Ein Gespräch mit Gabriella Engelmann
Am Freitag haben Autorin Gabriella Engelmann und ich uns in Hamburg in einem süßen Café getroffen. Seit einiger Zeit schon haben wir Kontakt über Facebook, und das Soziale Netzwerk bestritt auch den Großteil unserer Gespräche. Genaueres dazu aber später.
Readandbeyourself: „Ich frage dich auch nicht die typischen Fragen.“Gabriella: „Das ist ja mal erfrischend!“
Anders als bei meinen vorhergehenden Gesprächen mit Autorinnen (bisher waren es tatsächlich nur Frauen, Änderung folgt aber ;) ) wollte Gabriella zunächst ganz viel über mich wissen. Über Facebook lässt sich eben nicht alles erfahren ... Also plauderten wir über die Karriere und die Arbeit mit Büchern. Neben ihrer Autorenarbeit war Gabriella nämlich selbst lange im Buchgeschäft und Verlagswesen tätig. Zuerst als Buchhändlerin, dann Lektorin und zuletzt sogar als Verlagsleiterin. Heute arbeitet Gabriella jedoch als Literaturscout und vor allem als Autorin.
„Die Promijägerin“, ihr erster Roman, ist sogar inspiriert von ihrer Laufbahn. Für den damaligen Kinderbuchverlag akquirierte sie Prominente, und nachdem sie träumte, sie würde ihren ersten Roman veröffentlichen, setzte sie sich vor einen Laptop und das Buch entstand. Gleich vier Verleger wollten das Manuskript veröffentlichen! Aus dem Erfolg entstand der Nachfolger „Jagdsaison für Märchenprinzen“. Heute schmunzelt Gabriella liebevoll über ihre ersten Werke und freut sich, dass sie sich weiterentwickeln konnte. Die Inselromane „Wolkenspiele“ „Inselzauber“ und der Hamburg-Roman „Eine Villa zum Verlieben“ wurden anders und besser. Seit neustem schreibt sie nun Märchen, ihre aktuellstes ist über Rotkäppchen (erscheint im März bei Arena). Doch Jugendbücher, speziell die Märchen, sollen nicht ihr Schwerpunkt bleiben. Dieses Genre hat es schließlich in sich. Sich einen für Jugendliche ansprechenden Roman auszudenken ist eine ganz andere Arbeit als Erwachsenenromane zu schreiben, und es ist nicht gerade leicht den Nerv der Zielgruppe zu treffen. Deswegen ist für 2013 eine Fortsetzung von „Inselzauber“ geplant. Rebecca Fischer, ihr Pseudonym, wird jedoch im Hintergrund bleiben, denn unter dem eigenen Namen zu veröffentlichen ist Gabriella lieber.
Und schon länger spukt ihr auch die Idee im Kopf, nicht nur Jugendliche sondern Kinder, am liebsten die Kleineren, mit ihren Büchern anzusprechen, so wie es mit ihrem Buch „Kuss au chocolat“ schon einmal getan hat.„Ich ziehe da eine klare Grenze. Bei Facebook sollte man vorsichtig sein.“
Wenn Gabriella schreibt, arbeitet sie meist alleine. Während des Arbeitsprozesses sieht höchstens ihre Lektorin den Textfortschritt. Erst das fertige Manuskript liest auch Gabriellas Agentin gegen.
Seit knapp einem Jahr wird das Schreiben jedoch auch von Facebook begleitet. Gabriella Engelmann macht dort nicht nur Werbung für ihre Bücher, sie zeigt dort auch ihre menschliche Seite. Ihre Fans können dort Dinge über ihr Leseverhalten, Videotipps und interessantes alltägliches erfahren. Doch Gabriella zieht auch eine klare Grenze. So sehr sie von sich erzählen mag und die Kontakte schätzt, so möchte sie auch (als Autorin) den Beruf und die Privatsphäre trennen. Sie spricht gerne über die Bücher und die Arbeit mit ihnen, bleibt aber auch auf dieser Ebene. Denn durch einige schlechte Erfahrung hat sie gelernt, vorsichtig zu sein. Vermeintliche Fans, die nur den „Promistatus“ sehen oder jene, die ihr Herz dringend jemandem ausschütten mussten – Gabriella trennt seit dem den Internetkontakt und die persönliche Freundschaft. Sie schützt ihr Privatleben, und über Bücher kann man sich auch auf einer anderen Ebene unterhalten!
Ob das andere Autoren auch so händeln, hat sie dabei immer im Blick. Jeder hat seine eigene Strategie. Einig waren wir uns beide darüber, dass es schade ist, wie wenig einige AutorInnen die sozialen Netzwerke nutzen, bzw. um ihre Reichweite wissen. Nur wenige (zum Glück mit steigender Tendenz) posten bei Facebook etwas und reagieren anschließend auf Kommentare. Autoren, die vielleicht täglich ein Zitat oder interessante Infos aufzeigen aber sonst dem Web fernbleiben, machen sich vielleicht gut in der Liste, können aber kaum als Kontakt bezeichnet werden. Dabei können User beider Seiten heute enorme Wellen schlagen. Zum Beispiel Blogger. Doch dazu später mehr.
„Bloß ohne diese Süßholzraspel!“Wie schon Annette Eickert, Sabine Weiß und Cornelia Franke habe ich auch Gabriella Engelmann gefragt, wie ihr perfekter Tag aussieht.
Gabriella erzählt, dass sie gerne richtig lange schlafen würde, um anschließend mit viel Kaffee und einem guten Buch sogar ohne Rücksicht auf Krümel eingekuschelt zu frühstücken. Nach einem langen Bad würde es dann bei Sonne auf die Terrasse gehen, bei kalten Temperaturen in eine warme Decke gehüllt auf die Couch – natürlich wieder mit einem Buch. Der perfekte Tag wird mit einem guten Essen mit Freunden beschlossen, die Nacht zum Tanzen genutzt. Gabriella merkte hierbei an, dass man am perfekten Tag auch nicht müde sei, und sie tanze so gerne!
