren mir aber einfach zu glatt und seicht, sodass die Geschichte eher an mir vorbeizog und einfach nicht haften blieb.
Den Anfang jedoch fand ich - vorallem im Bezug auf die Protagonistin - wirklich vielversprechend. Schon die Inhaltsangabe verspricht eine Heldin, die ausnahmsweise mal nicht besonders attraktiv ist und der nicht jeder Mann zu Füßen liegt. Schon alleine diesen Aspekt fand ich ziemlich erfrischend. Im Laufe des Romans entwickelt sich Elisa aber zu einer Frau, wie sie in nahezu jedem anderen Jugendbuch auch vorzufinden ist: selbstlos, mutig wie ein Löwe, entschlossen, Entscheidungen zu treffen, die auf wundersame Weise immer die richtigen sind, stark und selbstbewusst und - wer hätte es gedacht - sie nimmt viele Kilos ab und siehe da, auf einmal ist sie doch der Mittelpunkt männlichen Interesses. Wieso kann die Protagonistin eines Jugendromans nicht einfach auch mal fehlerhaft und unperfekt sein? Dieses Mädchen hat so wenig Ecken und Kanten und wurde so glatt geschliffen, dass mich ihr Charakter gegen Ende einfach nur noch genervt hat, so perfekt und wundervoll wurde dieser gezeichnet.Die Nebencharaktere blieben leider sehr oberflächlich, sodass ich keinen wirklich in mein Herz schließen konnte, so nett und sympathisch er auch beschrieben wurde.
Die Handlung des Romans konnte mich da schon mehr überzeugen. Die Autorin baut den Spannungsbogen ziemlich geschickt auf, sodass sich spannende und brutale Ereignisse und ruhige, nachdenklich stimmende Passagen, in denen sich Elisas Schicksal immer mehr vor ihr ausbreitet, abwechseln. Teils fand ich, dass der Roman ziemlich in die Länge gezogen wurde, da Elisas Gedankengänge ziemlich langatmig dargelegt werden, aber der Spannung tat das zumindest für mich keinen Abbruch. Was mir besonders gut gefallen hat war, dass die Autorin nicht davor zurückschreckt, Charaktere sterben zu lassen, die eine zentrale Rolle in der Geschichte spielen. Das machte die Handlung authentisch, denn im Krieg sterben nunmal nicht nur Nebencharaktere. Auch der Schluss konnte mich überzeugen, da er genau die richtige Länge hat und weder zu dramatisch noch zu abgedroschen ist. 
Ebenfalls ziemlich gute gefallen hat mir das eigentlich Thema des Romans, nämlich der Feuerstein. Die Idee, es gäbe einen Gott, der alle vier Generationen einen neuen Menschen auswählt, um ihm eine wichtige Aufgabe zu erteilen, finde ich ziemlich interessant. Dass dieser Mensch dann auch noch einen blauen Stein in seinem Nabel trägt, der den Träger auf Gefahren hinweißt und dessen Gedanken mit wohliger Wärme kommentiert, wenn er sie für richtig empfindet,  ist eine ausgefallene Idee, die mich überzeugen konnte. Die Rolle des Steins wird im Verlauf des Romans auch immer wieder aufgegriffen, sodass er wirklich das zentrale Thema der Geschichte bleibt und nicht etwa eine Liebesgeschichte oder Elisas zweifelhafte Entwicklung.
Ein weiterer Pluspunkt des Romans ist der Schreibstil der Autorin. Sie schreibt sehr anschaulich und bildlich, sodass man sich einzelne Szenen bestens vor Augen führen kann. Außerdem schreibt sie so flüssig, dass mir langatmige Passagen und wenig authentische Charaktere während des Lesens gar nicht so sehr aufgefallen sind. Der Roman ist allerdings im Präsens geschrieben, ob man das nun mag ist Geschmackssache. Auch wenn ich mich damit normalerweise nicht anfreunden kann, hat es mich in diesem Roman aber nicht gestört.
"Der Feuerstein" ist ein Roman, der unheimlich viel Potential gehabt hätte. Die Idee der fehlerhaften Protagonistin dreht sich leider ins komplette Gegenteil um und zeigt den Lesern mal wieder, dass Menschen mit Ecken und Kanten, Fehlern und Schwächen in den meisten Jugendromanen in der Rolle der Helden nichts zu suchen haben. Die Handlung und das eigentliche Thema des Buches fand ich ebenfalls vielversprechend, allerdings wirkt das Ganze zu glatt geschliffen und oberflächlich, um nachhaltig in meinem Gedächtnis zu bleiben. "Der Feuerstein" konnte mich gut unterhalten, die Folgebänder werde ich aber wohl nicht lesen, da der Roman für mich in sich abgeschlossen ist und das Buch mich zu kalt gelassen hat, als dass ich wissen wollte, wie es mit Elisa weitergehen wird.

Vielen lieben Dank an Heyne fliegt für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

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