Mirror’s Edge Catalyst

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Mirror’s Edge Catalyst

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Ein Alptraum: Fensterputzer sein in Mirror’s Edge Catalyst. In der Fortsetzung des kultigen Parkour-Titels von 2008 darf nämlich abermals in der (wortwörtlich zu nehmenden) Stadt „Glass“ gegen das System gekämpft werden.

Unverhofft kommt oft werden sich wohl viele Fans von Mirror’s Edge gedacht haben: Dem vor ganzen acht Jahren erschienen Titel wurde ein Reboot spendiert und das sogar von den ursprünglichen Entwickler, das vor allem durch die Battlefield-Reihe bekannt gewordene schwedische Team von DICE (seit 2006 übrigens: EA DICE). Gerechnet haben wohl die wenigsten damit, konnte das Spiel zwar von Kritikern rund um den Globus mit viel Lob bedeckt werden, die Verkaufszahlen waren jedoch vergleichsweise enttäuschend.

Schade eigentlich, war doch das ungewöhnliche Gameplay samt dem Setting gleichermaßen sehens- wie erlebenswert: Aus der Egoperspektive zog man mit der Protagonistin Faith aus, um als futuristischer Bote („Runner“) mittels waghalsiger Pakour-Einlagen vorwiegend über Dächer Mitteilungen an diverse subversive Persönlichkeiten auszuliefern. Die Regierung hatte nämlich zur utopischen Gesellschaft ausgerufen, was sich in einer Brave New World meets 1984-esken Kontrolle von Medien, aller Arten der Kommunikation sowie der Verbannung von Genussmitteln ausformte. Ohne erkennbare Eigenschaftsanzeiger der Marke Gesundheit, Ausdauer oder dergleichen konnte man mit Leichtigkeit an Wänden entlang laufen, unter Rohren durchrutschen und sich nach einem gewaltigen Sprung auf ein Hausdach mit einer Rolle abfedern.

Lästige Beifügungen wie das überflüssige Shooter-Element, belanglose wie schlecht präsentierte Zwischensequenzen und die eine oder andere zu langwierige Mission konnten den Innovationsschub von Mirror’s Edge kaum bremsen, weswegen vermutlich nun auch der Reboot erschienen ist.

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So findet sich nun auch ganz den Gepflogenheiten eines solchen Unternehmens folgend (fast) alles beim alten: Protagonistin Faith ist zurück, das System ist immer noch eine glänzende Oberfläche, unter der es scheinbar brodelt und auf der die Runner ihre Fußabdrücke hinterlassen, die Story bleibt abermals hinter den Erwartungen zurück und das Gameplay zeigt sich wieder von seiner starken Seite.

Aber eins nach dem anderen: Die Spielfigur erhält in Mirror’s Edge Catalyst zunächst eine Verjüngungskur, da sie bei Spielbeginn aus dem Jugendgefängnis entlassen wird. Da Faith mit der allgemeinen Ordnung allerdings immer noch nicht allzu viel anfangen kann – geschuldet an ein prägendes, tragische Ereignis in ihrer Vergangenheit – verschlägt es sie erneut auf die Seite der Gesetzesbrecher. Viel mehr muss man in Sachen Handlung kaum erzählen, um dessen 08/15-Verlauf selbst erraten zu können. Überraschend erscheint jedoch, das auch im Jahr 2016, nach so vielen grandiosen Erzählungen in unzähligen Spielen in allen erdenklichen Genres, immer noch so dermaßen langweilige, eindimensionale Charaktere in schablonenhaft zusammengestellten Geschichten auf einem Haufen anzutreffen sind.

Da kann auch die nun als Open-World konzipierte Spielumgebung wenig daran ändern bzw. dies nicht vergessen lassen: Ein großer und bewusst steriler, in bunten Primär- und Neonfarben gehaltener Spielplatz sollte es sein, eine leblose und im späteren Spielverlauf mühselige Ansammlung von zusammengewürfelten Objekten ist es an vielen Stellen allerdings geworden. Dennoch: In manchen Momenten schafft es Mirror’s Edge Catalyst, den perfekten Spielfluss herzustellen, bei dem vom Spieler Geschick, (wortwörtliche) Weitsicht und Vorausplanung gefordert wird.

Auch das Streichen von Shooter-Elementen im Gameplay darf positiv hervorgehoben werden, wenn auch der neue Fokus des Kampfsystems immer noch nicht wirklich befriedigend erscheint: Schlagen und Treten als simple Abwehr war schon im Vorgänger mühselig, auch in Mirror’s Edge Catalyst sollte man, sofern die Möglichkeit besteht, davon Abstand halten.

Die offene Spielwelt des Titels entpuppt sich mit seinen unzähligen sammelbaren Objekten als typischer Vertreter von Spielen mit diesem Konzept: Stadtteile sind mittels Fast-Travel schnell erreichbar, müssen vorher aber mittels Plattformer-Einlage freigeschalten werden; herumliegende Audioaufzeichungen geben Auskunft über Persönlichkeiten und dergleichen preis; bewachte Funktürme müssten mittels Nahkampf zerstört werden und natürlich sind auch NPC mit dutzenden von zu überbringenden Materialien über die Karte verstreut, die es nach dem „Bring es von A nach B“-Schema abzuarbeiten gilt. Die Integration eines Greifhakens darf ebenso als unnötige Erweiterung angesehen werden.

So herrschen gemischte Gefühle bei Mirror’s Edge Catalyst vor: Das schnelle und unkomplizierte Überwinden von gewaltigen Distanzen in einem durchgehenden Lauf, gejagt von Schergen eines allmächtigen Systems, funktioniert in einigen Momenten überaus gut und lässt den Spieler mit dem wohl von den Entwicklern angestrebten Gefühl von grenzenloser Beweglichkeit zurück. Die Einbettung all dessen in eine heillos überfrachtete Spielwelt und hilflos zusammengeschraubte Rahmenhandlung kann weniger überzeugen, gerade bei letzterem Element darf man sich über die „Skip“-Button-Integration bei den Story-Sequenzen freuen. Mirror’s Edge Catalyst ist ein Reboot mit ähnlichen Fehlern wie schon der Vorgänger, vielleicht sollte Fans der Serie eher diesen nochmal ins Laufwerk einlegen. Neulinge, Wagemutige und Gameplay-Puristen können aber einen Blick riskieren, spannender als so mancher Walking-Simulator oder Shooter ist das Ego-Perspektiven-Spektakel allemal.

Plattform: PS4 (Version getestet), Xbox One, PC, Spieler: 1, Altersfreigabe (PEGI):, Release: 07.06.2016, www.mirrorsedge.com


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Autor

Christoph Stachowetz

Aufgabenbereich selbst definiert als: Chief of Operations. Findet “Niemand ist so uninteressant wie ein Mensch ohne Interesse” (Browne) interessant.


 
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