Gebundene Ausgabe: 250 Seiten Herausgeber: Freies GeisteslebenE rscheinungsdatum: Juni 2012LeseprobeDieses Buch kaufen?
"Manchmal, so kommt es mir vor, spürt der Himmel meine Gefühle. [...] Und so wie ich mich fühle, gestaltet er sich dann. Er spannt sich über mir auf wie ein Schirm und reflektiert wie ein Spiegel, was hier unten geschieht. Deshalb überrascht es mich kein bisschen, als es wenig später zu regnen anfängt..." (Seite 173)
Hannah und Jelly sind seit dem Kindergarten die besten Freundinnen, auch wenn sie gegensätzlicher nicht sein könnten. Hannah lebt auf dem Bauernhof ihrer Eltern und Klamotten oder Haarschnitt sind ihr ziemlich egal. Jelly hingegen hilft oft im Friseurladen ihrer Mutter aus und legt viel Wert auf ihr Äußeres. Dennoch - oder gerade deswegen - verstehen sich die beiden bestens und können sich alles erzählen.
Eine gute Freundin ist in Hannahs Leben im Moment auch wirklich wichtig. Denn wie soll sie die Sache mit Finn, der so wunderbar blaue Augen hat, deuten? Liebt er sie wirklich, so wie sie ist? Verheimlicht er ihr nicht etwas? Und dann ist das noch ihre Familie, die ihr, seit ihr Bruder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf dem Hof helfen kann, kaum Zeit zum Atmen lässt - geschweige denn Zeit zum Ausgehen! Doch am alles härtesten trifft Hannah das Verhalten ihres Bruders selbst. Was ist nur los mit ihrem eins so liebevollen Raphael, der als großer Bruder immer da war, wenn sie sich vor etwas fürchtete? Denn wenn sie ehrlich ist, ist er es momentan, vor dem sie sich fürchtet!
Dieses Buch ist wohl die perfekte Lektüre für flirrend heiße Sommertag. "Funkensommer" beinhaltet alles, was ein wirklich gutes Sommerbuch haben muss: Eine Protagonistin, die authentisch und liebenswert ist, große Gefühle von Wut und Zorn bishin zu wahrer Liebe und Zuneigung, eine Freundschaft, die so schnell nichts zerbrechen kann und Geheimnisse, die nach und nach an die Oberfläche zu kommen drohen.
Mit Hannah ist der Autorin eine glaubhafte und gefühlvolle Protagonistin gelungen. Ihre Eltern verpflichten sie oft, mehrere Tage hintereinander den ganzen Tag auf dem Hof zu arbeiten, ohne dem sechzehnjährigen Mädchen die Freiheit zu geben, mit Freunden Spaß zu haben oder einfach mal nur für sich alleine zu sein. Fehler können auf dem Hof sowieso nicht geduldet werden und so steht Hannah oft unter großem Druck. Dem Schatten ihres Bruders, der für die Eltern der Inbegriff von Perfektion zu sein scheint, kann Hannah auch nicht entkommen, so sehr sie auch versucht, ihren Eltern die Augen zu öffnen und ihren zu zeigen, was wirklich in ihr vorgeht.
So war es für mich während des Lesens nur verständlich, dass Hannah oftmals aufbrausend und zornig wurde. Mich selbst hat das Verhalten der Eltern teilweise ziemlich schockiert und aufgewühlt, sodass Hannahs Wutausbrüche für mich nur allzu nachvollziehbar waren. Der Autorin ist es wahnsinnig gut gelungen, Hannahs Emotionen auf den Leser zu übertragen.
