Angeblich ist die Welt voller guter Bilder. Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich die Selbstbejubelungen mancher Fotografen im Web so ansieht. Und ja, wer nur genug Aufhebens um seinen Kram macht, bekommt auch genug Jubilierer, die auch noch den letzten Mist gut finden. Das alles ist jedoch keine Erscheinung der Neuzeit. Schon in den Frühtagen der Fotografie gab es das und wird es wahrscheinlich immer geben. Tilla hat auf ihrem Blog heute über Kackbilder geschrieben … ein wirklich mutiger Blog-Post, weil das nur wenige zustande bringen, weil bei einem Eingeständnis der eigene Lack einen Kratzer abbekommen könnte.
Wer fotografiert, der macht auch Fehler und die Folge sind Kackbilder. Wer das nicht kennt, der hat noch nie fotografiert. Wer es nicht zugibt, ist ein Lügner. Aber was sind Kackbilder? Das sind die Dinger, bei denen man im ersten Moment glaubt, sie seien gut, aber bei näherem Hinsehen nur noch Mängel entdeckt. Bei der rein digitalen Fotografie, wie auch in der hybriden Verarbeitung, ist der Toleranzbereich zwischen absolut Gut und Kackbild recht groß. Ein PC-Bildschirm kann nur ein Bruchteil dessen zeigen, was ein Print offenbart. Print heißen übrigens schon seit rund 100 Jahren alle Bilder auf Papier. Dabei ist egal, ob man mit dem Inkjet-Drucker ein Bild malt oder in der Dunkelkammer dasselbe ausbelichtet. So, das haben wir nun klar gestellt und jetzt kommen wir zu meinen Kackbildern.
Normalerweise komme ich regelmäßig auf eine stattliche Anzahl guter Bilder pro Film. Wer kann, der kann und ich bin beileibe nicht der Größte. Deshalb ärgert es mich unglaublich, wenn ich ein Negativ auf die Bildbühne des Vergrößerers lege, mir große Mühe geben und am Ende ist das Bild Wunst (Kunst kommt von Können, wenn es von Wollen käme, hieße es Wunst). Tilla schrieb so schön über unpassende Schärfen und Schnitte, ich ärgere mich über fehlende Struktur in Haaren, aufblitzende Metallreflexionen wo sie nicht hingehören, finde einen falsch gesetzten Fokus grausam und mag auch keine falsche Blendenwahl. Bei einigen Bildern sehe ich das erst, wenn sie den Gang durch die Dunkelkammer hinter sich haben. Was passiert aber mit den Kackbildern? Mülltonne oder nicht? Nun bin ich immer auf der Suche nach Neuem. Zurzeit treiben mich Toner an, also die „Dinger“, die das Silber einer Ausbelichtung in einen anderen Stoffzustand bringen und dadurch auch einfärben können. Bei Spürsinn kann man die von mir kreierten Toner nun bestellen und ich bin stolz darauf. Und hier, an dieser Stelle, bekenne ich frei und offen: Meine Kackbilder verwende ich für meine Toner-Versuche.
Seht es Euch an, das ist für mich ein Kackbild. Da stimmt so Vieles nicht. Bei der Belichtungsmessung war ich schlampig, bei der Wahl der Blende zu übermotiviert, bei der Aufnahme nicht richtig konzentriert und in der Dunkelkammer habe ich dann auch noch so ein paar Fehler beim Abwedeln und Nachbelichten gemacht, um schließlich auch noch mit der Bilderzange einen Kratzer draufzuhauen. Alles Mist und reif für die Toner-Versuchsanstalt. Der hier verwendete Toner ist übrigens meine neueste Kreation. Farbton: ein sattes Aubergine bis ins Schwarz hinein. Und siehe da, auch ein Kackbild kann noch zu etwas Gutem werden. Also der Toner ist wirklich gut, schade nur, dass die Web-Arie nur eine schwache Ahnung von dem vermitteln kann, was das Original zeigt (darüber habe ich schon so oft gejammert, dass es sich jetzt wirklich nicht mehr lohnt). Auf das Bild bin ich wirklich nicht stolz, aber auf die Chemie-Suppe, die ich da erfunden habe, kann ich mir etwas einbilden. Deshalb wird dieses Kackbild bei mir an die Wand gehängt. Für mich hat es einen Wert bekommen, auch wenn es eigentlich wertlos, weil schlecht ist.






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