Leben im Wohnmobil Infos + Checkliste

Fast ein Jahr ist nun her, das wir unser Haus auf dem Land verkauft und uns für ein Leben im Wohnmobil entschieden haben. 120 qm und eigenen Garten gegen eine 13 qm „Einraumwohnung“ auf 4 Rädern. Dafür muss man ganz schön bekloppt sein, oder? Wenn du alles so umkrempelst, dann gibt es einiges zu beachten.

Freiwillige Verkleinerung

Auch wenn es komisch klingt, aber ja, wir haben noch alle Latten am Zaun ;-). Für manche ist ein eigenes Haus das Nonplusultra in Sachen Wohnraum. Das war es für uns auch. Bis zu jenem Tag, als wir uns fragten, ob das alles gewesen sein kann. Ein Haus bauen, es abbezahlen, dafür arbeiten und die Freizeit nutzen, um es in Stand zu halten. Die Antwort war ganz klar – nein. Wir wollen reisen, die Welt sehen und einfach frei sein. Doch da wir eine Hündin haben, musste eine Veränderung her, die auch für sie nicht nachteilig sein würde. Somit schieden die Themen Backpacking und alles, wo wir mit einem Flugzeug reisen würde, schon mal aus und es blieb nur eine Möglichkeit übrig – ein Leben im Wohnmobil.

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Was spricht dafür?

Werfen wir doch mal einen Blick auf das, was aus unserer Sicht dafür spricht.

  • Freiheit
    Der größte und wichtigste Punkt ist für uns definitiv die gewonnene Freiheit. So wissen wir heute z.B. noch nicht, wo wir den nächsten Winter sein werden. Und das Tolle daran ist, wir sind total frei in dieser Entscheidung. Wir planen kaum voraus und schmieden Reisepläne meist von heut auf morgen. Das ist für uns ein enormer Zugewinn.
  • Reisen
    Wir können letztendlich hinreisen, wo wir wollen und so weit uns unsere Reifen tragen. So sieht unser „Garten“ jede Woche anders aus. „Wir waren noch nie in Portugal – gut, dann fahren wir da hin“, so und so ähnlich klingt es bei uns öfter. Jeden Tag neue Eindrücke, wechselnde Landschaften, Kulturen und Menschen. Das Wetter wird schlecht? Ok, dann ziehen wir weiter. Das ist mit der größte Luxus, den das Leben im Wohnmobil mit sich bringt.
  • Haushalt, was ist das?
    Oft haben wir in unserem Haus Tage damit zugebracht, alles sauber zu machen, den Garten zu pflegen und das, obwohl wir die meiste Zeit des Tages gar nicht daheim waren. Auch jetzt ist Haushalt ein Thema, nur mit dem Unterschied, das der innerhalb von einer Stunde erledigt ist. Dann ist aber auch die letzte Ecke in unserem Camper blitzeblank.
  • Gemeinsamkeit
    Wir erleben all das als Paar, was für uns die Ideallösung ist. Wir genießen die gemeinsame Zeit, auch wenn das 24h am Tag und 7 Tage die Woche auf engstem Raum bedeutet.
    Für manche mag diese Vorstellung eher nach dem absoluten Horror klingen, doch wir haben das Glück, dass das bei uns funktioniert. So habe ich nicht nur meinen Mann, sondern gleichzeitig auch meinen besten Freund dabei, mit dem ich all die Eindrücke und Erlebnisse teilen kann. Doch keine Sorge, man kann natürlich auch alleine sein Leben im Wohnmobil bestreiten.
  • Eigener Rhythmus
    Gerade in der Arbeitswelt wird uns ein Rhythmus vorgegeben, nach dem wir uns richten. Doch manchmal passt dieser nicht zu unserer inneren Uhr. Das ist nun anders. Meine innere Uhr sagt mir, wann ich aufstehe und wann ich ins Bett gehe, wann ich am produktivsten bin und wann ich mich lieber an den Strand lege und nichts tue. Kein Stress von außen und jede Menge Zeit für mich selbst.

Wohnmobil Reiseberichte, Galerie 17

Ich könnte noch ewig weitermachen und von unserem Leben im Wohnmobil schwärmen. Doch das würde wohl den Rahmen des Beitrags sprengen.

Post

Wenn man mobil unterwegs sein will, muss man natürlich auch irgendwie an seine Post kommen. Idealerweise ist man noch irgendwo gemeldet und hat jemanden, der die Post für einen annimmt und einem zukommen lässt. In diesem Zuge sollte man auch an eine Postvollmacht denken. Hat man keinen, dem man seine Post anvertrauen kann, gibt es ein paar Dienstleister, die sich genau darauf spezialisiert haben, wie z.B. Dropscan. Die öffnen und scannen deine Post und schicken sie dir per Mail.