Die Freundschaft zwischen Hannah und Jelly hat mich auch ziemlich beeindruckt. Die beiden könnten verschiedener wirklich nicht sein! Genau das macht diese Freundschaft aber so interessant und umso verwunderlicher ist es, wie stark die beiden aneinander hängen und wie wertvoll die Freundschaft für beide ist. Auch Hannahs Beziehung zu Finn wurde von der Autorin sehr gut herausgearbeitet. Das anfängliche Verliebtsein wird sehr gefühlvoll beschrieben, ohne das Hannah in kindliche Schwärmereien verfällt. Auch als ihre Gefühle für Finn stärker werden und sie nicht weiß, wie sie damit umgehen soll, bleibt Hannah authentisch. Da Finn der Sohn von Raphaels Chef ist, möchte Hannah nicht, dass Raphael von ihrer Beziehung zu Finn erfährt, da ihr Bruder in letzter Zeit ohnehin sehr aggressiv ist und sie sich vor seiner Reaktion fürchtet. Dass sie sich mit dieser Geheimniskrämerei allerdings nur noch tiefer in die Sache verstrickt, merkt Hannah erst, als Raphael ihr einen folgenschweren Deal anbietet.
Diese Geheimniskrämerei ist auch die einzige Sache, die ich an Hannah nicht mochte und die ich an ihrer Person nicht verstanden habe. Sie behält so viele Dinge für sich, die sie aussprechen sollte, um Problemen vorzubeugen und den Druck, der sich mehr und mehr in ihr aufbaut loszuwerden. Wieso sie so verschlossen ist, auch bei Dingen, die sie ruhig aussprechen könnte, ohne sich oder anderen zu schaden, habe ich nicht wirklich verstanden. Dennoch machen die kleinen Geheimnisse, die jeder in dieser Geschichte hat, den Roman ganz besonders spannend. Natürlich gilt das vorallem für Raphaels Geheimnis und die Frage, wieso er sich so sehr verändert hat, aber auch Finn und Jelly umgeben Geheimnisse, von denen sie teilweise selbst nichts wissen.
Besonders schön fand ich, wie die Autorin den Titel "Funkensommer" - den ich im Übrigen wirklich sehr gut gewählt finde - immer wieder in ihre Geschichte miteinfließen lässt. Der Titel bleibt nicht unbedeutend und wurde nicht nur gewählt, weil er sich einfach schön anhört, sondern hat im Laufe des Roman viele Bedeutungen, die immer wieder aufgegriffen werden.
Der Schluss das Romans lässt mich mit einer zweigeteilten Meinung zurück. Die Aufklärung der Geheimnisse und die darauf folgende Lösung der Probleme erscheint mir zu simpel. Alles geht viel zu leicht und reibungslos von statten und am Ende sind alle glücklich, obwohl die Ausgangssituation alles andere als heiter war. Wie sich die ganzen Beziehungen letztendlich aber entwirren und wie Hannah sich schlussendlich entscheidet, das hat mir sehr gut gefallen, denn diese Entscheidung ist glaubhaft und authentisch, so wie man das von Hannah gewohnt ist.
Der Schreibstil der Autorin hat mir leider nicht sehr zugesagt. Der Roman besteht zu einem großen Teil aus kurzen Hauptsätzen, die aneinander gereiht werden, oder gar aus Satzfragmente. Mein Lesefluss wurde dadurch beeinträchtigt und die kurzen Sätze und Fragmente lassen alles zu hart und abgehakt klingen, für einen solch sensiblen und gefühlvollen Roman. Die Beschreibung von Hannahs Gefühlen oder der Orte, die Hannah besonders liebt, ist der Autorin wiederum aber sehr gut gelungen und so kann man sich als Leser ein sehr lebendiges Bild von Hannahs Innenleben, aber auch der Umgebung, machen.
Mit hat "Funkensommer" sehr gut gefallen. Der erste Eindruck, nämlich, dass dieser Roman die perfekte Sommerlektüre ist, hat mich nicht getrügt. Und doch ist "Funkensommer" mehr als einfach nur ein Buch, dass man mal eben an einem heißen Sommertag verschlingt, dafür ist es zu tiefgründig und emotional. Ich glaube, dass dieser Roman seinen Lesern viele Denkanstöße geben wird - gerade, wenn es um das Thema Vergebung geht -, ich glaube aber auch, dass "Funkensommer" den Lesern noch lange im Gedächtnis bleiben wird.Trotz meiner Kritikpunkte möchte ich "Funkensommer" daher vier Sterne geben und finde, dass der Roman wirklich empfehlenswert ist!
Vielen Dank an Blogg dein Buch und den Verlag Freies Geistesleben für dieses Rezensionsexemplar!









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