War sie früher mehr der Katzenmensch, könnte sie sich heute auch für Hunde begeistern (in ihrer Nachbarschaft läuft ein sehr sympathischer zotteliger Hund mit Charakter herum). Am liebsten trinkt sie Tee, aber bloß ohne das nach Lakritz schmeckende Süßholz, wie ihre Facebookfans schon längst wissen :). Lustiger Weise bestellte sie sich zu unserem Gespräch einen Latte Macchiato, denn die Kreativität hielt sie bis weit in die vorherige Nacht wach.„Stresst euch nicht so!“
Die Frage, die mir als Bloggerin am meisten auf der Zunge brannte, und sicher viele von euch ebenfalls sehr interessiert, war ihre Einstellung zu Bücherblogs, Rezensionen, Bloggern und YouTubern. Gabriella überlegte einen Moment, als ich sie nach Tipps fragte, und sprach als erstes einen großen Kritikpunkt an.
Ein wenig entstehe aus ihrer Sicht zu viel Druck unter Bloggern, dem wir uns unnötiger Weise aussetzen. Ich stimme ihr da übrigens nur zu! „Entspannt euch, stresst euch nicht so. Lesen soll ja schließlich Spaß machen!“, sagt sie zweimal, weil es ihr erscheint, als würden wir täglich den SUB kontrollieren, neue Statistiken erstellen, Updates durchgeben und das Leseverhalten genau dokumentieren. Was wir alles lesen wollen ist kein Hobby mehr sondern an vielen Stellen eine Art Challenge. Unter diesem (selbstauferlegten) Druck leidet zwangsläufig die Rezension und ihre Qualität, sowohl bei geschriebenen als auch bei Videoblogs. Kann ich ein Buch noch besser und öfter präsentieren („Ich lese…“ + Rezension)? Haben andere schneller etwas geschrieben? Gabriella wünscht sich manchmal weniger Rezensionen, dafür mehr Inhalt, mehr Bearbeitung. Sie merkt schnell, wenn jemand ein Buch (vor allem natürlich bei den eigenen) nur überflogen hat. Kritiken, die mehr in die Tiefe gehen, etwas besprechen, vielleicht sogar Negatives äußern (sofern es vorhanden ist) sind aus ihrer Sicht viel wertvoller. Das macht auf Autor und Verlag auch einen besseren Eindruck. Selbst „schlechte“ Kritik kann dem Autor nur helfen, sich bei späteren Werken vielleicht zu verbessern.
Der persönliche Leseeindruck zählt letztendlich, daher haben Blogger auch eine gewisse Verantwortung, sich selbst treu zu bleiben.Autoren und Verlage um Exemplare zu bitten, nur um das eigene Regal oder sogar die Geldbörse zu füllen sollte keineswegs die Motivation für eine Rezensionsplattform sein. Gerade wenn Verlage ein Buch anbieten, und man weiß es passt nicht zu den eigenen Vorlieben, darf man das ruhig ablehnen. Gabriella würde bei Bloggern mehr Individualität, mehr Vielfalt befürworten – wir können also mal die Konkurrenz außer Acht lassen und unser eigenes Ding oder im Video machen. Wenn jemand unsere Texte, Rezensionen oder Tipps gerne liest oder die Videos gerne schaut, wird derjenige sich auch weiterhin den Content anschauen. Auch wenn mal nicht jeden zweiten Tag etwas veröffentlicht wird. Oder nicht das superaktuellste Buch besprochen wird.
Für Gabriella Engelmann und für mich war es mal interessant, die andere Seite zu erfahren. Ich habe ihr mein Rezensionsbuch gezeigt und erzählt, wie Pressestellen etc. auf mich reagieren oder wie ich vorgehe, und Gabriella hat vom Kontakt mit anderen Rezensenten erzählt.Nach Facebook und Rezensionen plauderten wir anschließend noch über Büchertipps. Gabriella selbst las gerade „Die vier zauberhaften Schwestern“ von Sheridan Winn, vorher „Die Bücherflüsterin“ von Anjali Banerjee. Letzteres wies erstaunliche Parallelen zu „Inselzauber“ auf – Zufall? ;)
Dieses Treffen am Nachmittag gehört nun zu einer meiner schönsten Erfahrungen, die ich über meinen Bücherblog machen durfte. Nie wieder möchte ich den Kontakt zu Autoren missen, und so nette Autorinnen wie Gabriella Engelmann persönlich kennen lernen zu können ist dann ein besonderes Highlight.
Liebe Gabriella, vielen vielen Dank für dieses tolle Gespräch. Es ist schön, wenn Autoren sich so menschlich zeigen können und bereit sind, auch mit kleinen Bloggern wie mir einfach so einen Nachmittag verbringen :) . Ich wünsche dir für die Zukunft weiterhin viel Kreativität und natürlich Erfolg – und hoffentlich nimmst du nicht so schnell Abstand von Facebook!
Liebe Sandra, es war mir ein großes Vergnügen, eine so kluge (und dabei noch so junge) begeisterungsfähige, engagierte „Buchfrau“ kennen zu lernen. Es war toll, mit dir so lange über meine persönlichen Lieblingsthemen sprechen, und auch mal in dein „Nähkästchen“ schauen zu dürfen.
Gabriella
Mehr zum Thema Märchen und Gabriella Engelmann findet ihr auch hier:
http://fiedlers.wordpress.com/2012/01/03/gabriella-engelmann-spricht-uber-marchen/
Meine Rezension zu "Inselzauber" ist HIER.







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