Ressort Literatur

Offener Brief: 400 AutorInnen und IllustratorInnen an Ministerin Schröder

Von Charlousie

Mich erreichte dieser offene Brief, dessen Inhalt ich anlässlich des Welttag des Buches gerne mit euch teilen möchte, da ich diese Aktion – wenn schon nicht mit meiner Unterschrift – gerne durch Verbreitung unterstützen möchte! Schließ auch du dich an!!

Der Deutsche Filmpreis geht dieses Jahr an die US-Produktion „Django Unchained“!

Beim Deutschen Filmpreis wäre diese Meldung ein Skandal – beim Deutschen Jugendliteraturpreis (DJLP) ist sie die Regel. Im Gegensatz zu den staatlichen Literaturpreisen anderer Länder dient der DJLP nämlich nicht vorrangig der Förderung der eigenen Kinder- und Jugendliteratur. Stattdessen konkurrieren deutschsprachige Originalwerke aus dem Vorjahr mit internationalen Titeln (egal welchen Jahres) in der deutschen Übersetzung.

Zur Zeit der Entstehung des Staatspreises 1956 gab es dafür gute Gründe: Die deutschsprachige Literatur war vom Nationalsozialismus ideologisiert, zensiert und indoktriniert. Es war – auch für die Literatur selbst – lebenswichtig, den Blick auf internationale Werke zu lenken. Eine Idee, die viel Gutes bewirkte und die literarische Welt nach Deutschland brachte. Und die heute, nach fast 60 Jahren, dringend überdacht werden muss.

Denn die Welt, auch die der Bücher, hat sich verändert. Wir sind global, international, medial und interaktiv geworden. Es bedarf nicht mehr des DJLP, um darauf hinzuweisen, dass es in den USA oder in Japan interessante Bücher gibt. Heute stehen wir vor neuen Herausforderungen. Unter anderem der, dass es viele gute Bücher in der (inter)nationalen Medienlandschaft schwer haben, gesehen zu werden. Bücher, die im eigenen Land nicht viel gelten, wenn sie nicht viel einbringen und die deshalb nie den Sprung ins Ausland schaffen. Bücher, die es dringend nötig hätten, dass jemand den Blick auf sie lenkt.

Die Entwicklung geht in die entgegengesetzte Richtung. In den letzten zehn Jahren waren nur 30% der für den DJLP nominierten Bücher deutschsprachige Originalwerke. 2013 war kein einziges der nominierten Kinderbücher von einem/r deutschsprachigen Autor/in – wie auch schon in den Jahren 2005, 2006 und 2007. Kritik an den Vergaberichtlinien gibt es aus allen Teilen der Literaturbranche seit Jahren. Bisher blieb sie erfolglos.

Nun wenden sich über 400 AutorInnen und IllustratorInnen in einem Offenen Brief an Ministerin Schröder und an den Arbeitskreis für Jugendliteratur. Darunter zahlreiche namhafte Vertreter der Literaturwelt. Ihnen geht es nicht darum, Übersetzungen internationaler Titel ins Deutsche zu benachteiligen. Im Gegenteil! Indem sie für eine eigene Sparte „Übersetzung“ plädieren, hoffen sie auf einen Chancenausgleich der beiden Werkformen. So könnte der Preis in Zukunft beidem gleichermaßen gerecht werden, dem Originalwerk und der Übersetzung – und endlich die anhaltende Kritik um diese wichtige Auszeichnung beenden.

Die Ministerin erhält den Brief am 23.4.2013, dem Welttag des Buches.


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