Versicherungen

Auch wenn man dauernd reist, braucht man noch ein paar Versicherungen. Auf welche man nicht verzichten kann und will, das sieht jeder anders. Wir haben für uns folgende behalten:

  • Langzeit-Auslandskrankenversicherung
  • Unfallversicherung
  • Reisemobil Versicherung
  • Rechtschutzversicherung
  • Haftpflichtversicherung für uns und unseren Hund

Strom/Wasser/Entsorgung/Heizung/Gas

Wir haben unser Reisemobil mit 300 Watt Solar und einer 240 AH AGM-Batterie ausgestattet. So sind wir ohne Problem strom-autark.
Wasser haben wir in einem 150 l Wassertank dabei. Gerade in Europa ist die Versorgung mit Trinkwasser gar kein Problem. So füllen wir unseren Vorrat meist an Tankstellen, Versorgungsstationen oder Campingplätzen auf. In diesem Zuge kann man auch gleich seine Toilette und sein Grauwasser entsorgen.
Wir haben eine Truma Heizung verbaut, die mit Gas betrieben wird. Außerdem befindet sich unter unserem LKW ein 90 l Gastank. Wenn wir nicht heizen müssen, dann reicht uns diese Menge Gas locker für Monate.

Schlafplätze

Natürlich muss man auch irgendwo schlafen. Und wo man das tut ist individuell verschieden. Wir für unseren Teil sind keine Fans von Campingplätzen, sondern stehen am liebsten frei. Irgendwo in der Natur, wo uns keiner sieht und wir einfach nur für uns sein können. So wie gerade hier in Portugal. Ein kleiner Platz an einem Fluss und weit und breit nichts und niemand. Nur wir und jede Menge Schmetterlinge und Vögel. So haben wir uns unser Leben im Wohnmobil vorgestellt.

Wohnmobil Reiseberichte, Galerie 1

Kochen

Unser Koch- und Essverhalten hat sich vergleichsweise nicht groß verändert. So gibt es grundsätzlich frisch gekochte, leckere Gerichte mit den Produkten der Regionen, in denen wir uns gerade aufhalten.
Da wir keinen Backofen in unserem Reisemobil haben, haben wir uns vor unserer Abfahrt noch einen Omnia besorgt. Gerade, wenn uns wieder mal das Brot ausgeht oder wir Lust auf Kuchen oder einen Auflauf haben, ist dieser kleine Backofenersatz perfekt.

Bankkonto

Wir haben zwei Bankkonten. Nicht, weil eines aufgrund unserer „Reichtümer“ sonst aus allen Nähten platzen würde, sondern aus praktischen Gründen. Auf unserem Standard Sparkassen Konto liegt unser Budget. Von diesem Konto aus bezahlen wir uns monatlich einen Lohn auf das bei der DKB. Sonst müssten wir jedes mal enorme Gebühren zahlen, wenn z.B. in Spanien Geld abheben oder mit Karte bezahlen würden.

Da kommt nun die DKB ins Spiel. Ab monatlichen Geldeingängen von mind. 700 Euro bekommt man die Gebühren für Bargeldabhebungen und Zahlungen aus dem Ausland erstattet. Außerdem ist eine Kreditkarte dabei, die gerade bei Bezahlsystemen für elektronische Maut oder ähnlichem, sehr vorteilhaft sein kann.

Arbeiten unterwegs

Natürlich will auch ein Leben im Wohnmobil finanziert werden. Wir haben das große Glück, das wir uns mit dem finanzieren können, was der Verkauf all unseres Hab & Guts eingebracht hat. Doch in ca. einem Jahr müssen auch wir wieder Geld verdienen und die Liste der Möglichkeiten ist lang.

Viele, die so unterwegs sind, verdienen ihr Geld online. Sie erstellen Webseiten, betreuen Firmen bei der Optimierung ihres Online-Auftritts, designen Logos oder programmieren. Doch das heißt natürlich nicht, das man nur als Nomade unterwegs sein kann, wenn man sich ein Online-Business aufbaut. Es gibt viele andere Wege unterwegs Geld zu verdienen.

Wohnmobil Reiseberichte, Galerie 34

Manch einer arbeitet 1/2 Jahr in Deutschland, spart den Verdienst und reist davon in der anderen Jahreshälfte. Oder man reist von Festival zu Festival und verdient damit sein Geld. Wieder andere bieten unterwegs ihre Dienstleistungen als Mechaniker, Zimmermann, Erntehelfer oder Fotograf an. Und wenn das alles auch nichts für einen ist, dann kann man auch ein paar Jahre ganz regulär in Deutschland arbeiten, den Verdienst sparen und dann irgendwann losziehen.

Welche Möglichkeit wir für uns irgendwann in Betracht ziehen steht noch in den Sternen. Und da kommen wir gleich zu einer weiteren wichtigen Frage.

