Ressort Meinung
Kulturkampf und Kampf der Kulturen
Erstellt am 14. Juni 2011 von RobertodelapuenteIhr geheiligtes Buch, so wie sie es hermeneutisch entziffern, ist mit unseren Gesetzen nicht vereinbar. Solche Leute sollten keine Kinder erziehen und ausbilden dürfen. Überhaupt sollte man solche Leute aus dem öffentlichen Dienst entfernen. Unverträgliche Elemente unterwandern unsere Nation, sie untergraben unser Selbstverständnis, unsere deutsche Leitkultur. Leute, die ihren Predigern und ihren religiösen Kapitänen aus fernen Ländern mehr Beachtung schenken, als unseren Instanzen, der hiesigen Obrigkeit, gehören empfindlich bestraft und, falls es gar nicht anders geht, aus dem Land geschmissen. Das ist eine Sache von nationalem Interesse, ja, von nationaler Sicherheit geradezu - loyale Bürger braucht ein Land, keine fremdgesteuerten Eiferer.
Moslems? Warum Moslems? Gemeint waren Katholiken, die im Kulturkampf mit denselben Vorwürfen zu ringen hatten, wie die heutigen Muslime in Deutschland. Denen unterstellte man, sie seien ultramontan, gesteuert von "jenseits der Berge" (ultra montes, über den Bergen; gemeint ist der Vatikan, jenseits der Alpen), würden dem Papst gefällig sein, nicht aber der neuen deutschen Nation. Die aufgebauschte Stimmung jener Jahre ließ besonders fanatische Katholikenfeinde behaupten, der Katholizismus würde die Weltherrschaft anstreben. Und der Katholik an sich, der würde den Gesetzen nur dann brav folgen, wenn der Mufti in Rom seinen Segen dazu gibt. Muslime in Deutschland erleben einen Kulturkampf neuer Sorte. Die heutigen Vorwürfe klingen ganz ähnlich. Angereichert wird diese aktuelle Debatte jedoch um biologische Aspekte, die man bei den damaligen Katholiken, die ja Deutsche waren, nicht anführen konnte - auch war die "darwinistische Konfession" noch keine jüngerstarke Kirche.
Der Katholik, der vor anderthalb Jahrhunderten noch jemand war, den man hätte ausweisen wollen, weil er nicht ins deutsche Konzept passte und sich nicht der deutschen Leitkultur unterwarf, sollte sensibilisiert sein, wenn sein muslimischer Glaubensbruder (Sind die Religionen nicht verschwistert?) angefeindet wird. Sein Urgroßvater galt selbst noch als verdächtiges Subjekt. Sollte so eine Erfahrung nicht dem sittlichen Kollektivempfinden zugeschlagen werden? Wäre es nicht Aufgabe des katholischen Klerus, mit Bedacht auf die eigene Vergangenheit, lauthals aufzuschreien, wenn man seinen muslimischen Bruder zu einem Gesellschaftsfeind kriminalisiert? Das widerfahrene Unrecht, sinnigerweise als Grundlage eines generalisierten Moralanspruches? Der Kulturkampf jedenfalls ist deutscher Kult - und das Vergessen auch...
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