
Über 30 Millionen Menschen besuchen in Deutschland pro Jahr zoologische Gärten und Einrichtungen. Sie lieben es kleine und große, einheimische und exotische, wilde und gutmütige Tiere aus sicherer Entfernung zu beobachten. Doch ein Zoobesuch kann mehr sein als fröhliche Unterhaltung? Im grünen Dickicht des künstlichen Dschungels lauern neben Panthern und Löwen auch philosophische Weisheiten auf uns. Der Gentleman-Blog zeigt sechs Weisheiten auf, die man im Zoo über das Leben lernen kann.
1. Das Schöne erschließt sich oft nicht auf den ersten Blick
Die meisten Besucher rasen mit einem Affentempo und mit einem gedanklichen Checkliste durch den Tiergarten und haben scheinbar nur ein Ziel: In kürzester Zeit so viele Tiere wie möglich zu sehen. „Elefant: abgehakt, Löwe: abgehakt, Giraffe: abgehakt, Schimpanse: abgehakt, Seelöwe: abgehakt“ scheint diesen Zeitgenossen durch den Kopf zu rattern. Leider offenbaren diese wunderschönen Tiere ihren Zauber den derart rastlosen Besucher nicht. Wer sich dagegen ein paar Minuten Zeit nimmt und sich bewusst auf die Tiere und ihr Verhalten einlässt, wird mit zauberhaften Momenten belohnt: Das kleine Leopardenjunge im linkischen Spiel mit seiner Mutter, der grazile Sprint eines Straußes oder der Schimpanse der schelmisch und neugierig das eigene Verhalten imitiert. Wir erkennen: Qualität geht vor Quantität.
2. Gute Lebensführung braucht Vorbilder
Woher kommt diese oberflächliche und beschleunigte Tierbeobachtung? Liegt sie in den Genen oder ist sie schlichtweg das Produkt unserer Informations-Gesellschaft, in der wir von immer neuen Bilder und Nachrichten überflutet werden? Wahrscheinlich nicht, denn kleine Kinder zeigen instinktiv das richtige Verhalten: Sie können noch mit offenen Augen staunen, sich wundern und Fragen stellen. Eine häufige Reaktion der Erwachsenen auf die kleinen Entdecker: „So, jetzt müssen wir aber weiter, wir wollen ja heute noch alle Tiere sehen!“ Ausdauer ist lernbar, Unruhe leider auch.
3. Gute Erziehung setzt Grenzen
Wo wir gerade bei den lieben Kleinen sind, kommt uns auch sofort ein häufiges Fehlverhalten der vieler jüngerer Zoobesucher in den Sinn: penetrantes Klopfen an den Glasscheiben. In dieser Situation trennt sich bei den Erziehungsberechtigten die Spreu vom Weizen: Verantwortungsbewusste Mamis und Papis fordern ihr Kind freundlich aber bestimmt auf, mit der Klopferei aufzuhören und liefern dem Kind gleich eine verständliche Begründung mit. Laissez-faire-Eltern lassen ihren Nachwachs dagegen, sei es aus ideologischen Gründen oder allgemeiner Lebensüberorderung, fröhlich weitertrommeln. Sie können oder wollen nicht verstehen, das Kinder Grenzen brauchen. Doch damit laufen sie Gefahr, dass die Kinder eine der wichtigsten Tugenden für das Zusammenleben in der Gesellschaft nicht erlernen. Respekt vor Menschen (und Tier).
4. Der kluge Mensch sorgt vor
Kaum ist man ein paar Stunden unterwegs, da meldet sich auch schon der Magen und fordert seinen Tribut. Der Zoobetreiber möchte seinen Gast natürlich nicht verhungern oder verdursten lassen und hat deshalb vorausschauend für das leibliche Wohl gesorgt: Ein Wassereis für 2,50 €, eine kleine Flasche Cola für 3 € oder ein Tellerchen Fritten für 5 € stehen schon bereit. Schnell merkt der Zoobesucher: Wer vorsorgt, ist günstiger satt. Genau so lernt er aber auch: Angebot und Nachfrage regeln den Preis und ein Monopolist diktiert den Preis, nicht nur im Zoo!
5. Den Moment genießen ist besser, als ein Foto zu schießen
Unser täglicher Fotowahn war bereits vor einigen Monaten Thema eines anderen Artikels im Gentleman-Blog. Seine Botschaft gilt nach wie vor: Es ist besser ein schönes Tier ausdauernd und mit seinen eigenen Augen zu betrachten, als schnell ein Foto zu schießen und weiterzuziehen. Digitale Kameras sind wunderbare Geräte, dürfen aber niemals zur Augenprothese verkommen!
6. Unsere Lebenswirklichkeit ändert sich jeden Tag
Auch wenn Sie mehrmals im Jahr den gleichen Zoo besuchen: Jeder Besuch ist völlig anderes. Die Jahreszeiten wechseln, Tierbabys werden geboren, alte Tiere sterben oder ihr persönliches Interesse wechselt. Wer vor beispielsweise eine packende Dokumentation über Wölfe in Kanada im Fernsehen verfolgt hat, wir auch die Wölfe im Zoo mit ganz anderen Augen sehen. Auch mit einem Besucher an der Hand verändert sich das Zoo-Erlebnis radikal: Ein Kleinkind eröffnet ganz neue Perspektiven auf die Tiere, genau so wie ein alter oder behinderter Mensch. Wir erkennen: Unsere Charakter, unsere Persönlichkeit und damit auch unserer Erlebniswelt sind hochdynamisch und einem ständigem Wechsel unterworfen. Jeden Tag werden die Karten neu gemischt.









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