Was kostet das Leben im Wohnmobil?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Jeder ist anders und hat dementsprechend andere Fixkosten und Bedürfnisse. Aber was wäre ein solcher Beitrag ohne zumindest einen kleinen Anhaltspunkt. Deswegen möchten wir euch einen kleinen Einblick in unsere Ausgaben geben. Wir haben relativ hohe Fixkosten, die sich leider auch nicht minimieren lassen. Dementsprechend kann jemand, der geringere Fixkosten hat, mit Sicherheit nochmal 300 – 400 Euro abziehen. Mit unseren Ausgaben decken wir die Bedürfnisse von uns beiden und unserer Hündin.

  • Fixkosten Versicherungen, usw.: ca. 600 Euro pro Monat
  • Dinge des täglichen Bedarfs: ca. 300 Euro pro Monat
  • Kosten Reisemobil (Diesel, usw.): ca. 100 – 300 Euro pro Monat

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  • Monatliche Gesamtkosten: ca. 1000  – 1500 Euro pro Monat

Wir haben uns vor Beginn unserer Reise ein monatliches Budget von 1500 Euro eingeplant und kommen damit sehr gut aus. In Skandinavien lagen wir ein wenig darüber und in Marokko weit darunter. Doch alles in allem sind 1500 Euro für 2 Personen mit Hund auf jeden Fall genug.

Wohnmobil Reiseberichte, Galerie 35

Ist ein Leben im Wohnmobil für jeden was?

Ob das was für einen ist muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden. Da kann man nicht pauschal sagen, für wen es sich eignet und für wen nicht. Allerdings kannst du dir vorher ein paar Fragen stellen.

  • Wie wichtig ist mir Beständigkeit?
  • Sind ständige wechselnde Orte ein Problem für mich?
  • Kann ich längere Zeit ohne Freunde und Familie auskommen?
  • Mag ich es, mich ständig auf neue Umstände, Kulturen und auch Länder einzustellen?
  • Kann und will ich mich auf 10-14 qm verkleinern?

Man kann natürlich auch ein Leben im Wohnmobil führen und nur an einem Ort bleiben. Es ist nicht gesagt, das man es so machen muss wie wir. Auch das ist wieder individuell und kommt ganz auf deine eigenen Bedürfnisse an.

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Zusammenfassung

Wir hoffen, wir konnten dir einen kleinen Einblick und jede Menge Informationen zum Leben im Wohnmobil geben. Für uns ist es die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben. Und wir können nur jedem Mut machen, es einfach zu probieren. Letztendlich können wir dir nur ein paar Tipps und Infos an die Hand geben, doch den wirklich entscheidenden Schritt musst du selber machen.

Solltest du noch Fragen haben und irgendwas wissen wollen, worauf wir in unserem Beitrag nicht näher eingegangen sind, dann her damit. Wir werden gerne versuchen unser Wissen weiterzugeben.

Hier haben wir noch eine kleine Checkliste für dich, an was man eventuell noch denken muss, bevor es dann endlich los geht.

Wohnmobil Reiseberichte Holzbrücke Naturschutzgebiet

Die Leben im Wohnmobil Checkliste

  • Für noch zu machende Steuerklärungen von unterwegs Elster-Zertifikat anfordern, damit du deine Erklärung von jedem Ort der Welt online, ohne Unterschrift abgeben kannst.
  • Postvollmacht für denjenigen, der deine Post entgegennimmt.
  • Versicherungen abschließen/kündigen
  • Je nach Reiseland, um eventuell vorgeschriebene Impfungen kümmern (auch für den Hund)
  • Wenn du als Selbständiger Geld verdienen willst, dann noch ein Gewerbe anmelden.
  • Bank wechseln und eventuell altes Konto kündigen.
  • evtl. aus dem Heimatland abmelden. Nähere Infos hier.
  • Internationalen Führerschein/Fahrzeugschein besorgen.
  • Wenn du Medikamente brauchst, dann als Vorrat organisieren.
  • Wohnung/Haus auflösen/untervermieten.
  • Internet – überlegen wie es gehen soll und was du dafür noch brauchst.
  • Bestehende Verträge durchschauen und eventuell kündigen.
  • Ist die Laufzeit deiner wichtigen Dokumente, wie Pass, Reisepass, Bankkarte, noch ausreichend?  Wenn nein, neue beantragen.
  • Grüne Versicherungskarte ausstellen lassen.
  • Wenn du eine Wohnung hast, GEZ ummelden oder abmelden.
  • Wichtige Arztbesuche noch erledigen, bevor du los fährst (Zahnarzt, o.ä.)
  • deine wichtigsten Unterlagen einscannen und auf einem USB-Stick, einer Festplatte oder dem Laptop speichern. Alternativ kannst du sie auch in eine Cloud laden.
  • Eventuell das Reisemobil nochmal durchchecken lassen, bevor es los geht.
  • Wenn nötig, noch Wasser/Strom abmelden und abrechnen lassen.

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